5/8erl in Ehr’n – Yeah Yeah Yeah Album Review

Poetisch sind sie. Und politisch sowieso. 5/8erl in Ehr’n sind eine Wiener Soul Band. Wobei der Soul der Gruppe, die bereits vier mal den Amadeus Award in der Kategorie World/Blues gewinnen konnten, in einer facettenreichen Instrumentalisierung fußt. Darüber streuen Max Gaier
& Bobby Slivovsky seit 2006 ihren poetischen Gesang. Die Band schafft es auf ihrem siebenten Album so frisch und unverbraucht daherzukommen, dass das Hören ihrer Nummern eine Wonne ist. “Yeah Yeah Yeah” der Titel ihres aktuellen Albums könnte auch eine neue politische Kaste hervorbringen. Menschen die anderen Menschen nichts neidig sind, die in der Blumenwiese liegen, über eine Freundin namens “Jessica” sinnieren und ihren “Vaporizer” allzeit bereit halten. “Yeah Yeah Yeah” ist dann vielleicht ein Lebensgefühl, eine Art zu denken und zu handeln, auch wenn sich die Band manchmal in ihrer basisdemokratischen Herangehensweise beim Musizieren auch mal in die Haare kommt. Alles wird gut. Ahem. Alles ist gut. Zusammen mit Bands wie Wanda und Bilderbuch stehen sie für ein neues Selbstverständnis der österreichischen Musikkultur. Ab Herbst sind sie wieder auf Tour durch Österreich.

Khruangbin – Mordechai

Khruangbin’s aktuelles Studioalbum “Mordechai” ist eine kleine erweiterte Reise in den Soundkosmos des texanischen Trios wert. Beim Hören überschreitet man manche geografische, politische Grenze mit Leichtigkeit und ist dabei mit einer Art Frohsinn ausgestattet, der den verzauberten melodischen Korpus der Band widerspiegelt. Neu dazu gekommen sind chorale Vocals ohne dem typischen Strophe-Refrain System der Bassistin Laura Lee.

“Zehn neue Songs haben Khruangbin dafür im eigenen Farmhouse Studio in
Burton, Texas eingespielt, in denen sie diesmal klangliche Einflüsse aus
Pakistan, Korea und Westafrika hörbar machen. Außerdem, und das ist ein
Novum für die überwiegend instrumentale Band, steht bei fast jedem Song
auf »Mordechai« der Gesang im Vordergrund.” (jpc.de)

Khruangbin, was auf thailändisch soviel wie Flugzeug bedeutet ist eine Metapher an sich. Landet man doch mit dem Sound von Khruangbin einmal in Mexiko und befindet sich bei der nächsten Nummer in Afrika oder Thailand. Die Vermengung der Style ist sich Khruangbin auch bei Mordechai treu geblieben, dennoch zerfranst das Album in manchen Abständen in eine Art Dauerschleife des Banalen, was KritikerInnen gerne mit dem Totschlagargument “Fahrstuhlmusik” abtun. Dennoch hat auch Mordechai seine starken Elemente und die Band ist sich ihrem Stil durchaus treu geblieben. Das psychodelische Artwork des Albums stammt aus der Feder von Bassistin Laura Lee und dem Grafik- und Sound- Designer Nathaniel David Utesch. Veröffentlicht wurde das Album bei dem Indie Label Dead Oceans am 26. Juni 2020 und Khruangbin avanciert mit ihrem 4. Studioalbum vom Geheimtip zum Festivalheadliner, falls es momentan Festivals geben würde. Aber rechtzeitig für die Sommerplaylists dieser Welt öffnen Khruangbin die Tore zu ihrem texanischen Soundtempel und die Band läßt uns bei Nummern wie “Pelota” oder “So we won’t forget” von einer Welt wegschlummern, die scheinbar immer mehr aus den Fugen gerät und das nicht nur wegen Covid-19. Ein Album, dessen Besonderheit sich wahrscheinlich auch erst nach mehrmaligen Hören einstellt.

Goat Mumbles – Super Infinity

Robert Grote, Bandleader von “The Districts” lieferte hier im Jahr 2019 ein hörenswertes elektronisches Soloalbum unter seinem Synonym “Goat Mumbles” ab. Geschmeidig ineinander verwobene Instrumentalstücke werden durch seine falsetto Stimme zu einer hymnischen “Melange á solo” vermengt.  “Super Infinity”’s Stärke liegt in der ausgewogenen Mischung von tanzbaren Dance Nummern wie “Stag” oder doch rockig angelegten Arrangements wie bei “The Light”, die den Groove des Albums aber niemals einzementieren. Folk trifft auf Drummachine Patterns, Gitarrenriffs driften in die scheinbare Endlosigkeit ab. Synth Pop der nachdenklichen Art gibt es doch etwas zu selten. “Super Infinity” ist Dreampop ohne jemals den Kontakt zum Boden gänzlich zu verlieren, finden die Melodien doch einige Meter über dem Boden zu ihrer eigentlichen Stärke. Mitschweben erlaubt und erwünscht. Keith Abrams der auch bei “The Districts” hinter den Kulissen mitmischt, hat auch dieses Album mitproduziert.

Rob Grote (of The Districts) recently shared a new album under the moniker of Goat Mumbles.
The firdt song of th album “Stag” occupies a shadowy, synthwave spectrum. A progressive,
percussive groove shimmers in the moonlight, creating a mysterious,
lonely dance track. The song seems to be invitation to a prospective
companion, as Grote’s vocals suggest a hypothetical future. The longing,
semi-spoken deliver is contrasted by the warmth and brightness of his
falsetto, introducing a different perspective of the artist’s musical
talents.
(The deli magazine)

Nadine Shah – Kitchen Sink

Nadine Shah hat sich nach ihrem politischen Album “Holiday Destination” aus dem Jahr 2017 – in dem sie den Umgang mit Flüchtlingen und den Umgang des Westens mit Krisenherden im Nahen Osten kritisierte – wieder dazu entschieden auf ihrem aktuellen Album “Kitchen Sink” in ihrem musikalischen Schaffen auch politisch zu agieren.

