Archiv der Kategorie: Musik

Weval -The Weight

Soundkünstler sind die beiden Niederländer Harm Coolen und Merijn Schotte. Das merkt man an vielen Stellen ihres neuen Albums “The Weight”. Vielleicht haben die beiden die Schwere, ein gutes 2. Album abzuliefern durch ihren Albumtitel gleich vorweg genommen und sie überlassen bei ihren Soundteppichen auch nichts dem Zufall. Weich gespülter Elektropop ohne echte Kanten könnten Kritiker des Albums sagen und ja mitunter verlieren sich die vielen Soundscapes einander und driften ordentlich durch den Raum, aber Weval schafft es den Bogen ihrer Nummern weder zu überspannen noch die Soundteppiche zu sehr auszudünnen.


Harm Coolen und Merijn Schotte – Weval

Immer wieder kehren sie mit ihren Rythmen und Melodien zum Thema einer Nummer zurück. So viel Leichtigkeit und Anmut sind seit der französischen Band “AIR” nicht mehr zu hören gewesen. Und irgendwie klingen die beiden aus Amsterdam stammenden Musiker auch wie ein Lofi Projekt, doch in Anbetracht des Tüftelns an einzelnen Sounds kann man ruhig von einer Schwere sprechen, die auf den beiden während der Studioaufnahmen gelastet hat. Ausgefeilter kann Sounddesign gar nicht mehr sein. Auch Vergleiche zu Bands wie Boards of Canada tun sich auf, auch wenn die schweren TripHop Beats von BOC hier durch leichtfüßige verzerrte Beatstrukturen ersetzt wurden. Auch die Ausführung und das Arrangement von Nummern wie z.B. “Someday” überzeugen aufgrund ihrer Intensität und klanglichen Melodramatik.

Das 2. Studioalbum von Harm Coolen und Merijn Schotte wurde am 1. März auf dem Kölner Label Kompakt veröffentlicht. Live zu sehen sind Weval am 29. März in der Grellen Forelle in Wien.

Anna Calvi – live @ Salle Pleyel, Paris – ARTE Concert

Danke Arte. Ich mein, was würde ich machen wenn es diesen Sender nicht geben würde, man müsste ihn dann wohl erfinden. Anna Calvi – live ist ein besonderes Erlebnis, auch wenn man nur von der Couch aus dieser Gitarre und dieser Stimme folgt, bleibt das “Live-Erlebnis” dieses Konzertes erhalten. Dabei schafft es die britische Gitarristin und Songwriterin die Energie ihres letzten Albums “Hunter” direkt auf die Bühne zu verpflanzen. Für sie selbst scheint es eine Art Befreiung zu sein, sich und ihr Können mit einer Brise Wahnsinn auszustatten um dann in richtiger “Rockmanier” auf der Bühne und einem ins Publikum führenden Steg aufzuzeigen, warum sie im Moment zu einer der besten britischen Gitarristinnen zählt. Gekonnt spannt sie den Bogen ihrer Nummern um die Intensität und Erregtheit mittels ihrer Fender Stratocaster auf einem hohen Level zu balancieren. Die in tiefem rotem Licht gehaltene Bühne liefert den passenden Background um über Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern zu philosophieren. ((…)not walking and talking as a man(…)) Anna Calvi live @ Salle Pleyel, Paris ist eine besondere Erfahrung und mein momentaner YouTube Tipp ein Konzert betreffend.

Anna Calvi – “Hunter”

Anna Calvi’s letztes Studioalbum “Hunter” wurde am 31. August 2018 auf Domino Records veröffentlicht. Das von Nick Launay (Nick Cave, Grinderman) in London aufgenommene und produzierte Album wurde von der Kritik wohlwollend aufgenommen.

Kid Koala – music to draw to: Io

Kid Koala @ Work

Kid Koala, alias Eric San aus Kanada hat in seinen früheren Alben stets bewiesen, welches Können und welche Genauigkeit ihm als “Turntableist”-Künstler zugrunde liegt. Vor allem seine Stücke bei denen er Solo-Noten von Trompeten und anderen Instrumenten, die er z.B. in seiner Nummer “Drunk Trumpet” gezielt von einer Note zur anderen pitcht sind legendär. Seine Auftritte waren auch immer belustigend und durch das Tragen von Plüschtierkostümen gekennzeichnet. Nun tritt seit seiner Serie “music to draw to” ein ernsterer, aber dennoch akribisch genau arbeitender Künstler zutage. Vom Turntable als Arbeitsgerät scheint Eric San zumindest momentan weggedriftet zu sein, hat er nun doch die Synthesizer für sich entdeckt und arbeitet sich an androgynen, vielschichtigen Ambient-Nummern ab, die er teilweise von den Stimmen bekannter Sängerinnen textlich abrunden lässt. Auf dem ersten war es die Stimme von Emiliana Torrini, die die sphärischen Stücke von Kid Koala’s fünftem Studioalbum “music to draw to-Satellite” lyrisch untermalte. Auf dem aktuellen Album ist es die klangliche wie stimmliche Qualität von Trixie Whitley, die auf “music to draw to-Io” 6 von 18 Nummern ihre lyrische Note verleiht.

