Melt Downer III – Album Review

Der Sound von Melt Downer kommt so brachial daher, dass das dritte Album der Österreicher sich nicht gerade für den Genuß während des Morgenkaffees eignet, denn Melt Downer’s Klangversum besteht aus einem verdichteten Amalgam von Gitarre, Bass und Schlagzeug und geht dabei keine musikalischen Kompromisse ein. Das Songwriting der Band ist stets nahe am Noise- und Postrock-Krach-Plafond angesiedelt. Mehr Fuzz-Verzerrung geht eigentlich nicht. So sollte das Album “III” doch eher bewußt im Alleingang komsumiert werden, wenn man sich voll und ganz der Musik des Trios widmen kann. Dann erfährt man eine Melt-Show der besonderen Güteklasse. Kaum eine österreichische Band ist dermaßen kompakt und geradlinig im Erstellen ihrer Arrangements und der Output der Band (3 Alben innerhalb von 3 Jahren) spricht für die Effizienz ihrer Arbeitsweise. Aufgenommen wurde das Album in den S.T.R.E.S.S. Studio’s verantwortlich für die Produktion zeigt sich Daniel Husayn.

“Melt Downers allumfassende Noise-Rock-Hyperbel ist angemessen, wenn man bedenkt, wie man mit den unzähligen Ungerechtigkeiten des heutigen Lebens umzugehen hat. […] Melt Downer rippen sich durch 8 Songs, klingen dabei kompromisslos wild und drängen ihre 3 Instrumente weit hinaus, auf einen herzergreifenden Trip zurück zum 80er-Punk, aber mit einem konstanten, wenn auch abrupten Schlag gegen den Hinterkopf, der Vergangenes loszulassen vermag.”

Rock is Hell

Schon der Opener des Albums, ‘Piece’ setzt sich als Ohrwurmkracher fest und steht für den Sound von Wolfgang Möstl, Mario Zangl (Mile Me Deaf, Killed by 9V Batteries) and Florian Giessauf. Die Single ‘Gross White’ räumt mit patriarchalen Denkweisen auf, auch wenn Melt Downer ebenfalls nur aus krachmachenden männlichen Bandmitgliedern besteht, ist ihnen eine kritische Denkweise gegenüber dem Patriarchat nicht fremd, eine Tendenz die sich schon durch ihre ersten beiden Alben zieht.

So gesehen arbeiten sich Melt Downer eigentlich an allen großen weltpolitischen Themen ab. “Earth 2”, ‘Minimal’ und “Gothic Fiction” stehen dem in nichts nach. Systemkritik mit Augenzwinkern. Die letzte Nummer des Albums, “Kind” – in 45er-Geschwindkeit auf der B Seite der LP verewigt – schmiegt sich handzahm an einen an, die Gitarren sind großflächig eingesetzt, noisig kratzt sich das Trio durch die 11 Minuten lange Nummer und diese steht im Kontrast zu den anderen schnelleren Nummern des Albums, welches am 22. Jänner 2021 veröffentlicht wurde.

Wertung: 4/5 Sternen ★★★★☆

Links: Numavi Records | Rock is Hell