Diesmal trägt sie den politischen Diskurs aber zu sich selbst, ins eigene Heim um unter anderem tradierte Rollenbilder der Geschlechter zu hinterfragen, denn das Private ist nicht nur seit Hannah Arendt politisch. Diese Rollenbilder, die sie als Kind mit Liederstrophen in sich aufgesaugt hat und deren Bedeutung sie im Erwachsenenalter begonnen hat stark zu hinterfragen sind für Nadine Shah Ausgangspunkt einer Reise ins Innere von Erwartungen und Anforderungen die an die Frau von heute vom Gesellschaftssystem gestellt werden. Anforderungen denen man sich entweder unterordnet oder doch, wie im Falle von Nadine Shah zum Thema macht um Verhältnisse zwischen Mann und Frau neu auszuleuchten. Das Lied “Ladies for Babies (Goats for Love)” zeugt davon.

Die Waffe der Künstler*innen ist das Gegenwerk, bei Nadine Shah heißt es
„Ladies For Babies (Goats For Love)“ und handelt von Typen, die von
ihren Frauen Kinder und hübsche Kleider erwarten, die wahre Liebe aber
anders verschenken. (André Bosse – musikexpress.de)

Daneben ist das neue Album Kitchen Sinkeine gelungene Mischung verschiedenster musikalischer Einflüsse, die die britische Musikerin mit Wurzeln in Norwegen und Pakistan zu einem harmonischen Ganzen zusammengestellt hat. Eine schönere, bedachtere Stimme kann eine aufgeklärte Person wie Nadine Shah dem Feminismus des 21. Jahrhunderts nicht geben. Daneben wirkt das Album erwachsener und stringenter als sein Vorgänger.

Interview mit Nadine Shah

Gnoomes – Sword in the Stone (Track)

Gnoomes “Stargaze” Sound, eine Mischung aus Elektronik, Krautrock und shoegaze Elementen besitzt eine erzählerische Dichte in den Arrangements und kommt großteils ohne exzessiven Gebrauch von Vocals aus. Die Stimme unterstützt eher in ihrer gehauchten Art die treibenden Elemente der Songs. Mit MU! haben die Jungs ihr drittes Album auf dem englischen Label Rocket Recordings veröffentlicht und sind dadurch auch
in unseren Breiten einem breiteren Publikum bekannt geworden. Der Titel Mu! kommt aus dem Zen Buddhismus und lässt sich mit “Nicht” oder “Nichts” umschreiben. Ein Sinneszustand der zur Erleuchtung führen kann. Eine gewisse Erleuchtung erfahren wir aber auch wenn wir uns diesem Album – einem schwebenden transzendenten Zustand gleich – näher hingeben.

Horse Lords – Live Session

Horse Lords sind eine 4 köpfige Gruppe aus Baltimore (USA) die seit ihrer Gründung im Jahr 2010 polyrythmische Tracks fabrizieren. Es handelt sich um eine Band, die durch ihre microtonalen Grooves in den Arrangements hervorsticht und ihre Musik sich an dem schmalen Grat von Krautrock und Afrobeat Elementen herumschlängelt.

Horse Lords are the Pied Piper of experimental music and radical
thought. Their music is unabashedly fun, and experiencing it in a live
context is an experience of collective ecstasy, each body moving to its
own notion of what the beat may be.

Die Band besteht aus Owen Gardner an der Gitarre, Max Eilbacher am Bass & Electronics, Andrew Bernstein am Saxophon & an den Percussions, und Sam Haberman am Schlagzeug.

“Der Sound erinnert an eine Mischung aus The Ex über Glenn Branca zu
lärmender, afrikanischer Gitarrenmusik bis zu Albert Ayler und James
Tenney.” (jpc.de)

Ihr aktuelles Album “The Common Task” wurde am 13. Mai 2020 bei Northern Spy veröffentlicht.

Kalbata ft. Tigris – Safu /Fortuna Records

Fortuna Labelchef Kalbata aus Tel Aviv arbeitete bei dieser Kooperation mit der 5 köpfigen Band Tigris an einem percussivlastigen Mini Album. Inspiriert von afrikanischen und karribischen Klängen werden sich wiederholende Gitarrenriffs mit Synthesizer Sounds zu einem extra trippigen – 6 Tracks umfassenden – Album abgemischt.

Fortuna boss Kalbata joins forces with five-piece band Tigris, creating a
mesmerizing percussion-led album inspired by African and Caribbean
traditions. Repetitive guitars, blissful synthesizers, and roaring
voodoo drums set the tone across this extra-trippy, six-track journey.

mehr Infos/more infos @ Bandcamp

Tengger

New Age Drone Magic from Seoul/South Korea. TENGGER sind ein Duo, eine reisende Musikerfamilie, bestehend aus Itta und Marquido. Ihre New Age dronesque Musik ensteht durch das Verwenden eines Harmoniums, Itta’s Stimme und Spielzeug Instrumenten während Marquido einen Eurorack Synthesizer bespielt. Oft ist auch ihr Sohn auf der Bühne oder taucht in Videos des Duos auf.

TENGGER is a traveling musical family, made up of Pan-Asian couple, itta and Marqido, who create their brand of psychedelic New-Age drone magic through the use of harmonium, voice, and toy instruments (played by itta) and analogue synths (played by Marqido). Travel, as spiritual experience in real environments, and the sound between the space and the audience have been central themes of their works.

Bandcamp Link