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TOP 10 Alben 2021 – und 3 ehrenvolle Erwähnungen…

Das Jahr 2021 war musikalisch gesehen ein sehr ergiebiges. Die Diversität meiner Liste speist sich auch aus dem Grund, da in vielen Genres gleich mehrere Alben das Prädikat hörenswert verdient hätten, ich aber nur das absolute Lieblingsalbum der Sparte in die Liste mitaufgenommen habe.

Hier nun meine 10 Alben des Jahres 2021:

Idles – CRAWLER

Definitiv eine gehörige Weiterentwicklung zum Vorgängeralbum. „Idles“ definieren immer mehr einen eigenen vitalen vielschichtigen Musikstil, auch wenn das Genre Post Punk für die Band aus Bristol (England) schon ganz gut passt.

Idles – Progress

LOW – Hey What

Auch bei der Band „LOW“ sind Genregrenzen schwer zu ziehen. „Hey What“ ist ein distortionlastiges Gitarrenungetüm, jede Nummer scheint in ihre Einzelteile zerlegt, fügen sich aber in den Soundkosmos der Band deren Name auch gleichzeitig Programm der beiden Mormonen Alan Sparhawk und Mimi Parker aus Duluth, Minnesota ist. Die Band besteht bereits seit 1993 und kann doch auf jedem Album neue Akzente setzen.

Low – Hey

Circuit des Yeux – -io

Haley Fohr aka „Circuit des Yeux“ kann nicht nur auf eine beeindruckende stimmliche Bandbreite zurückgreifen. Auch wenn das Album neben dem Opener „Vanishing“ musikalisch danach eher etwas abflacht ist das kompositorische Talent der Künstlerin aus Chicago, Illinios nicht zu gering einzuschätzen. Das Album erschien am 22. Oktober 2021 bei Matador Records.

Circuit des Yeux – Vanishing

W. H Lung – Vanities

Etwas unter der Wahrnehmungsgrenze zieht das Album der Band aus Manchester (UK) das gesamte Register bezüglich „Tanz dich wütend – werde frei“ Attitüden. „Vanities ist ein sehr seltenes Biest von einem Album: ein Album, das vor Vitalität und der Liebe, dem Versprechen und der Transzendenz gemeinsamer Dancefloor-Erfahrungen nur so strotzt.“ (JPC.de) – Brummende Basslines inklusive.

W. H. Lung – Vanities

CID RIM – Songs of Vienna

Der Wahl-Londoner und gebürtige Wiener Clemens Bacher aka CID RIM ist nicht nur ein hervorragender Schlagzeuger sondern versteht es auch wie kaum ein anderer elektronischer Musiker die hookenden Synthlines seines aktuellen Albums vital und frisch pulsierend zu gestalten ohne über das Ziel hinauszuschießen und zu dick aufzutragen. Minimalismus gewinnt und macht das Album zum zeitgeistlichen Hörgenuß von elektronischer Musik. – A psychedelic ride from the austrian capital.

Cid Rim – Purgatory

Darkside – Spiral

Die letzte Entdeckung meinerseits dieses Jahres. „Acht lange Jahre haben wir nichts mehr von Darkside gehört, die nach ihrem ersten und einzigen Album »Psychic« ein jähes Ende fanden. Nachdem sich die beiden Mitglieder Nicolas Jaar und Dave Harrington in ihren eigenen musikalischen Welten ausgetobt haben, sind sie 2021 endlich wiedervereint und machen Dinge, die sie alleine nie tun würden – auf ihrem neuen Album »Spiral«.“ (JPC.de)

Darkside – Liberty Bell

Dry Cleaning – New Long Leg

Wieder Postpunk, anscheinend eines meiner Lieblingsgenres. Aber man kann sich der Sogwirkung des Spoken-Word Gesangs von Florence Shaw nur schwer entziehen. Das Debütalbum „New Long Leg“ ist bei 4 AD bereits im April diesen Jahres erschienen.

