Shared Particles – AK/DK’s drittes Studioalbum

Das Drum & Synth Duo AK/DK veröffentlichen nun ihr -bereits im Jahr 2019 aufgenommenes- drittes Studioalbum”Shared Particles”. Die Mischung aus Post-Punk Elementen mit gefiltertem Gesang und das Schlagzeugspiel vermischen sich zu einem vielschichtigen Klangteppich und so reiht sich das Album nahtlos in die Riege des treibenden Selbstverständnisses von englischen Post Punk Bands wie ‘Fat White Family’, ‘W.H. Lung’ oder den ‘Snapped Ankles’ ein. AK/DK formen ihren Sound aus modularen Synthesizer-Setups, steuern jene durch selbstgebastelte Effektpedale und Ed Chivers und Graham Sowerby dreschen auch ordentlich in das jeweilige Drumkit. Die aus Brighton (England) stammende Formation findet die Inspiration ihrer Sounds in Bands wie den Elektronik-Pionieren Kraftwerk oder Krautrock Formationen wie Can.

Shared Particles – der titelgebende Track wurde schon im Juni 2020 veröffentlicht

Kompromisslos wird “Shared Particles” von den beiden Musikern auch zu Ende gedacht. 2x Synths / 2x Drums heißt die Devise. Kein Song läßt auf dem Album wirklich aus, vielmehr verdichten die beiden die Möglichkeiten ihres zwei Personen-Setups und greifen dabei tief in die Trickkiste und spielen gekonnt mit Elementen verschiedenster Genres ohne wie aus der Konserve hervorgeholt zu klingen. Ein wenig klingt AK/DK wie ein auf Steroiden hängen gebliebener Jean-Michel Jarre, dessen Studio-Schlagzeuger auch einfach mal in einer Session ohne Kompromisse drauflos drischt. Oder wie Mark Mothersbaugh’s Band Devo zu ihrer besten Zeit.

If thumping, new wave, club-oriented music if your bag then look no further than AK/DK’s third record ‘Shared Particles’. This album looks to be full of arpeggiated synths and pummelling acoustic drums. Titular lead single ‘Shared Particles’ is a proper banger, too. Norman Records

Die Arrangements der Songs steuern zwar auf keine klar auszumachenden Höhepunkte hinaus, bangende Kopfbewegungen sind dennoch und gerade deshalb erwünschte Nebeneffekte beim Hören ihres dritten Studioalbums. ‘Shared Particles’ ist am 27. November bei dem Label ‘Little Miss Echo‘ erschienen. Eine limitierte colored-Vinyl Ausgabe des Albums ist bereits vergriffen. Link: AK/DK auf Bandcamp

Bewertung : ★★★★☆ – 4 von 5 Sternen

Katy J. Pearson – Return (Album Review)

Katy J. Pearson wird am 13.11.2020 ihr Debütalbum “Return” auf Heavenly Recordings veröffentlichen. Nach dem gescheiterten Versuch ihrer vorherigen Band Ardyn (ein Musikprojekt mit ihrem Bruder Rob) bei einem Major Label zu reüssieren und es deshalb nicht klappte, da der auferlegte Druck zu groß war, stellt sich Katy J. Pearson nun selbst in die erste Reihe und überzeugt mit einem Indierockalbum alter Schule.

Die Songs auf “Return” sind zwischen in ihrem Elternhaus
in Gloucestershire, ihrem Zimmer in Bristol und dem Community Kunstraum
“The Island” in den letzten 2 ½ Jahren entstanden. Da sie sich selbst keinen Druck auferlegte und relativ zwanglos an die Sache heranging überzeugen Katy J. Pearson’s Vorliebe für Americana, Lo-Fi Folk und Indierock mit Hang zur Melancholie im Gesamtpaket.

Der Song “Hey You” ist einem an Depressionen leidenden Freund gewidmet, der Rest des Albums ist ein an eingängigen Popmelodien nicht gerade armes Amalgam eines Südstaatensounds der zwar aus dem Südwesten Englands stammt aber auch in einem Südstaatenbeisl in den USA aufgelegt werden könnte. Katy J. Pearson bezeichnet sich in manchen Interviews selbst gern auch als “‘70s Texas mom”.

Das Album wurde von Ali Chant (PJ Harvey, M. Ward, Perfume Genius, Gruff Rhys) produziert, die Erstauflage ist als rotes Colorvinyl bei Heavenly Recordings im Shop erhältlich. (Zusätzlich zum Album gibt es eine Download EP von Field Recordings die im Laufe des Jahres 2020 mithilfe eines in die Jahre gekommenen Nagra Tape-Recorders aufgenommen wurden.)

W. H. Lung – “Incidental Music”

W. H. Lung 2019er Album “Incidental Music” ist vor allem auch aufgrund des Gesangs von Frontmann Joseph E. eine musikalische Reise in die Hoch-Zeit der Genres New Wave/Psychodelia und Krautrock. Dennoch klingt das Trio aus Manchester nicht altbacken sondern verführt mittels bekannter Stilmittel den/die HörerIn mit gefühlvollen Synthesizer- und Gitarren-Arrangements.

