Interview mit der Literaturplattform Poetro

~mit trompeten und posaunen~

13 AutorInnen – aus dem Umfeld der in Salzburg gegründeten Literaturplattform Poetro – haben im Eigenverlag ihr erstes Buch veröffentlicht. PerVERS – Anthologie junger AutorInnen ist der Titel der Textsammlung, welche seit Anfang März bei ihren Lesungen, oder über ihre Webseite käuflich erworben werden kann. Ich frage Catherine T. Nicholls und Christian Winkler (2 AutorInnen und WegbegleiterInnen der Plattform) nach ihren persönlichen Perversitäten, stoße mich am etwas eigenwilligen Titel, und will wissen, was eigentlich aus der auf der Rückseite des Buches postulierten Revolution geworden ist. (Interviewer: Christian Kahr / veröffentlicht am 16. April 2008)

CK: Habt ihr perverse Eigenheiten an euch?

Christian W.: Perverse Eigenheiten hat, glaub ich, jeder Mensch, der sich nicht gänzlich einer wohlgestalteten Norm unterwirft. Frei übersetzt bedeutet pervers ja im Grunde nichts anderes als eigenartig. Solltest du rein zufällig auf den Titel unserer ersten Publikation abzielen (ähem): Ja. Das Buch ist eigenartig.

CK: Inwiefern?

Catherine: Also ich finde das Buch nicht eigenartig.

Christian: In erster Linie ist es eigenartig, weil es keinen Verlag im herkömmlichen Sinne hat. Das allein ist zwar an sich noch nichts besonderes, weil es ja zig Bücher gibt, die von AutorInnen im Eigenverlag herausgebracht werden. eigenartig, also besonders, finde ich aber den Versuch, dass 13 junge Menschen sich auf einen Haufen hauen und in einem gemeinschaftlichen Prozess ein Buch herausbringen.

Catherine: Das Buch ist eigen, doch nicht eigenartig. Finde ich. Meiner Meinung nach sind es gar nicht so die Umstände, die es das machen, sondern eher die INstände. also der Inhalt.

per Vers – Anthologie junger AutorInnen

CK: Also nochmals zurück zur Ausgangsfrage: Habt ihr gewisse Aspekte an euch, die ihr als eigenartig bezeichnen würdet?

Catherine: Eigenartige Aspekte… mal nachdenken. Eher gewisse Paradoxien. Eigenartig ist vielleicht, dass ich in der früh esse wie ein Scheunendrescher und dafür den ganzen Tag nichts mehr brauche.

Christian: Oh ja, wir sind alle sehr eigenartig, hoffentlich. Ich will nicht aufwachen und feststellen, dass jegliche Eigenart verbannt wurde, jeglicher Individualismus einem gesamtgesellschaftlichen Dogma unterworfen wurde. Aber wenn du was konkretes wissen willst: Ich trag lieber das Gewand meiner Großmutter, als mir neues zu kaufen. Da weiß ich wenigstens, dass ich mit meinen beschränkten Finanzen keine dubiosen Gewandhäuser, Sweatshops und ähnliches finanziere. Außerdem bin ich viel zu faul, mir neues Gewand zu kaufen.

CK: Was turnt euch ab? (also außer Klimawandel und Neoliberalismus)

Catherine: Socken. ich weiß, ein Klischee, aber das ist ziemlich furchtbar. Auch: der Gedanke an dreckiges Geschirr oder Harald Schmidt.

Christian: Socken sind furchtbar, da muss ich dir trotz Barfußkulturklischee rechtgeben. Aber nicht nur deswegen: Sehr lochanfällig sind diese Dinger. Überhaupt mag ich Löcher nicht gerne. Ja: cher „turnen“ mich ab. Ich steh mehr auf deren Gegenteil, auf  Anhebungen. aber wenn wir schon beim Klischee sind: Klimawandel und Neoliberalismus, vor allem Neoliberalismus turnt mich eher up als ab, falls man das so sagen kann, das bringt Blut zum wallen, da will man Banner schwingen gehen und Zeichen setzen.

Catherine: Das nenne ich jetzt eine eigenartige Eigenartigkeit.

CK: Auf dem Umschlag steht, ihr wolltet eigentlich die Revolution, dann hat es aber doch nur für das Buch gereicht. Seid ihr des Aufbegehrens müde oder arbeitet die Rebellion noch in euch? bzw. Was ist euch dazwischengekommen?