Dry Cleaning – Scratchyard Lanyard

Little Simz – Sometimes I might be introvert

Ist das Hiphop, R’nB, eine Art von Tarantino-Filmmusik oder doch alles gleichzeitig miteinander verwobene in musikalische Größen verpackte afrikanische Kulturgeschichte? „Little Simz nennt ihre Musik selbst »Rap Experimental«. Wie gut dieses Genrebezeichnung passt, zeigt die britische Rapperin, Sängerin und Produzentin mit ihrem neuen Album. Auf »Sometimes I Might Be Introvert« schaut sie 2021 erneut über den Tellerrand der Hip-Hop hinaus und entpuppt sich zudem erneut als großartige Geschichtenerzählerin.“ (JPC.de) – Vielleicht das Album des Jahres, für mich zumindest die Entdeckung des Jahres.

Little Simz- Point and Kill

Mdou Moctar – Afrique Victime

Als der „Van Halen“ West-Afrikas bezeichnet, ist Mdou Moctar schon eine echte Berühmtheit in seiner Heimat. Mit „Afrique Victime“ auf Matador Records veröffentlicht bekam er 2021 auch die Aufmerksamkeit in der westlichen Hemisphäre der Welt. Neben Mdou besteht die Band aus Bassist und Producer Mikey Coltun, Drummer Souleymane Ibrahim und Gitarrist Ahmoudou Madassande. Sie mischen traditionelle Tuareg-Melodien mit E-Gitarrensound zu einer wiederkehrenden hypnotischen Mischung der man sich schwer entziehen kann.

Mdou Moctar – Chismiten

Divide and Disolve – Gas Lit

Divide and Disolve, das Duo um Schlagzeugerin Sylvie Nehill und Gitarristin / Saxophonistin Takiaya Reed ist feministische Ansage und musikalische Reife in sich vereint. Das dritte Studio-Album des Melbourner Doom-Metal-Duos wurde von Ruban Neilson (Unknown Mortal Orchestra) produziert. Gas Lit ist Instrumentalmusik, die sowohl knarzig verstörend als auch schön und von klassischen Elementen durchsetzt ist. Unaufgeregt aber sich reibend zeitgemäß. „Gas Lit“ ist bei Invada Records erschienen. Drone Sound als Abschluß dieser an Genres reichen Liste.

Divide and Dissolve – Denial

ehrenvolle Erwähnungen:

  • Aiko Aiko – Radical Nopinion. Das Wiener Duo verschmelzt zeitgemäße elektronische Musik mit einer Tendenz zu Deep Pop.
  • Tricky – Lonely Guest. Der ungekrönte Meister des schleppenden Beats bugsiert sich mit vielerlei anderer musikalischer Unterstützung wohl zum King of Triphop.
  • The Limiñanas / Laurent Garnier – De Película. Das Psychedelic-Garagen-Duo The Liminanas und der französische Techno-Pionier DJ & Produzent Laurent Garnier haben gemeinsam De Pelicula produziert und das Ergebnis ist weder eine Limiñanas-Techno-Platte noch ein Laurent-Garnier-Rock-Album.

Abschließend ist noch zu erwähnen, das auch der Autor dieser Zeilen sich nach einer Zeit ohne Covid-19 Einschränkungen sehnt und vielleicht kommt es 2022 zu dem einen oder anderen musikalischen Highlight dem man auch Live beiwohnen kann. Mein persönliches ist wohl das hoffentlich stattfindende Doppelkonzert von Michael Kiwanuka und Miss Lauren Hill in Wien.

(Feature-Fotografie von Desi Mendoza on Unsplash)

Attwenger – Drum

Attwenger- Drum

Sprachkunst á la H.C. Artmann und Ernst Jandl, mehr elektronische Beats und verzerrte Ziehharmonika von der einen Hälfte von Attwenger, Hans-Peter Falkner, das macht das neue Album „Drum“ der österreichischen Band aus. Attwenger geben mit ihrem „Stanzl-Punk“ aktuellen (auch politischen) Themen eine Bühne, umschreiben gesellschaftliche Zustände aber lieber als sie direkt zu bennen. Damit ist das Duo in ihrer Anti-haltung auch auf ihrem 10. Studioalbum kratzig und thematisch aktuell wie eh und je. Sie arbeiten sich erfrischend an der Realität der anderen ab und geben ihrer Musik jene Schärfe, da sie die Banalität des Alltags wie durchs Brennglas betrachtet in ihrer in Mundart gehaltenen Texten verdichten. Identität, Normalität – Was ist das? Sind das in Stein gemeißelte Wahrheiten oder sind sie genauso konstruiert wie vieles andere?

