Interview – Miriam “Mimu” Moné

Mimu (Miriam Moné) wird von mir in ein kleines Interview über Medienkunst, ihrem Werdegang als Künstlerin und ihrer Befindlichkeit zur Kunst verwickelt. Sie lebt und arbeitet in Wien und studiert “Digital Arts” an der Angewandten, kommt eigentlich aus dem Grafik / Visuals Bereich und ist neben ihrer Medienverbundenheit auch als Musikerin aktiv. (Interviewer Christian Kahr / veröffentlicht am 26. Mai 2007)

CK: Miriam Moné steht für…?

Hmm. das Produkt zweier Elterntiere, die mir diesen Namen gaben. Logischer Schritt, Nestflucht und Neuerfindung. Sich einen neuen Namen geben. Mimu.

CK: Wie kamst du zur Kunst?

So ganz tatsächlich fiel ich in der Mittelschule einem Zeichenlehrer auf, aufgrund einer Begabung in zeichnerischer Hinsicht. Der nahm mich in der fünften Gymnasium in seinen Maturantenkurs und beschloss dann quasi für mich, mich auf eine andere Schule zu verfrachten. Das war dann eine HTL für Grafikdesign. In den folgenden 5 Jahren lernte ich grundsätzliches der Verbrauchsgrafik und begann sukzessive mein Nervenkostüm zu zerrütteln. Nach Abschluss der Schule empfand ich eine tiefe Abneigung gegen alles was für mich in den vorhergegangenen Jahren als “Kunst” definiert wurde. Nach einem halben Jahr Auszeit begann ich zu erkennen, dass sich was auszudenken um es dann umzusetzen ohne Hierarchie und Druck von “oben” doch ganz geil ist und meinem Wesen entspricht. Somit definierte ich langsam alte Begrifflichkeiten neu und kam zu der Erkenntnis, dass alles nur so ist wie ich es in dem Moment sehe. Ich glaub so ganz ohne äußere Einflüsse ist es oft schwer seinen “Weg” zu erkennen.

CK: Welche sind die Künstler die dich inspirieren und warum?

Tja, es gibt verschiedenste Einflüsse. Die Jugendstilgrafik hat mich z.B. stilistisch sehr beeinflusst (z.B. Aubrey Beardsley). Die Geisteshaltung der Dadaisten kommt mir auch sehr vertraut vor, Kurt Schwitters Gedichte sprechen meine Sprache. die Situationisten und ihre Verfahrensweisen kann ich auch gut verstehen.

CK: Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?

Unterschiedlich. die Wahl der Waffen kommt auf die jeweilige Situation und ihre Anforderungen an. Intuitiv. Es geht meistens schnell und die Idee “pickt” grundsätzlich mal. Additiv. Ich zerlege, um wieder zusammen zu bauen. Ich füge ein Element an das nächste und stricke an dem gesamten bis ich das Gefühl habe es reicht. Letzteres trifft auf mich besonders zu, egal ob visuelles oder auditives Endprodukt. Vielleicht umgibt mich deshalb immer ein leiser hauch Chaos. Wer bei mir ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund sucht, wird sich zuerst durch einen Haufen anderer Dinge wühlen müssen. Das ist Freud und Leid gleichzeitig.

CK: Was beschäftigt dich zur Zeit/ hat Einfluss auf deine Arbeit?