Christian: Das Buch.

Catherine: Das Leben. Unsere Eigenheiten. der Umschlag rückt sozusagen ins Licht, was man zwischen den Zeilen lesen kann: Nämlich die Ironie zu all dem Trompeten über die Revolution.

CK: Und vor dem Leben? Was war da?

Catherine: Die Nudelsuppe. Nein. Vor dem Leben? Die Kindheit.

Christian: Wenn man es ganz sozialromantisch sehen will, und ich will das, dann stecken in der Eigenart des Buches einige kleine, aber doch bestehende Ansätze des Aufbegehrens. Uns war es zum Beispiel wichtig, nicht einfach ein Produkt im Sinne der Betriebswirtschaft in den von Marktstrategen und Unterhaltungsgier gezeichneten Literaturbetrieb zu knallen, sondern ohne Rücksicht auf Geschmäcker, ohne Sinn für wohlgeformte Finanzkalkulationen, ohne Anpassungswillen (ich sag bewusst -Wille-, wer weiß, wie opportunistisch wir uns eigentlich verhalten) unser eigenes, kleines Buch zu machen. Deswegen auch der Entschluss, alle Schritte der Gestaltung unabhängig und selber in die Hand zu nehmen.

Christian Winkler

CK: Zum Thema Revolution: Dieser Tage wird ja überall (zumindest in den Feuilletons) über das Jahr 1968 geschrieben. Was denkt ihr drüber?

Catherine: Ich glaub, Dutschke war das (bin mir jetzt nicht sicher, müsste man nachrecherchieren), der meinte, wir alle verlangten nach dem Zuckerl der Revolte anstatt nach dem Brot der Reform. Wir sind noch nicht oft genug enttäuscht worden, um dem voll zustimmen zu können. Ich genieße das. Denn auch wenn du tagsüber trompetest und posaunst, kannst du des nächtens schlafen so wie der Rest der Welt. Ich für meinen Teil trompete was das Zeug hält, weil mich sonst der Hals juckt, und weiß trotzdem, dass es Utopien sind, für die wir unsere Zeit verschwenden. Das wird mal die Zeit sein, von der wir sagen, dass es die Beste war. Wenigstens das war es dann wert und wenn das alles was bringen sollte – noch besser.

Christian: 1968 ist für mich persönlich ein sehr sympathischer Mythos, den wir höchstwahrscheinlich nur deswegen gerade ansprechen, weil er von der Unterhaltungsindustrie hochstilisiert wird. Ohne 68er Mythos gäbe es keine Verkaufszahlen von Palästinertüchern als Modeaccessoire und Geldbörseln mit Che-Portrait. Das wäre natürlich tragisch (lacht). Wie Catherine sagt: Wir trompeten, weil der Hals juckt, aber abends gehen wir schlafen.

CK: Das Buch ist seit 1. März über eure Homepage, bei euren Veranstaltungen aber auch im Handel erhältlich. Wie schaut es mit erhaltenem Feedback aus?

Catherine: Die Leute sagen oft: ” Ja, sehr viele coole Sachen dabei, aber einiges hab ich einfach nicht kapiert.” Ich muss dann immer lachen und sage: “Uns geht es genauso”. Ach ja und: Meine Oma ist ein bisschen kritisch. Zu viel Sex für ihre Begriffe, aber sie findet die Bilder toll… Soviel zu den Altersgruppen.

CK: Könnt ihr noch andere Beispiele (für Feedback) nennen? Gibt es ein Feedback, das bei euch hängen geblieben ist?

Catherine Nicholls

Catherine: Mein persönlicher Favorit war der Kommentar: “Ohh, das glänzt ja so hübsch!”

Christian: Ich finde es bemerkenswert, dass Feedback von den unterschiedlichsten Menschen, Altersgruppen, Medien und Institutionen kommt. Ich hab mir anfangs nicht erwartet, dass sich zb der Standard an unserem Titel stößt, während wohlbetuchte Damen unseren Mut zur Sozialkritik loben, dass die Vielschichtigkeit der Texte einmal – so wie wir das sehen – als Zeichen eines radikal freien, sich keinen formalen oder inhaltlichen Dogmen unterwerfenden Literaturbegriffs und einmal als Mangel an eigenem Literaturbegriff gesehen wird. Aber allgemeiner: Sehr positives Feedback.

