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neues Album von Plaid – 30 JaHRE WARP RECORDS

Gerad läuft bei mir im Hintergrund der Livestream von Warp Records, die dieses Wochenende ihr 30 jähriges Bestehen mit einem Radiofeature auf NTS Radio feiern. Von heute Mittag bis Sonntag Abend gibt es ein Best Of des Labels mit teils unveröffentlichten Aufnahmen des Labels und seiner KünstlerInnen. Mit von der Partie: Boards of Canada, Autechre, die einen Einblick in ihr Schaffen von 89-93 geben werden, Aphex Twin und Gastauftritten von Death Grips, Ryuichi Sakamoto und anderen. (siehe Schedule)

Mit von der Partie sind natürlich auch die beiden Musiker von Plaid, lang einer meiner Geheimtipps wenn es um Musik des Labels ging. (zumindest auf der Warp 100 Compilation war die Nummer von Plaid mein Lieblingsmusikstück) Ed Handley und Andy Turner haben sich 1995 von der Formation The Black Dog abgewandt um ihr eigenes Ding zu machen und sind seit diesem Zeitpunkt auch Fixbestandteil der Warp-Community.

Cover des neuen Albums von Plaid.

Ihr neues Album “Polymer” wendet sich wieder den abstrakteren Seiten von Plaid zu und das ist kein Fehler. Auch wenn es den Anschein macht, dass manche Arrangements eher gerade daherkommen so merkt man den beiden Künstlern schon an, dass sie die Erfahrungen ihrer vergangenen Produktionen sehr schön und gut ins heute der IDM Musik verfrachtet haben. Die typisch kantigen Beats werden von industrial Flächen umschwärmt während sich im Hintergrund die Melodie aufbaut um auf diesem kantigen, nebeligen und lebendigen Untergrund ihre Ambiente Schönheit zu entfalten. Lieblingstracks: The Pale Moth, Dancers.

The Chemical Brothers – No Geography

The Chemical Brothers waren für mich mit “Block Rockin’ Beats” von ihrem zweiten Studioalbum “Dig your own hole” die Einstiegsdroge zur elektronischen Tanzmusik. Vor allem die B-Seite mit dem Track “Morning Lemon” hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und die gesamte Single führte mich, obgleich die Single auf Wikipedia unter der Stilrichtung Alternative Rock geführt wird, neben anderen Künstlern wie Coldcut oder DJ Food näher an die elektronische Tanzmusik und an ihre unterschiedlichen Stilrichtungen heran. Ed Simons und Tom Rowlands haben nun ihr 9. Studioalbum vorgelegt und nach vielen Kooperationen mit bekannten KünstlerInnen und einer 4 jährigen Schaffenspause inklusive stehen auf diesem Album die Samples und das Songwriting wieder stark im Vordergrund.

the Chemical Brothers’ Ed Simons, left, and Tom Rowlands. Photograph: Hamish Brown

Neben der Tatsache sich solange an der Spitze von elektronischen Musikproduzenten festzusetzen verstehen es die beiden kaum wie andere Künstler ihre samplebasierende Musik auf derart eigene Füße zu stellen. Denn jeder Übergang sitzt, die Musik besitzt eine eigene Formensprache und gleich mit der Eröffnungsnummer ” The Eve of Destruction” gibt das britische Electronica-Duo aus Manchester die Richtung des Albums vor. Und die Marschrichtung ist, unterstützt von 90’er Jahren House Grooves und Vocal Samples, straight forward. Mit “Bango” und einem eingängigen Bassgitarrensample geht der Angriff auf den Tanzfloor und die eigenen Ohrmuscheln munter weiter. Einflüße von den Elektronikpionieren Kraftwerk lassen sich dann bei “No Geography” (hitverdächtig!) nicht von der Hand weisen auch wenn dann wie gewohnt zu verträumten Synthflächen und orchestral aufgebauschten Übergängen gegriffen wird um erst recht in ordentlicher Big-Beat Manier die eigene Handschrift zu unterstreichen. “Got to Keep on” scheint auch das ständige Motto der beiden Engländer zu sein. Das eingängige von Michel Gondry produzierte Tanzvideo dazu macht Lust sich zu ihrer Musik im Takt zu bewegen.

Auch wenn das Album seine ruhigen Momente hat, so ist es doch darauf ausgelegt die Dancefloors der großen Festivals zu füllen und die typische Big-Beat Stimmung zu verbreiten. Abgesehen davon, dass man den Chemical Brothers dies als Manko auslegen könnte, da das Sample basierte Handwerk doch sehr rough in elektronische Tanzmusik umgesetzt wird, tut dies dem Gefühl der beiden für Rythmen und Harmonien keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil man spürt auf diesem Album wirklich die Songwriterqualitäten der beiden. “Gravity Drops” ist dafür ein Beispiel wie sie, ihrer Art an Songs heranzugehen, treu bleiben, auch mit einem schön dezent umgesetzten Retro-Feeling, welches einen schon einmal in die Mitte der 90er Jahre zurückversetzen kann. Die Schlussnummer des Albums ist mit “Catch me i’m falling” gut gewählt und davor geht es mit Nummern wie “The Universe sent me” oder “Free yourself” ordentlich zur Sache.

Das Album “No Geography” ist seit 12. April im Handel erhältlich und wurde auf Universal Music veröffentlicht. Man kann auch davon ausgehen, dass man die Chemical Brothers auf den Festivalbühnen des Sommers anfinden wird können und sie ihre Big-Beat Show zum Besten geben werden.W