Großen Einfluss auf meine Arbeit hat das Internet, wenn auch in indirekter Form. Ich bin leidenschaftlicher Foundfootage-Sammler, Angebot und Target beeinflussen einander. Nach und nach stoße ich dann auf Thema und Ästethik die mich inhaltlich und formal interessieren. Natürlich gibt es bestimmte Kernfelder die mich immer wieder magisch anziehen, abhängig von der jeweiligen Lebenslage, meistens ergibt ein Thema das andere. Meine Produktionen sind generell mit einem kleinen Zwinkern und trockenem Humor ausgestattet, ohne dabei jedoch humoristisch zu sein. Ich verbinde gerne sanft Gegensätze, technische Zeichnungen und Pläne in ihrer geometrischen Filigranität sich einem Schmuckstück gleich von zb eher drolligen Ausschneide-Papierpüppchen bzw. generell humanoiden Elementen abheben. Was Grafik betrifft bin ich mittlerweile geübter Collageur, verbinde Fundstücke des Internets aller möglicher Jahrzehnte zu neuen Bedeutungen, Inhalten und Aussagen, genieße die Macht die dahinter steckt bis ins letzte Pixel hinein. Ich kann die Bilder sprechen lassen und unmerkbar verändern, gewaltsam dazu zwingen meine Denke weiterzugeben. Ein Zwiegespräch zwischen Pixel auf dem Opfertisch und mir. Das digitale Skalpell schon in der Hand. Ich denke den größten teil der Energie die es braucht um etwas schöpfe ich aus meinem inneren Antrieb. Viele Dinge die mich beschäftigen ergeben sich aus Gemütslagen, grundsätzlichen Orientierungen meiner selbst und Erinnerungen. Ich habe eine starke Identifikation mit allem was ich mache, daraus ergibt sich natürlich auch ein unglaublicher Hang zur Selbstkritik und Unsicherheit. Ich bin meine Arbeit, meine Arbeit bin ich.

CK: Was genau ist ein found-footage-sammler?

Jemand der das Internet durchstreift, bewaffnet mit diversen Suchbegriffen und gezielt Daten sammelt, die in irgendeiner Form interessant erscheinen. Manchmal Arbeitsmaterial, Information, Bilddaten und digitale Souvenirs jeder Art.

Wieviele Stunden pro Tag verbringst du vor dem Internet?

Ich könnte nicht behaupten jemals offline zu sein. Ich kommuniziere hauptsächlich auf diese Art. Der Datentransfer hat eigentlich kein wirkliches Ende. Aktiv würde ich sagen 8 bis 10 Stunden.

CK: Du kommst eigentlich aus dem Grafikbereich studierst aber im Moment Medienkunst auf der Angewandten in Wien. Wie hat es dich dorthin verschlagen?

Im Prinzip war es so, dass es mich von der Schaffung einzelner Bilder (Grafik) nach einiger Zeit zum bewegten Bild getragen hat. Eine sehr natürliche Entwicklung irgendwie. Beim bewegten Bild kommt die Tonkomponente dazu und schon ist der nächste Schritt bereit getan zu werden, in Richtung Audio und Musik. Der eine Interessenssektor schließt den anderen nicht aus, das eine profitiert vom anderen. So kann man in meinen Visuals z.B. eine starke Grafikkomponente ausmachen, wenig bis kein Videomaterial, wo meine Wurzeln absolut durchscheinen. Meine tatsächlichsten (aktiven) Ur-Anfänge liegen in der Handzeichnung. Mir kommt vor, dass besonders durch das Werkzeug Computer, die Verfahrensweise und der Weg hin zum Output jeglicher Art genormt und an sich ähnlich ist, für mich daher umso natürlicher das alles irgendwann ineinander greift. Ich wollte auf jeden Fall nicht nur im Segment Grafik mit all seinen wirtschaftlichen Ausprägungen bleiben.

CK: Wo würdest du deine Kunst gerne einmal sehen? Siehst du dich mehr auf Messen oder doch klassisch im Museum?

Kommt aufs Werk drauf an. Kann auch fernab von dem Ganzen existieren. Auf der Straße, im Netz, als Objekt im Regal, als teil des Alltags. Aber müsste ich wählen, nwürde ich die Messe nehmen.

CK: Gibt es ein Publikum für Medienkunst?

Ja. Und in gleicher Art wie sich Hightech in den Alltag schleicht wird Medienkunst auch in den traditionellen Kunstbetrieb hineinwachsen. Werte wandeln sich, so oder so.