CK: Also ich hab mich an eurem Titel auch gestoßen. Das hat so einen verkrampft wirkenden Witzcharakter für mich. Eure Veranstaltungstitel wie „T’schuldings, wir würden gern lesen…” oder “Von der Unvernunft gebissen” wirken da frischer. Der Buchtitel klingt nach einem augenzwinkernden in die Taille stoßen – Nach einem: „Hey, das ist doch lustig.“ oder?

Christian: Es freut mich, dass du genau diesen Punkt ansprichst, weil ich denke, dass aus diesem Grund mehrere Leute wenig mit dem Titel anfangen können. Mein persönlicher Zugang hat aber wenig mit Humor oder Unterhaltung als mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes zu tun, also perversio, aus dem lateinischen oder griechischen kommend, da bin ich mir nicht mehr so sicher, ich glaub aus dem lateinischen; Jedenfalls: perversio: Die Verdrehung (von Moralvorstellungen). Die gängigste Moralvorstellung, bzw. besser ausgedrückt: Maxime des heutigen Literaturbetriebs (mit Betonung auf Betrieb) ist nun mal der Wunsch von AutorInnen und Verlegern, mit simpler Unterhaltungsliteratur groß Kohle abzusahnen. Das verdrehen wir mit einem Buch, das keine Privatperson monetär bereichert. Darüber hinaus erhält pervers, wie wir auch typografisch hervorgehoben als per vers darstellen, eine weitere Bedeutungsebene durch das lateinische per=durch, also: Durch den Vers, durch das Wort. Auch ein bisschen Klischee, aber ein schönes Klischee: der Stift ist mächtiger als das Schwert.

Catherine: Sagen wir mal so, wir haben sehr lange für den Titel überlegt und abgewogen. Da war “per vers” noch gar nicht in der Auswahl. der Titel ist dann spontan entstanden und ich fand die Situation einfach gut. Eben das sollte es nicht sein: Krampfhaft. Das wirkt vielleicht nach außen etwas so, das ist uns schon bewusst, aber für uns hat es genau die Gegenwirkung.

CK: Ich finde, euer Buch ist ein Kulturprodukt von vielen. Es sticht nicht sonderlich aus der Masse von Kulturprodukten hervor.

Catherine: Stimmt nicht. Spätestens wenn du es in die Sonne legst, sticht es heraus.

CK: Diese ganzen Sprachspiele, etwas dass GermanistInnen angeblich so toll finden, das finde ich oft eher anstrengend. Ich vermisse eine Haltung, ein Statement.

Catherine: Das finde ich genau das beste an dem Buch. Mich nervt diese ständige “alles muss immer ein bestimmtes Statement haben”, wie soll das auch gehen mit 13 Leuten? Wir haben keine gleiche Meinung und wollen auch damit nicht viel zu tun haben. Ein Buch ist ein Buch, keine politische Erklärung.

Christian: Da kann ich Cathi nur recht geben. Unser Konzept ist klar und bewusst die Konzeptlosigkeit. Ein Buch von 13 Leuten und ihren unterschiedlichen Sichtweisen auf Literatur. Da kommt nun mal kein einheitliches Statement, kein einheitlicher Literaturbegriff, keine gleichgeschaltene Haltung raus. die Statements haben wir zwischen den Zeilen versteckt. Man entdeckt zum Beispiel an Orten, an denen man es nicht erwartet, wie dem Impressum, Anspielungen auf Kulturpolitik und Bücherverbrennungen, andernorts Statements zu Essiggurken, Danchlor und Persil.

CK: Es geht mir auch nicht um ein politisches Statement, sondern mehr um eine Haltung. Ich entdecke darin keine literarische Kontinuität, also etwas, was sich an einer Literaturgeschichte reibt, sie widerspiegelt oder mit Witz aufgreift. Die Texte wirken mitunter sehr herausgerissen aus jeglichem Kontext.

Catherine: Aus dem Kontext herausgerissen – na hoffentlich. Der Kontext umgibt uns ja ständig. Wenn du sagst, das Buch ist nichts besonderes, widersprichst du dir ein bisschen. Oder wie meintest du das?

