Marco Kleebauer “music to shower to”

Das zweite Soloalbum von Marco Kleebauer “music to shower to” ist eine ruhigere Reise in den Soundkosmos des Musikers, der sich auch für manche Produktion der Band Bilderbuch verantwortlich zeigt und auch mal für die (Nachbearbeitung der) Klangwelt der Band “Oehl” im Studio anwesend ist.

Nach seinem ersten, unter bürgerlichem Namen veröffentlichten Album “Magnolia” (2019) welches von Künstlern wie Flying Lotus beinflußt worden ist und manche Songs dort stärker rhythmus-orientiert aufgebaut sind, ist “music to shower to” scheinbar unbeabsichtigter entstanden als sein Vorgänger und gebart sich feinstofflicher in seiner Ausgangsform. Das Album schleicht sich aber langsam und fast unbemerkt in das eigene Seins-Bewußtsein hinein und verwandelt seine metaphysische Form dort in musikalisch festen “Hörstoff”, herausgearbeitet aus den verwendeten (Eurorack-) Synthesizern und gesammelten Soundfragmenten, den Bleeps und fragmentarischen Clicks ’n Cuts, die Marco Kleebauer zu dieser sich festsitzenden Masse formt.

Ich mache Musik in erster Linie für mich, auch weil ich früher nicht
davon ausgegangen bin, dass sich das jemand anhört. Wenn das etwas wäre,
was mir keinen Spaß macht, dann müsste ich mich dazu zwingen. Sobald es
Spaß macht, gefällt es mir auch. Ich bin auch relativ gut darin, mich
nicht emotional an Ideen zu binden. Ohne dem würde ich Hunderte Stunden
an etwas arbeiten und daran verzweifeln. Man darf sich nicht zu sehr
reinsteigern. Die besten Sachen passieren sowieso, wenn man nichts
erwartet. Ich habe gemerkt, dass mir das auch als Mensch guttut, wenn
ich so bin. (https://www.musicaustria.at/)

Das Album ist auf seinem eigenen Label “Minor Changes” am 27.03.2020 erschienen, eine Auflage als Kassettenrelease ist bei Inkmusic erhältlich, eine Flasche Bier gibt’s obendrauf. Digital gibt es “music to shower to” bei allen gängigen Streamingplattformen. (Cover Artwork von Alessandro Fogo.)

Blizzards – Nathan Fake

Nathan Fake erschließt sich auf dem bereits am 3. April 2020 veröffentlichten Album “Blizzards” jene treibende Energie, die er persönlich nur bei seinen Live – Auftritten oder beim unverbindlichen Jammen im Studio erfährt. Wie auf der EP “Sunder” (2018) sind die meisten Tracks des aktuellen Albums in einem “Take” aufgenommen. Manche Songs wurden in der Postproduktion noch bearbeitet, aber man merkt dem Album die Reduktion auf ein paar wenige Hardwaregeräte an.

Diese erfrischende Herangehensweise steckt der englische Klangkünstler, der schon auf Labels wie Ninja Tune reussierte, 1:1 in ein elektronisches Klangkostüm, das einem kalten postapokalyptischen Dark Rave gleicht. Nathan Fake, der mit bürgerlichem Namen wirklich so heißt, gräbt sich dabei unaufhörlich in die Tiefen seiner Instrumentierung hinein und schöpft durch diese selbt auferlegte, kreative Limitierung aus dem Vollen.

Roughe Beats, reverbverhangene Synth Arangements, ein bißchen dosierte Distortion Effekte da und dort und der ihm zugrunde liegende Drang den Vibe der Nummern nach vorne zu peitschen erhebt sich zu einer eklektischen Klangsynthese, die keinen Song zurückläßt. Nicht umsonst wurde “Blizzards” von der Presse als sein bislang ausgereiftestes und bestes Album bewertet. “Blizzards” erschien auf seinem eigenen Label “Cambria Instruments” und läßt einen die Intensität beim Hören des Albums selbst erleben.