“Inspired by music that allows space for the listener’s own ideas, the Music To Draw To series is an unfolding universe of wintry soundscapes and enchanting vocal journeys.” (Kid Koala Website)


Das erweiterte LP Bundle.

“music to draw to- Io” ist am 25. Jänner 2019 bei A & C Records erschienen. Das gesamte Bundle umfasst neben der Doppel LP auch eine CD sowie ein leeres Sketchbook, denn Kid Koala’s Intention ist wohl die Kreativität seiner Hörer zu fordern und im Angesicht der ambienten Musikstücke auch stückweise dazu gedacht, die eigene Kreativität der HörerInnen zu beflügeln.

Going like a Ghost -Dub Renaissance EP

Habe nun ein paar meiner Tracks, die ich in letzter Zeit am Computer arrangiert habe, auf Soundcloud hochgeladen.

Dub Renaissance EP is a mixture of dub elements, primarily vocal samples and drum patterns, within an electronic music style. The tracks contain deeply arranged sound elements in order to enhance the dynamics of the songs.

Dub was the first electronic genre in modern music history and many dub-versions of songs in the 1980’s were created as remixes. Going Like A Ghost’s “Dubtronix“ like release was influenced by dub as a genre by itself and also by the variety of electronic music styles that refer to dub as their sample / sound source.

The five tracks on the EP focus on widely known dub elements and put together new ones into one whole. “MezzaninDub“ features “western-sound“ elements while “Triotrio“ focusses on the bassdrum and a 4-to-the-floor beat with a steady  bassline. “Madrasp“ is also a deep and techno-orientated track, which could be labelled as dubtechno. On the other hand, “Santanda“ and “Demiandub“ work more in a static manner and feature a typical triphop like beat-aesthetic.

The release can be seen as a declaration of love to dub music and their representing artists. – Vocal samples on “Santander” by Dillinger (CB 200; Island Records).

One over One – Film

Der Film handelt von einem jungen, 20 jährigen Mädchen, dass in der Provinz von Pennsylvania aufwächst und mit den großen Themen des Lebens – wie Liebe und Verlust – konfrontiert wird. “1/1” ist dabei eine wilde Bildtechnik-Collage, eine Kleinode an das Leben selbst und wird aus der Sicht der jungen Lissa (Lindsey Shaw) erzählt. Regisseur Jeremy Phillips verwendet für seinen ersten Spielfilm viele unterschiedliche Bildformate wie z.B. 8mm um die jeweilige Gefühlslage am Besten abzulichten. Es sind Momente der Mixed Media Collage, die den Zuseher/die Zuseherin ins Leben von Lissa regelrecht hineinzieht. Diese unkonventionelle Coming-of-Age Story erzählt vom Leben einer jungen Erwachsenen, die sich mit ihrer Vehemenz und ihrem Lebenswillen in das Geschehen und ihr Leben wirft und mit ihren Wünschen und Bedürfnissen fast an dieser sich auch für junge Menschen immer schneller drehenden Welt zerschellt. Der Mindfuck-Psychotrip der jungen Lissa wird vor allem durch den Soundtrack der elektronischen Avantgarde Punkband “Liars” noch verstärkt.

Breathless, daring, and undone in a million pieces. Describing both the film’s style and main character, 1/1 submerges the audience into the mind of Lissa, a twenty-year-old girl trapped in rural Pennsylvania, who grapples with sex, drugs, love and loss. 

http://oneoveronemovie.com

Der erste Soundtrack der Band, der gleichzeitig die letzte Zusammenarbeit von Angus Andrew und Aaron Hemphill darstellt, ist auf Mute Records erschienen. Der Spielfilm lässt sich über iTunes herunterladen und ist mittlerweile wohl auch bei ausgewählten Internethändlern als DVD/Blu-Ray erhältlich.

meine Top 8 Alben des Jahres 2018

Das renommmierte Onlinemusikmagazin The Quietus tut es, Pitchfork macht es wahrscheinlich auch und Bandcamp sowieso. Die Jahreslisten der herausragendsten Alben und Songs des Jahres 2018 werden durch die weiten des Internets geschickt und da schließe ich mich nun hiermit an und erhebe meine Stimme für Musik, die mich in der zweiten Hälfte dieses Jahres begleitet hat und einen gewissen Stellenwert für mich bekommen und meinen verwöhnten musikalischen Geschmack besonders getroffen hat:

8. Hozier – Nina Cried Power EP (Releasedatum: 6. September 2018)

Hozier (bürgerlicher Name: Andrew Hozier-Byrne) schafft es wieder einmal, dass man auch von KünstlerInnen angetan sein kann, die auch bei Mainstreamradiostationen rauf und runter gespielt werden. Wieder dickes Plus für den irischen Musikers, der, Folkrock hin oder her , sich für seine Arrangements Zeit nimmt und deshalb sollte man seiner neuen EP und dem bodenständigen Typen Gehör schenken.