Christian: Die literarische Haltung, die du vermisst, ist etwas, das du von einer offenen Literaturplattform, in der jedeR der AutorInnen einen Freiraum von 10-15 Seiten als solchen nutzen soll, nicht erwarten kannst. Die Reaktion auf dagewesenes im Sinne einer bewussten Fortsetzung einer literarischen Position bzw. im Sinne einer bewussten Abgrenzung und/oder Neuerfindung des literarischen war nicht das Ziel des Buches. Das kommt, wenn sich durch den offenen Plattformgedanken Menschen mit einer gleichen, literaturhistorisch manifestierten Haltung zusammenfinden, was vorerst nicht unser Anspruch ist. In diesem Projekt steht die Vermischung unterschiedlicher literarischer Positionen und Texte im Vordergrund, aus dem Kontext gerissen und in einem Buch präsentiert.

CK: Das Buch hat für mich eher den Touch eines Kultur- Accessoire, anstatt einer Textsammlung, einer in der Subkultur verankerten AutorInnenschaft.

Catherine: In der Subkultur verankert sein ist irgendwie paradox. Das Buch ist eine Textsammlung, natürlich, und Kulturaccessoir-? -Naja, vielleicht. Aber daran sind wir selber schuld. Wir reden manchmal zu viel über Kultur und zu wenig über das Buch.

CK: Es könnte für mich halt ruhig “dreckiger”/punkiger sein. So selbst zusammengestoppeltes Zeitungspapier…

Catherine: Irgendwann willst du aber auch, dass dein Buch nicht beim ersten Lesen auseinanderfällt.

Christian: Du wirst lachen, aber es gab die Idee, mit Moosgummi als Stempel und geklautem Altpapier als Oberfläche zu arbeiten. Aber du musst verstehen, als wir uns auf perVERS als Titel einigten, war klar, das Buch muss der oberflächlichen Bedeutungsebene von Perversion auch optisch entsprechen: glitzernd, glänzend, prunkvoll und edel.

CK: Seid ihr durch andere literarische Strömungen beeinflusst? Habt ihr Vorbilder? Wo würdet ihr euch selbst verorten?

Catherine: Ich fühle mich zwischen der Brieffreundschaft zweier Siebenjähriger und den Memoiren von Henry Millers Hauskatze.

Christian: Ich sehe mich klar in der zwar schon längst dagewesenen, viel gerühmten und viel gepeitschten, aber mir immer noch sehr sympathischen Abkehr von gängigen Erzählstrukturen, Sprachkritik und dem Spiel mit Assoziationsströmen verankert. Vor allem Ding interessiert mich. Ding sollte hochleben!

CK: Ihr existiert seit 2005 als Literaturplattform poetro. könnt ihr kurz euren Werdegang als Kollektiv skizzieren? Wie habt ihr zusammengefunden? Welche Stationen waren bislang wichtig?

Catherine: Am Anfang waren wir zu viert mit einer Idee und einem kreativen Freundeskreis. Unterstützung kam von Jugendzentren und dem Literaturhaus Salzburg, inzwischen haben wir uns ja über Österreich verteilt und nun gibt es einige wichtige Stationen.

Christian: Eine nicht unwichtige Bedeutung unseres Antriebs trägt der Ort, an dem wir uns zusammengefunden haben: Salzburg. Eine Stadt, in der es erstens wenig Raum für selbstorganisierte Projekte junger Menschen mit künstlerisch-kreativen Ambitionen und zweitens eine sehr kleine Szene von jungen Menschen gibt, denen der Mischmasch aus (Festspiel)-Hochkultur und (Brauchtums)-Prestigekultur nicht nur zuwider läuft, sondern die da auch aktiv was dagegen bzw. für eben eine junge, freie Kulturszene tun. unser Spezialgebiet war die Literatur und die Vernetzung mit anderen (Sub)kulturellen Ausdrucksformen. In Salzburg haben da schnell die handlungswütigen Menschen zusammengefunden. Seit dem entwickelt sich das ganze Projekt. wer mehr drüber wissen will: Auf unserer Seite gibt es eine Rubrik zu unsren bisherigen Lesungen & Aktionen.

CK: Ihr seid, wenn ich das richtig verstanden habe, aus Salzburg abgewandert, weil euch das kulturelle Umfeld zu wenig Möglichkeiten bot. Könnt ihr kurz die Umstände skizzieren, die euch zu einer No-Future Haltung bewegt hat?

