Lightning Dust “Material Life”

Lightning Dust haben letztes Jahr mit ihrem vierten Longplayer-Album “Spectre” die Messlatte für Indie Alternative Songwriting hoch angelegt. Die Stimme von Amber Webber und die Instrumentierung von Joshua Wells haben mich auf die Band aufmerksam gemacht. Das Duo aus Vancouver hat nun in Corona Zeiten am 23. Juli 2020 eine EP auf dem Label Western Vinyl veröffentlicht.

Lightning Dust – the duo comprised of Amber Webber and Josh Wells – tends to thrive in the spirit of change. 2007’s self-titled
debut was a hushed, intricate folk affair, while 2009’s Infinite Light
found a middle ground between Suicide and Fleetwood Mac era pop. So when
they geared up to make the music that would become Fantasy, the pair
was looking for a new sonic stamp.
(Bandcamp)

Der Song “Material Life” (s. Video) klingt als würden die beiden während einer Autofahrt eine Pause an einem Motel einlegen, die Synths und Gitarren auspacken und dem Leben auf der Straße einen maßgeschneiderten Song anlegen. Der zweite Track “Busted Minds” ist für mich der eigentliche Höhepunkt der EP. Ein Schlagzeugrythmus peitscht die Nummer “straight forward” zu einem Höhepunkt der Wiederholung in der die Stimme von Amber Webber sich mit hochschraubenden Synthlines messen muß.

Die beiden Titel geben einen Vorgeschmack auf kommende Veröffentlichungen des Duos, welches sich immer wieder Gastmusiker einlädt und seit 2007 besteht.

Khruangbin – Mordechai

Khruangbin’s aktuelles Studioalbum “Mordechai” ist eine kleine erweiterte Reise in den Soundkosmos des texanischen Trios wert. Beim Hören überschreitet man manche geografische, politische Grenze mit Leichtigkeit und ist dabei mit einer Art Frohsinn ausgestattet, der den verzauberten melodischen Korpus der Band widerspiegelt. Neu dazu gekommen sind chorale Vocals ohne dem typischen Strophe-Refrain System der Bassistin Laura Lee.

“Zehn neue Songs haben Khruangbin dafür im eigenen Farmhouse Studio in
Burton, Texas eingespielt, in denen sie diesmal klangliche Einflüsse aus
Pakistan, Korea und Westafrika hörbar machen. Außerdem, und das ist ein
Novum für die überwiegend instrumentale Band, steht bei fast jedem Song
auf »Mordechai« der Gesang im Vordergrund.” (jpc.de)

Khruangbin, was auf thailändisch soviel wie Flugzeug bedeutet ist eine Metapher an sich. Landet man doch mit dem Sound von Khruangbin einmal in Mexiko und befindet sich bei der nächsten Nummer in Afrika oder Thailand. Die Vermengung der Style ist sich Khruangbin auch bei Mordechai treu geblieben, dennoch zerfranst das Album in manchen Abständen in eine Art Dauerschleife des Banalen, was KritikerInnen gerne mit dem Totschlagargument “Fahrstuhlmusik” abtun. Dennoch hat auch Mordechai seine starken Elemente und die Band ist sich ihrem Stil durchaus treu geblieben. Das psychodelische Artwork des Albums stammt aus der Feder von Bassistin Laura Lee und dem Grafik- und Sound- Designer Nathaniel David Utesch. Veröffentlicht wurde das Album bei dem Indie Label Dead Oceans am 26. Juni 2020 und Khruangbin avanciert mit ihrem 4. Studioalbum vom Geheimtip zum Festivalheadliner, falls es momentan Festivals geben würde. Aber rechtzeitig für die Sommerplaylists dieser Welt öffnen Khruangbin die Tore zu ihrem texanischen Soundtempel und die Band läßt uns bei Nummern wie “Pelota” oder “So we won’t forget” von einer Welt wegschlummern, die scheinbar immer mehr aus den Fugen gerät und das nicht nur wegen Covid-19. Ein Album, dessen Besonderheit sich wahrscheinlich auch erst nach mehrmaligen Hören einstellt.