Hozier – Nina Cried Power EP

7. Fufanu – The Dialog Series (Releasedatum: 19. Oktober 2018)

Isländische Künstler sind immer für eine Überraschung gut und das Trio um Frontman
Hrafnkell Kaktus Einarsson werkelte im Laufe des Jahres an mehreren EP’s die nun auf einem Album zusammengefaßt worden sind; düstere dystopische Techno/Electro Baladden aus dem hohen Norden Europas.

6. Muslimgauze – 11 Minarets (Re-Release: 29. Oktober 2018)

Das bereits 1996 veröffentlichte Album wurde von einem kleinen ukrainischen Label (Kvitnu – kvitnu.com) in einer Stückzahl von 300 Kopien neu aufgelegt. Muslimgauze, um den sich neben Aphex Twin wohl die meisten Mythen in der elektronischen Musikszene ranken wurde nur 38 Jahre alt. Er, der mit bürgerlichem Namen Bryn Jones hieß und sich im Jahre 1983 Muslimgauze zu nennen begann konnte in seiner aktiven Zeit 16 Alben pro Jahr veröffentlichen und fiel vor allem mit seiner Haltung zum Palästinenserstaat auf. Obwohl eine Vielzahl seiner Alben religiöse Titel haben war der aus Manchester stammende Musiker selbst der Religion eher skeptisch gegenüber eingestellt.

5. Swamp Dogg – Love, Loss and Autotune (Releasedatum: 7. September 2018)

Wohl beherzter und intimer wurde die Voice-Technik “Autotune” noch nie eingesetzt. Mit Ryan Olsen von Poliça  als Produzent der Nummern wurde jemand an Board geholt der etwas von Autotune als Technik versteht und “The national treasure” – Swamp Dogg ließ bei diesem Album die Zügel aus der Hand. Herausgekommen ist ein Neosoul Album der Extraklasse mit viel Hingabe zum Schmalz ohne pathetisch zu klingen.

4. The KVB – Only Now Forever (Releasedatum: 12. Oktober 2018)

Shoegaze trifft auf Elektro und heraus kommen The KVB. Mein Bruder hat mich auf das aus England stammende und nun in Berlin lebende Duo aufmerksam gemacht. Das aktuelle Album wurde auf Invada Records veröffentlicht.

The KVB – On my skin

Blending reverb-soaked shoegaze with minimalist electronic production, The KVB’s music reflected Nicholas Wood and Kat Day’s mastery of atmosphere even as their sound evolved over the course of the 2010s.

by Heather Phares

3. Planning to Rock – Powerhouse (Releasedatum: 9. November 2018)

PlanningtoRock aka Jam Rostron liefert hier bei seinem 4. Album auf DFA Records eine Melange von RnB Nummern über House bis Elektronummern. “Powerhous”e ist das bis dato intimste Album des Berlin-via-Bolton-Produzenten – eine kinetische, selbst produzierte Platte, die mit Haltung, Humor, Verwundbarkeit und Prahlerei besticht.

2. LOW – Double Negative (Releasedatum: 14. September 2018)

Für eine Band, die seit mittlerweile 25 Jahren besteht gibt sich LOW auf Double Negative so locker und verspielt wie schon lange nicht. Dabei sind LOW wie der Name schon sagt die Vertreter einer eigenen Musiksparte dem Slow-Rock.

Alan Sparhawk, Mimi Parker und Steve Garrington, zusammen Low, experimentieren, zerlegen, brechen und lassen Gehäckseltes wachsen. Trip-Hop-Beats gekreuzt mit Indie, Folk, Ambient und Industrial kriegen kurz vorm digitalen Störgeräusch gerade noch die Kurve zurück zum Song.

Christoph Jacke, Spex.de

1. Beak> – >>> (Releasedatum: 20. September 2018)

Kaum eine Band kam 2018 symphatischer daher als die aus Bristol stammende Formation. Verspielter Out-Rock der Extraklasse, kompakte Synthlinien treffen auf ein variantenreiches Schlagzeug-spiel von Geoff Barrow, Gründungsmitglied von Portishead. Tags: #postrock, #krautrock, #outrock.