Catherine: Nein, ich bin nicht aus Salzburg weg, nur weil es dort schwieriger ist, etwas auf die Beine zu stellen. Es hatte persönliche Gründe. Aber es stimmt, dass nach und nach alle Treffpunkte für kulturinteressierte Menschen von der Stadt dicht gemacht werden (Café Denkmal, Mark Freizeit.Kultur, die alte Arge Nonntal etc.); Ist verdammt schade, aber noch schlimmer ist es, dass viele Leute dadurch entmutigt werden und Salzburg verlassen. so wie wir. Eigentlich sehr feige…

Christian: Auch bei mir ist das nicht ganz richtig, weil ich in erster Linie nach Graz ging, um zu studieren. Aber es stimmt schon, nach einer gewissen Zeit fängt man an zu resignieren. In Salzburg waren wir vor unsrem Umzug nach Graz sehr stark an der Besetzung des Kulturgeländes Nonntal und anderen kulturpolitischen Aktionen beteiligt. Nach 3-4 Monaten Besetzung mit vielen Lesungen, Konzerten und Freiraumdiskussionen kam der Abriss. Das motiviert nicht sonderlich. Andererseits bewegt sich gerade dort, wo die Maxime des Aufrechterhaltens bestehender Umstände hochgehalten wird, umso mehr.

Catherine: Jaja, keiner macht was, bis der eigene Arsch brennt.

jopa, ein im buch vertretener autor, beim abschmecken. © poetro

CK: Wie habt ihr die Zeit der Arge Nonntal Besetzung erlebt?

Christian: Eine wunderbar schöne, von tiefen Freundschaften und großen Emotionen geprägte Zeit war das. Wir – zumindest ich dachte mit ein paar Lesungen, Flugzetteln und Bannern die mozartstädtische Kulturlandschaft verändern zu können. Das war eine herrliche Vorstellung, der ich mich gerne wieder ergeben würde. Nüchtern betrachtet haben wir durch die Besetzung der Arge das Bewusstsein der salzburger Öffentlichkeit sensibilisiert. Die abstrusen Budgetverteilungen der Stadt, sowie die Notwendigkeit eines autonomen Zentrums sind wieder zum Thema geworden.

CK: Ihr lebt nun beide in Graz. Seid ihr schon im literarisch-kulturellen Umfeld von Graz subsumiert oder bewahrt ihr euch den Blick von Außen? Und wie erlebt ihr, als außenstehende Personen die kulturproduktiven Kräfte der Stadt?

Catherine: Der Blick von Außen… Wichtig und unvermeidlich, weil ja doch immer mit dem, was man die letzten Jahre erlebt hat, verglichen wird. Man steht immer so ein bisschen dazwischen. Auch je nachdem, ob man gerade begeistert ist oder gerade gar nichts passt. Je nachdem fühlt man sich dann natürlich dazu oder eben nicht dazugehörig als Teil der Kulturlandschaft in Graz. (lacht)

Christian: Der Blick von außen ist mir sehr wichtig, ich kann das Ganze hier noch nicht so richtig einschätzen. Andererseits will ich in einer lebendigen Stadt wie dieser nicht auf das ein- und mitmischen verzichten. Es tut sich gerade sehr viel, die “freie”, selbstorganisierte Kulturszene, der ich mich persönlich am nächsten fühle, bewegt sich wahnsinnig schnell, rund ums Combinesch, ums Spektral und ums Sub erwacht ein neues Bewusstsein des Sich-Vernetzens. Im “etablierten” Bereich sticht für mich ganz klar das Forum Stadtpark als spannendster Ort heraus. Da möchte ich auch noch einiges auf die Beine stellen.

CK: Ihr sprecht ja auch von synthetischer Verschmelzung verschiedenster Subkultur-Ströme auf eurer Homepage. Irgendwelche Utopien in diese Richtung? Warum ist Vernetzung ein wichtiger Aspekt für euch?

Christian: Warum? Ganz einfach: Zusammen ist es schöner. Man unterstützt sich gegenseitig, lernt spannende Menschen / KünstlerInnen / Ideen / Visionen kennen, stellt gemeinsam etwas auf die Beine und bündelt Energien.

Catherine: Stimmt. Das hat für mich nicht unbedingt immer einen groß philosophischen Hintergrund. ist einfach interessanter wenn nicht nur Literatur dabei ist.

Christian: Die Utopien, die kommen dann von selber. Wobei ich mir im Moment erst wieder über den Unterschied von Sub- und nicht Subkultur klar werden muss, die Grenzen verschwimmen zu unklar. In diesem Fall hemmt die Philosophie und das Zerdenken das einfache Anpacken ein wenig. (lacht)

CK: Danke fürs Interview.

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