Mit gutem negativem Gefühl gegen den missliebigen Status quo: Attwenger sind zurück und packen das Kind bei den Hörnern.

der Standard.at

„i mog diese leid ned | diese leid meng ned mi.“ in der Nummer „leider“ bringt Markus Binder das Credo der Band auf den Punkt. Eingerahmt in die Schublade der „Neuen Volksmusik“ versteht es Attwenger wie keine andere österreichische Band, ähnlich wie Karikaturen von Deix, zu polarisieren. Intensive Seelenschau ist Programm. Das Gemüt der Leute, die sich gerne über ihre scheinbare „Normalität“ identifizieren stehen bei den Texten von Markus Binder gerne im Zentrum und bietet jene Projektionsfläche an der sich Attwenger musikalisch wie textlich gerne abarbeitet. Obwohl sie auf jedem Volksfest auftreten könnten sind Attwenger doch eher auf den alternativen Bühnen inkl. dazugehörigem (linkem) Publikum zuhause.

Manchmal kann man sich fragen wie sich M. Binder die immense Menge an Text merken kann. Seit 30 Jahren gehören Attwenger zur Musiklandschaft des kleinen Landes, welches oft als „Insel der Seeligen“ beschrieben wird. Das „seelige Gemüt“ wird von Attwenger aber gerne auseindergepflückt, die Mainstreamgesellschaft kritisch hinterfragt. Lieder wie „a wenig weniger“ in dem es um das sich immer schnellere drehende Rad der Gesellschaft geht, wo man unweigerlich mit muß, wenn man „es schaffen“ will, zeugen davon, denn für Attwenger gibt es die Wahl. Macht man mit oder nicht. Man hat natürlich auch die Möglichkeit die Musik von Attwenger zu mögen oder nicht, wer sich aber auf Sound & Texte der Band einläßt wird sich dabei immer wieder ertappen mit dem Kopf oder den Füßen mitzuwippen.

„drum kann ein trumm, d.h. eines dieser trümmer sein, die plötzlich im weg stehen, womöglich in form einer überdimensionalen rübe, und sei es nur eine virtuelle, aber sei‘s drum. hier ist sowieso alles konstruiert.“

Markus Binder

Soundtechnisch bleiben sich Attwenger treu, schnelles Schlagwerk, verzerrte Zieharmonika – durch Verstärker gejagt sind Erkennungszeichen der wohl progressivsten österreichischen Vertreter der neuen Volksmusik. Live sind sie sowieso ein Erlebnis. Das Album „Drum“ ist am 14. Mai 2021 bei Trikont erschienen, kann aber auch via Homepage der Band bezogen werden.

W. H. Lung – “Incidental Music”

W. H. Lung 2019er Album “Incidental Music” ist vor allem auch aufgrund des Gesangs von Frontmann Joseph E. eine musikalische Reise in die Hoch-Zeit der Genres New Wave/Psychodelia und Krautrock. Dennoch klingt das Trio aus Manchester nicht altbacken sondern verführt mittels bekannter Stilmittel den/die HörerIn mit gefühlvollen Synthesizer- und Gitarren-Arrangements.

