Nadine Shah hat sich nach ihrem politischen Album “Holiday Destination” aus dem Jahr 2017 – in dem sie den Umgang mit Flüchtlingen und den Umgang des Westens mit Krisenherden im Nahen Osten kritisierte – wieder dazu entschieden auf ihrem aktuellen Album “Kitchen Sink” in ihrem musikalischen Schaffen auch politisch zu agieren.

Diesmal trägt sie den politischen Diskurs aber zu sich selbst, ins eigene Heim um unter anderem tradierte Rollenbilder der Geschlechter zu hinterfragen, denn das Private ist nicht nur seit Hannah Arendt politisch. Diese Rollenbilder, die sie als Kind mit Liederstrophen in sich aufgesaugt hat und deren Bedeutung sie im Erwachsenenalter begonnen hat stark zu hinterfragen sind für Nadine Shah Ausgangspunkt einer Reise ins Innere von Erwartungen und Anforderungen die an die Frau von heute vom Gesellschaftssystem gestellt werden. Anforderungen denen man sich entweder unterordnet oder doch, wie im Falle von Nadine Shah zum Thema macht um Verhältnisse zwischen Mann und Frau neu auszuleuchten. Das Lied “Ladies for Babies (Goats for Love)” zeugt davon.

Die Waffe der Künstler*innen ist das Gegenwerk, bei Nadine Shah heißt es
„Ladies For Babies (Goats For Love)“ und handelt von Typen, die von
ihren Frauen Kinder und hübsche Kleider erwarten, die wahre Liebe aber
anders verschenken. (André Bosse – musikexpress.de)

Daneben ist das neue Album Kitchen Sinkeine gelungene Mischung verschiedenster musikalischer Einflüsse, die die britische Musikerin mit Wurzeln in Norwegen und Pakistan zu einem harmonischen Ganzen zusammengestellt hat. Eine schönere, bedachtere Stimme kann eine aufgeklärte Person wie Nadine Shah dem Feminismus des 21. Jahrhunderts nicht geben. Daneben wirkt das Album erwachsener und stringenter als sein Vorgänger.

Interview mit Nadine Shah