CK: Ist Medienkunst wichtig? Gibt es Entwicklungen in der Medienkunst die dir gar nicht zusagen?

Ich denke Medienkunst ist eine logische Konsequenz unserer Zeit, unserer Gesellschaft. eine gewisse Wichtigkeit könnte sich z.B. ergeben wenn man den Künstler als den Joker sieht, der mit Technologien spielt, sie gezielt missbraucht um deren Tragweite auch dem technisch vielleicht nicht so versierten Mitmenschen klarzumachen. Ich denke Medienkunst ist jene Gattung die die Möglichkeiten hat globale Zusammenhänge, Actio und Reactio in allen möglichen Bereichen auf eine fast naturwissenschaftliche Weise aufzuarbeiten. Über bestimmte Entwicklungen könnte ich mich jetzt nicht mokieren, jedoch fällt mir schon auf, dass die meisten Leute, auch viele die teil des Kunstbetriebes sind, keinen Bezug zu Medienkunst haben. Das Spektrum reicht von Unverständnis bis Abneigung. Ich denke es ist gefährlich eine formal gelungene Umsetzung (im technischen Sinn) vor den Inhalt zu stellen, denn was dem Durchschnittsbetrachter bleibt, ist das Ergebnis. Versteht der Betrachter nicht, ist die Sache für mich gescheitert.

CK: Das letzte erwähnenswerte “konsumierte” Medienkunstwerk war…?

Hmm. Also eine Ruth Schnell Arbeit hat mir eigentlich sehr gut gefallen:eine senkrechte Reihe von LEDs baut in zeitlicher Abfolge einen Buchstaben Reihe für Reihe auf. Wenn man direkt drauf schaut sieht man nichts außer blinkender Lamperl. Wenn man jedoch sich weiter im Raum umsieht, sieht man in den Augenwinkeln das Wort entstehen. Im Prinzip wird die Latenz des Auges und des Bildaufbaus genutzt um die Message lesbar zu machen. Der Knaller ist halt dass man es erst sieht wenn man wegschaut.

Miriam Moné bei Preisverleihung von Ö1

CK: Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich habe die frage eigentlich oben schon beantwortet mit “aus mir selber”. Irgendwer hat mal gesagt, alle Künstler sind Getriebene. Ich hatte schon immer Skrupel mich selber vorbehaltlos als Künstler zu definieren, aber getrieben und williges Opfer eines Schaffenszwangs bin ich auf jeden Fall. Wenn ich nun behaupte ich bin meine eigene Inspiration, mein eigener Motor, mag das subjektiv für mich stimmen, tatsächlich würde ich aber ehrlicherweise noch die gesamte Populärkultur der 80er, 90er und 00er anführen. Ich war ein völlig versautes Fernsehkind und ergötze mich immer noch geifernd und gewissenlos an dem Trash unsrer Zeit, bloß das Youtube und Co. durch ihren mist-ondemand, Funk- und Fernsehen den Rang abgelaufen haben. Elektronische Musik ist ein wichtiger Aspekt meines Lebens. Auch Extremzustände sind durchaus inspirierend. Verliebtheit, Trauer, Wut katalysieren und bündeln Potential, das sonst selig schlummert. Äußerst lähmend ist für mich Zwang von außerhalb.

CK: Wenn wir youtube erwähnen mit seinem mist-ondemandreden wir automatisch über Partizipation der User durch das Internet. Das Kosewort Web2.0 fliegt durch die Datenkabel. Siehst du in dieser Welle der Partizipation auch neue Wege für Künstler Sachen zu transportieren?

Auf jeden Fall ist die “Community” aus ähnlich interessierten hilfreich. Ich glaube Kosewort Web 2.0 beschreibt indirekt eine clevere Methode sich selbst effizient zu vermarkten.

CK: Wieviel Zwang herrscht an deiner Universität?

Im Moment fühle ich mich sehr gezwungen und das macht mich nicht froh. Link zu Mimu auf Facebook: https://www.facebook.com/mimu.merz