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Telquist – Wild Haired Album Review

Geprägt durch verschiedene Musikstile und Erfahrungen in mehreren Bands & Formationen verwirbelt der Regensburger Sebastian Eggerbauer mit seinem Soloprojekt „Telquist“ eingängige Popsounds mit frischen Elektroklängen. War sein Stil auf dem Vorgängeralbum „Strawberry Fields“ aus dem Jahr 2017 noch stark von Reggae beeinflußt, verschmelzen auf „Wild Haired“ elektronische Klänge mit Gitarrenriffs und Synthesizern zu einem Popkonglomerat, das zum wiederholten Hören anregt.

Die erste Nummer „Low Flying Birds“ gibt schon gleich mal die Richtung des Albums vor. Vom Gesang, der immer wieder in einer Art Sprechgesang á la Matt Shultz von „Cage The Elephant“ mündet, bis zum eingängigen Refrain wird Pop als Genre hochgehalten, erweitert den angestaubten Begriff durch gekonnte Verwendung verschiedener Instrumente und elektronischer Klänge. Die Single „Mojo“ schlägt in dieselbe Kerbe.

Pop wird hier zwar nicht neu erfunden aber wäre das Genre ein Zimmer, wäre es frisch gestrichen und stilvoll eingerichtet. Es scheint, als sei Sebastian Eggerbauer mit Unterstützung seiner Band nun in seinem eigenen Soundkosmos angekommen und hat sich dort gemütlich einrichtet. „Chills“ geht vom Rythmus das Ganze langsamer an, kann als Ballade verstanden werden und auch hier ist der Refrain, die Hook das stilprägende Element. Das Songwriting scheint auf dem ersten Blick sehr klassisch ausgerichtet zu sein, aber das erweist sich bei der Qualität der Songs als gegebene Realität, und spiegelt die akribische Arbeit hinter dem Album wider.

Sebastian Eggerbauer alias Telquist ist ganz unverhofft in das professionelle Musik-Geschäft gestolpert. Jahrelang spielte der Regensburger in verschiedenen Bands Reggae, Ska und Indie, bis ihm die Genregrenzen zu eng geworden sind. Als Solo-Künstler Telquist folgt er seinem Bauchgefühl und produziert eingängigen Indie-Pop aus einem bunten Mix an Einflüssen.

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Die Corona Krise hat den Releasetermin des Albums immer wieder nach hinten verschoben, auch diese Zeit hat Sebastian Eggerbauer geprägt und so beschreibt er in einem Feature vom Bayerischen Rundfunk auch immer wieder Selbstzweifel eines ernstzunehmenden Künstlers, der sich selbst aber nicht zu ernst nimmt. Die Nummer „Fun“ klingt im ersten Moment nicht nach Fun, das eingesetzte Voice Sample umschmeichelt den Song und auch hier funktioniert die Hook und der Song wird im letzten Teil von Drumsounds erweitert. „Cheesy Cars“ erzählt anscheinend von einfachen Tagen, man denkt an einen Cabrioletausflug mit Weizenfeldern links und rechts der Fahrbahn. Sowieso zeigen die Bandmitglieder von „Telquist“ und ihr Sänger ein Gespür für die Gefühlswelten einer jungen Generation, die in Corona Zeiten etwas ins Hintertreffen gelangt ist. „High und Low“ umspült die eigenen Ohrmuscheln und der Gesang von Sebastian Eggerbauer, die Synthline enwickelt eine Eigendynamik, ist erhaben, verschmilzt mit dem Song durch Effektfilter verzerrt um in der Hook wieder an Fahrt aufzunehmen.

Telquist – Album Cover

Das zweite Album der Band erweist sich als ein in sich stimmiges Ganzes und öffnet jenen Raum, der eingefahrene Hörgewohnheiten mit Leichtigkeit durchdringt. Das elf Nummern umfassende Album, beinhaltet kleine Pophymnen ohne zu dick aufzutragen, ist sensibel instrumentalisiert, verwaschen im Stil und definitiv frischer als manche Sommerbrise. „Wild Haired“ wurde am 4.6. 2021 nach mehreren Verschiebungen bei Warner und dem Label „Blickpunkt Pop“ veröffentlicht. {Featured Image: © Luzia Schreiner.}

Kreisky ‚Atlantis‘ – Album Review

Kreisky sind: Franz Adrian Wenzl: Stimme, Orgel, Synthesizer. Martin Max Offenhuber: Gitarre, Saz, Chor. Helmuth Brossmann: Bass, Gitarre, Chor. Klaus Mitter: Schlagzeug, Percussion.