“W. H. Lung’s arrival at their debut album has been less conventional
than most. A trait shared with the music they make, which weaves between
shimmering synth pop and the infectious grooves of 70’s Berlin.” (Bandcamp)

Gleich die Eingangsnummer “Sympatico People” erstreckt sich über 10 Minuten die niemals Zweifel daran lassen, dass gewisse Songs einfach ihre Länge brauchen um ihre maximale (psychodelische) Wirkung zu entfalten. “Inspiration!” schlägt in dieselbe Kerbe und Joseph E’s Tanzeinlagen im Live Betrieb der Band bräuchte eine eigene Kritik so eklektisch bewegt sich der Frontmann zur Musik seiner Kollegen. Der Einsatz von Drummachine und Co. komplementiert bei Nummern wie “Emtpy Room” die Bandbreite und reduziert gefühlsmäßig das Anfangstempo des Albums um die Hälfte. Nichts desto trotz steigert sich die Nummer zu einer Synth-Hymne, die auch aus der Feder eines Martin Gore (Depeche Mode) stammen könnte.

W.H. Lung’s Debütalbum “Incidental Music” ist am 5.4.2019 bei Melodic Records erschienen.

J Lloyd – Kosmos

J Lloyd, eine Hälfte des Produktionsduo’s der Band Jungle hat am 11. Juli 2020 ein 39 minütiges Mixtape herausgebracht. Herausgekommen ist ein Soundteppich, gewoben aus 25 einzelnen Songfragmenten die ausnahmslos ineinander übergehen und so die Basis für die jeweils darauf folgende Nummer legen. “Kosmos” erklärt auch ein wenig den Soundkosmos der englischen Band und wie prägend wohl die Produktionen von J Lloyd für sie sind. 

The project is an exercise on a continuous, unfiltered flow of recording,
where each track flows and develops naturally into the next idea. The
mixtape was written and recorded in order, meaning the atmosphere and
tempo of one track influences the next.
(https://www.frontview-magazine.be)

Es sind musikalische ideen mit satirisch anmutenden Songtiteln, die J Lloyd innerhalb von 72 Stunden im April und während des Lockdowns aufgenommen hat. Die Songfragmente zapfen dabei ihren Sound aus verschiedensten Quellen und Einflüssen. Ein wenig erinnern die kurzen Stücke an einen psychodelischen Mix von Sounds von Bands wie Tame Impala oder Caribou. (die im grunde genommen auch Projekte von Einzelpersonen sind, live aber mit Bandkollegen auf der Bühne stehen.)

J Lloyd greift dabei tief in seine musikalische Trickkiste, auch Einflüsse von elektronischen Bands wie Plaid oder Boards of Canada (Warp Records) spiegeln sich darin wieder. Die Songtitel wirken zwar oft aus einer Laune heraus gewählt aber wer sich schon immer mit dem Sound der Band “Jungle” identifizieren konnte, dem wird es auch nicht sonderlich schwer fallen in den “Kosmos” von J Lloyd hineinzukippen. Musikalisch bleibt das Mixtape aber stellenweise etwas linear und die Arrangements wirken etwas hastig aufgesetzt, sodaß gewisse Songs ein wenig das ansonsten flüssige Gesamtbild der Veröffentlichung auszerren. Aber vielleicht will das Mixtape auch nicht mehr. Es ist ein kurzzeitiger und fragmentarischer Blick auf das musikalische Ouevre des Musikers und Bandmitglieds. Ein solches Mixtape will vielleicht auch bloß nicht mehr, als stellenweise als begleitende Hintergrundmusik beim Arbeiten (am PC) zu gefallen.

Das Mixtape “Kosmos” ist am 11. Juli 2020 bei JFC Worldwide
erschienen. J Lloyd ist eine Hälfte des Produktionsduos der Band
Jungle, die 2018 ihr zweites Album “For Ever” bei XL Recordings
veröffentlichten.

Blizzards – Nathan Fake

Nathan Fake erschließt sich auf dem bereits am 3. April 2020 veröffentlichten Album “Blizzards” jene treibende Energie, die er persönlich nur bei seinen Live – Auftritten oder beim unverbindlichen Jammen im Studio erfährt. Wie auf der EP “Sunder” (2018) sind die meisten Tracks des aktuellen Albums in einem “Take” aufgenommen. Manche Songs wurden in der Postproduktion noch bearbeitet, aber man merkt dem Album die Reduktion auf ein paar wenige Hardwaregeräte an.

Diese erfrischende Herangehensweise steckt der englische Klangkünstler, der schon auf Labels wie Ninja Tune reussierte, 1:1 in ein elektronisches Klangkostüm, das einem kalten postapokalyptischen Dark Rave gleicht. Nathan Fake, der mit bürgerlichem Namen wirklich so heißt, gräbt sich dabei unaufhörlich in die Tiefen seiner Instrumentierung hinein und schöpft durch diese selbt auferlegte, kreative Limitierung aus dem Vollen.

Roughe Beats, reverbverhangene Synth Arangements, ein bißchen dosierte Distortion Effekte da und dort und der ihm zugrunde liegende Drang den Vibe der Nummern nach vorne zu peitschen erhebt sich zu einer eklektischen Klangsynthese, die keinen Song zurückläßt. Nicht umsonst wurde “Blizzards” von der Presse als sein bislang ausgereiftestes und bestes Album bewertet. “Blizzards” erschien auf seinem eigenen Label “Cambria Instruments” und läßt einen die Intensität beim Hören des Albums selbst erleben.