“W. H. Lung’s arrival at their debut album has been less conventional
than most. A trait shared with the music they make, which weaves between
shimmering synth pop and the infectious grooves of 70’s Berlin.” (Bandcamp)

Gleich die Eingangsnummer “Sympatico People” erstreckt sich über 10 Minuten die niemals Zweifel daran lassen, dass gewisse Songs einfach ihre Länge brauchen um ihre maximale (psychodelische) Wirkung zu entfalten. “Inspiration!” schlägt in dieselbe Kerbe und Joseph E’s Tanzeinlagen im Live Betrieb der Band bräuchte eine eigene Kritik so eklektisch bewegt sich der Frontmann zur Musik seiner Kollegen. Der Einsatz von Drummachine und Co. komplementiert bei Nummern wie “Emtpy Room” die Bandbreite und reduziert gefühlsmäßig das Anfangstempo des Albums um die Hälfte. Nichts desto trotz steigert sich die Nummer zu einer Synth-Hymne, die auch aus der Feder eines Martin Gore (Depeche Mode) stammen könnte.

W.H. Lung’s Debütalbum “Incidental Music” ist am 5.4.2019 bei Melodic Records erschienen.

Lightning Dust haben letztes Jahr mit ihrem vierten Longplayer-Album “Spectre” die Messlatte für Indie Alternative Songwriting hoch angelegt. Die Stimme von Amber Webber und die Instrumentierung von Joshua Wells haben mich auf die Band aufmerksam gemacht. Das Duo aus Vancouver hat nun in Corona Zeiten am 23. Juli 2020 eine EP auf dem Label Western Vinyl veröffentlicht.

Lightning Dust – the duo comprised of Amber Webber and Josh Wells – tends to thrive in the spirit of change. 2007’s self-titled
debut was a hushed, intricate folk affair, while 2009’s Infinite Light
found a middle ground between Suicide and Fleetwood Mac era pop. So when
they geared up to make the music that would become Fantasy, the pair
was looking for a new sonic stamp.
(Bandcamp)

Der Song “Material Life” (s. Video) klingt als würden die beiden während einer Autofahrt eine Pause an einem Motel einlegen, die Synths und Gitarren auspacken und dem Leben auf der Straße einen maßgeschneiderten Song anlegen. Der zweite Track “Busted Minds” ist für mich der eigentliche Höhepunkt der EP. Ein Schlagzeugrythmus peitscht die Nummer “straight forward” zu einem Höhepunkt der Wiederholung in der die Stimme von Amber Webber sich mit hochschraubenden Synthlines messen muß.

Die beiden Titel geben einen Vorgeschmack auf kommende Veröffentlichungen des Duos, welches sich immer wieder Gastmusiker einlädt und seit 2007 besteht.

Goat Mumbles – Super Infinity

Robert Grote, Bandleader von “The Districts” lieferte hier im Jahr 2019 ein hörenswertes elektronisches Soloalbum unter seinem Synonym “Goat Mumbles” ab. Geschmeidig ineinander verwobene Instrumentalstücke werden durch seine falsetto Stimme zu einer hymnischen “Melange á solo” vermengt.  “Super Infinity”’s Stärke liegt in der ausgewogenen Mischung von tanzbaren Dance Nummern wie “Stag” oder doch rockig angelegten Arrangements wie bei “The Light”, die den Groove des Albums aber niemals einzementieren. Folk trifft auf Drummachine Patterns, Gitarrenriffs driften in die scheinbare Endlosigkeit ab. Synth Pop der nachdenklichen Art gibt es doch etwas zu selten. “Super Infinity” ist Dreampop ohne jemals den Kontakt zum Boden gänzlich zu verlieren, finden die Melodien doch einige Meter über dem Boden zu ihrer eigentlichen Stärke. Mitschweben erlaubt und erwünscht. Keith Abrams der auch bei “The Districts” hinter den Kulissen mitmischt, hat auch dieses Album mitproduziert.

Rob Grote (of The Districts) recently shared a new album under the moniker of Goat Mumbles.
The firdt song of th album “Stag” occupies a shadowy, synthwave spectrum. A progressive,
percussive groove shimmers in the moonlight, creating a mysterious,
lonely dance track. The song seems to be invitation to a prospective
companion, as Grote’s vocals suggest a hypothetical future. The longing,
semi-spoken deliver is contrasted by the warmth and brightness of his
falsetto, introducing a different perspective of the artist’s musical
talents.
(The deli magazine)

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