Kreisky erzählen auf ihrem neuen Album „Atlantis“ kleine Kurzgeschichten, die von ihrem Frontmann Franz Adrian Wenzl mal trocken mal leidenschaftlich rezitiert werden. Kreisky nehmen Anleihe am Alltäglichen, Banalen und heben es in erzählerische Weise auf ein neues Niveau wo sich das Böse und das Blöde, das Kluge und das Kitschige (wie im echten Leben!) stets sehr nah sind. Diese Überschneidungen werden auch musikalisch ins rechte Licht gerückt. „Atlantis“ ist die bis dato musikalisch wie textlich ausgefeilteste und vielseitigste Platte dieser österreichischen Band. Mal krautig, mal rockig brechen die Gitarren und das Schlagzeug über einen herein. Die „Großmeister des Grant“ haben sich im deutschen Sprachraum eine feste Fangemeinde aufgebaut. Auch auf ‚Atlantis‘ werden weder Hamburger Schule- noch Austropop- Schubladen im klassischen Sinn bedient. Zu schräg scheint der Soundkosmos dieser sich der skurrilen Poesie verschriebenen Band zu sein. Selbst, wenn man konzentriert zuhört, fragt man sich beim ersten Mal Hören des Albums mitunter, wo man da eigentlich gerade hineingeraten ist. Ein Poolbesitzer diagonstiziert dem Nachbarsjungen gleichmal „ADHS“. In der heimlichen Schmachthymne „Kilometerweit Weizen“ wird schlußendlich ein Außerirdischer verprügelt.

In „Ein Fall fürs Jugendamt“ klärt der Vater seinen Sohn gleichsam darüber auf, dass er es im Leben zu nichts bringen wird. So ehrlich muss der Vater leider sein. Der krautrockigste Track „Meine Zunge ist leer“ wird von Wenzel’s Suche nach der Sprache im echohaften Raum auf eine 6 Minuten Nummer hochgesteigert. Noch auf keinem anderen Kreisky Album harmoniert das an tragischen Geschichten nicht arme Album besser mit der Musik der 4 köpfigen Band. Dafür zeigte sich auch der Ex-Bassist Gregor Tischberger als Co-Produzent und mehr als taugliches fünftes Rad am Wagen mitverantwortlich. Im letzten Lied „Wenn einer sagt“ kann man auf die skurrile poetische Welt Kreisky’s auf das Banale anstoßen denn das Album endet ungewöhnlich stimmig und versöhnlich, erzählt von einer Welt in der der eigene Dreck schließlich nur einem gehört. Einem selbst. Dafür gibt’s eine dreckige Bewertung von 4/5 Sternen. ★★★★☆ Hörenswert. Am 13. 4. 2021 ist Kreisky (so es durch Covid 19 möglich ist) im Dom im Berg in Graz live zu erleben. Weitere Live Termine: 18.3. Dornbirn Spielboden | 19.3. Salzburg ARGE | 20.3. Linz Posthof | 14.4. Wien Rabenhof

J Lloyd, eine Hälfte des Produktionsduo’s der Band Jungle hat am 11. Juli 2020 ein 39 minütiges Mixtape herausgebracht. Herausgekommen ist ein Soundteppich, gewoben aus 25 einzelnen Songfragmenten die ausnahmslos ineinander übergehen und so die Basis für die jeweils darauf folgende Nummer legen. “Kosmos” erklärt auch ein wenig den Soundkosmos der englischen Band und wie prägend wohl die Produktionen von J Lloyd für sie sind. 

The project is an exercise on a continuous, unfiltered flow of recording,
where each track flows and develops naturally into the next idea. The
mixtape was written and recorded in order, meaning the atmosphere and
tempo of one track influences the next.
(https://www.frontview-magazine.be)

Es sind musikalische ideen mit satirisch anmutenden Songtiteln, die J Lloyd innerhalb von 72 Stunden im April und während des Lockdowns aufgenommen hat. Die Songfragmente zapfen dabei ihren Sound aus verschiedensten Quellen und Einflüssen. Ein wenig erinnern die kurzen Stücke an einen psychodelischen Mix von Sounds von Bands wie Tame Impala oder Caribou. (die im grunde genommen auch Projekte von Einzelpersonen sind, live aber mit Bandkollegen auf der Bühne stehen.)

J Lloyd greift dabei tief in seine musikalische Trickkiste, auch Einflüsse von elektronischen Bands wie Plaid oder Boards of Canada (Warp Records) spiegeln sich darin wieder. Die Songtitel wirken zwar oft aus einer Laune heraus gewählt aber wer sich schon immer mit dem Sound der Band “Jungle” identifizieren konnte, dem wird es auch nicht sonderlich schwer fallen in den “Kosmos” von J Lloyd hineinzukippen. Musikalisch bleibt das Mixtape aber stellenweise etwas linear und die Arrangements wirken etwas hastig aufgesetzt, sodaß gewisse Songs ein wenig das ansonsten flüssige Gesamtbild der Veröffentlichung auszerren. Aber vielleicht will das Mixtape auch nicht mehr. Es ist ein kurzzeitiger und fragmentarischer Blick auf das musikalische Ouevre des Musikers und Bandmitglieds. Ein solches Mixtape will vielleicht auch bloß nicht mehr, als stellenweise als begleitende Hintergrundmusik beim Arbeiten (am PC) zu gefallen.

Das Mixtape “Kosmos” ist am 11. Juli 2020 bei JFC Worldwide
erschienen. J Lloyd ist eine Hälfte des Produktionsduos der Band
Jungle, die 2018 ihr zweites Album “For Ever” bei XL Recordings
veröffentlichten.