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MInami Deutsch – Can’t Get There EP

Minami Deutsch, der etwas verschrobene Name der Band schuldet sich sicher der Musikgattung, der sie sich verschrieben hat. Ihr nach dem Bandnamen betiteltes erstes Album, welches auf Guruguru Brain im Jahr 2015 veröffentlicht wurde klingt sehr nach klassischen Krautrock Bands wie NEU!, CAN oder FAUST. Der hypnotische Beat und die pochende Basslinie wird oft von sphärischen Gitarrenflächen ergänzt. Gegründet wurde die Band 2014 rund um den Frontman Kyotaro Miula und zur fixen Besetzung zählen noch Taku Idemoto (Gitarre), Keita Ise (Bass) and Hikari Sakashita (Schlagzeug).

Nun hat die Band im Juli diesen Jahres eine EP mit dem Namen “Can’t get there EP” auf dem schwedischen Höga Nord Rekords Label veröffentlicht. Die drei eigenen Nummern werden durch 2 Remixes der titelgebenden Intronummer ergänzt. Dabei bleibt die Band ihren Wurzeln treu und lassen die Synapsen der Zuhörer durch die Wände gehen. Ein monotoner Beat lässt den Gitarren freien Raum und der Bass unterstreicht den Drive von “Can’t get there”.

Ein einfaches Gitarren Medley, mehr braucht die über 7 Minuten lange Nummer nicht um eine eigene Geschichte zu erzählen. Dabei driftet man auch mit dem Schlagwerk immer wieder mal ab um dann wieder zum Grundthema zurückzukehren. Und wie der Titel der Nummer schon sagt, kommt man nirgendwo an und dennoch unternimmt man eine Reise mit der Musik von Minami Deutsch.

…you get the feeling of leaving half your brain in a Volkswagen down an endless Autobahn in 1972 and one-half lost in the astral plane as boundless light, above space and time…

(Höga Nord Rekords)
Can’t get there EP – Minami Deutsch

Auch der dritte Titel der EP “Nishi No Jiku” behält diesen von CAN und NEU! beeinflußten Musikstil im richtigen Mischungsverhältnis bei. Und wer sich für den hyptnotische Beat von Krautrock und der Band NEU! im speziellen interessiert gibt es auf Arte noch bis Anfang September eine Doku über Klaus Dinger zu sehen. Krautrock kommt aber nunmehr aus Japan, wie es scheint. Oder zumindest sind Minami Deutsch eine treibende Kraft in Japans Underground Psych-Rock Zirkeln. Wer Zeit und Lust hat, hat am 27. August die Möglichkeit Minami Deutsch live im Rockhouse Salzburg zu sehen. Eine Empfehlung.

Sauropoda von L’Eclair

Sauropoda – L’Eclair Albumcover

Falls es (für mich) eine Band im Moment gibt, die den Sommergroove am besten einfängt, dann wohl der Sound des neuen Albums “Sauropoda” von L’Eclair. Die schweizer Combo weiß um den Moment, denn das Album wurde ohne viele Overdubs von Benoit “Gérard” Erard aufgenommen. Krautrockelemente treffen auf den Vibe von italienischen Filmscores aus den 70er Jahren. Dennoch wirkt “Sauropoda”, direkt seriös und klingt wie ein Artefakt aus vergangenen Zeiten. Die Gruppe präsentiert auf ihrem neuen Werk fünf Tracks, welche dennoch fliessend und genüsslich eine Gesamtheit bilden. Aus losen Jams entstand innerhalb von 2 Tagen ein Album, obwohl es so nicht geplant war. Tanzbarer Krautrock mit verspielten Synthlines und leichtfüßig anmutenden Gitarrensoundeinstreuungen, ein Weg den die Band seit ihrem Beginn im Jahr 2015 konsequent geht.

Sauropoda bridges funk, disco, electronics, prog, and ambient styles in a very natural way, finding a warm, body-conscious thump that brings everything together.

Quelle: popmatters / popmatters.com

Begonnen hat ihre Geschichte in London, wo Gitarrist Stefan Lilov und Keyboarder Sebastian Bui ein Auslandsjahr begingen. Zurück in Genf taten sie sich mit Freunden zusammen und obwohl ihr Sound anfangs nur für Gitarre und Keyboard gedacht war und stark unter dem Einfluß deutscher Bands wie Kraftwerk oder Cluster stand, wuchs der Sound der Band mit der Zeit. Das 2018 erschienene Album “Polymood” welches in den Niederlanden aufgenommen wurde gab dann auch schon ein wenig die Richtung vor. Während Polymoon also ein striktes Studioalbum war, gibt Sauropoda mehr den Live-Sound der Band wieder. Der Easy-Listening Sound auf Sauropoda täuscht aber über die komplexe Soundästhetik auf ihrem 3. Album hinweg. Die 12 Minuten Nummer “Endless Dave” könnte noch länger weitergehen ohne den Charakter zu verlieren. Auch der 8. Minuten dauernde Track “Suite Nr.2” fällt in die Kategorie lebendiger, treibender Funk-Sound. Der lange Hals und der kleine Kopf eines Sauropoden entspricht also auch ein wenig der Ästhetik der schweizer Combo. Ihr aktuelles Album ist bei Beyond Beyond is Beyond Records erschienen.