Sisters with Transistors – Filmdoku

Die Doku “Sisters with Transistors” geht der Frage nach wie Frauen sich ihren Platz im Bereich der elektronischen Musik erkämpft haben und welche Pionierleistungen sie auf dem Gebiet der Avantgarde erbracht haben. Die Regisseurin Lisa Rovner begibt sich in ihrer ersten abendfüllenden Dokumention auf Spurensuche nach jenen Musikerinnen und Klangkünstlerinnen, die auf dem Gebiet der elektronischen Klangerzeugung eine Vorreiterrolle einnahmen. Die Dokumentation die bislang nur auf Filmfestivals ihre Premiere feierte beginnt in ihrer Recherche in den 1920er Jahren und gibt aufgrund von raren Filmaufnahmen Einblicke in die Arbeitswelt der Künstlerinnen, die manchmal selbst nicht glauben konnten, dass sie sich in dieser fest in Männerhand befindlichen Nische ihren Platz erkämpfen würden.

“SISTERS WITH TRANSISTORS is the remarkable untold story of electronic music’s female pioneers, composers who embraced machines and their liberating technologies to utterly transform how we produce and listen to music today.”

Sisters with Transistors

Einige von ihnen sahen es als Privileg an sich mit elektronischer Musik zu beschäftigen, manche Protagonistin des Films arbeitete als Tontechnikerin bei bekannten Institutionen wie der BBC in England. Die Frauen berichten auch darüber wie diese Form der Arbeit es ihnen ermöglichte sich, fernab von der eingesessenen Musikreproduktion wie dem Konzert und Aufführungsbetrieb, dem klassischen Noten schreiben für andere, dahingehend zu entwickeln, dass ihre Form der Musiknotation von ihnen selbst und ihren elektronischen Klangerzeugern dargebracht wurden. Diese Aufführungspraxis ermöglichte den Frauen, wie auch den Männern dieses Genres einen neuen Umgang mit ihren Kompositionen und kam einer Selbstermächtigung gleich, die vor allem in den 60ern und 70ern des vergangenen Jahrhunderts von KünstlerInnen und Publikum (wenn auch nur in kleinem Kreis) gleichermaßen gewürdigt wurde.

“We women were especially drawn to electronic music when the possibility of a woman composing was in itself controversial. Electronics let us make music that could be heard by others without having to be taken seriously by the male dominated Establishment.”

Laurie Spiegel (Composer)

Wichtige Künstlerinnen jener Zeit wie Daphne Oram, Pauline Oliveros, Delia Derbyshire, Laurie Spiegel etc… kommen in den zusammengestellten Filmaufnahmen zu Wort, erklären einem interessierten, meist männlichem Publikum vor Ort ihre Arbeitsweise, können es mitunter selbst nicht glauben, damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen und zeugen von einem Selbstverständnis im Umgang mit Kästen, die so groß wie sie selbst waren. Laurie Anderson (Performance-Künstlerin, Musikerin und ebenfalls Filmregisseurin) begleitet mit ihrer Stimme aus dem Off die Dokumentation, erzählt von den kleinen und größeren Erfolgen und auch Misserfolgen der Musikerinnen und setzt die Archivaufnahmen mit ihren Kommentaren ins rechte Licht. Auch heute noch ist die Rolle jener Frauen bei weitem nicht so ausgeleuchtet und ihr Schaffen wird hinter jenem der erfolgreichen Männern der Klangkunst nicht so gewürdigt und anerkannt. Die Doku “Sisters with Transistors” will dies ändern und schenkt jenen Pionierinnen ein stückweit jene Aufmerksamkeit, die sie wohl verdienen.


Website: Sisters with Transistors | Trailer |Titelbild: Maryanne Amacher fotografiert von Peggy Weil

Breath of the Wild Soundtrack Compilation Box – Musik in Videospielen

Die Breath of the Wild Soundtrackbox von Nintendo’s gleichnamigen Spiel

Musik von Videospielen fristet oft ein Schattendasein wenn es darum geht Videospiele in ihrer Gesamtheit zu betrachten und fallen auch heutzutage in Bewertungen von Spielen oft unter den Tisch. Eigentlich seltsam, ist es doch oft die Musik eines Spieles, die einen – genauso wie bei Filmscores – emotional stärker mit der Story oder der erzählten Handlung in Verbindung treten lässt. Ist die Handlung spannend verstärkt die Musik das Geschehen auf Monitor oder Leinwand. Ruhige Passagen werden ebenfalls von dazu passender Musik getragen. Scores sind demnach ein fixer Bestandteil unseres Medienkonsums und vielen Spieleentwicklern ist dies bewußt, genauso wie die Fanbase seit langer Zeit für diverse Soundtracks von Spielen schwärmt. Nun gibt es von “Legend Of Zelda – Breath Of The Wild” eine Soundtrackcompilation die auf 5 CD’s alle 211 Songs des Spiels vereint. Ein Booklet in japanischer Sprache und zusätzliches Artwork sind ebenfalls enthalten. Vor allem für Liebhaber des Nintendo Spieles und als stilvolles Collector-Item ist diese Box, die für ca. 55,- Euro bei Amazon angeboten wird, wohl interessant und macht sich gut in jedem Wandregal. Damit kann auch abseits des Spiels die Musik genossen werden.

Der Soundtrack von 'The Journey' wurde für einen Grammy nominiert.

Die Relevanz von Soundtracks in Videospielen wird immer wichtiger und bekommt seit längerer Zeit schon immer mehr Aufmerksamkeit. So war der Soundtrack des Spieles “The Journey” der erste, der für einen Grammy in der Kategorie Beste Filmmusik in einem visuellen Medium (bester Soundtrack) nominiert wurde. Austin Wintory, der sich für den Soundtrack verantwortlich zeigte und bereits für alle drei Spiele des Spielentwicklers thatgamecompany die Musik beisteuerte hat laut Wikipedia seit 2003 an mehr als 300 Songs gearbeitet und ist auch für den Score des aktuellen Spieles “The Pathless” verantwortlich. Gemein ist all diesen Spielen, dass sie auf einprägsame Weise den Protagonisten durch eine fantastische Welt streifen lassen ohne auf gestalterische Mittel von gesprochenem Text oder Dialogen zurückzugreifen, denn die Geschichte wird alleine durch die Musik und die opulente Grafik erzählt. Auch diverse Game Awards wie der Spike Video Game Award oder die bekannten Bafta Game Awards lassen das Genre schon längst nicht mehr in irgendwelchen Schubladen verstauben. Da gibt es zum Beispiel die Webseite Square Enix Music Online, die viele veröffentlichte Musikstücke und ihre Komponisten aufzählt und auch einen eigenen Award vergibt.

Das Nischendasein von Filmmusik und Spielesoundtracks war und ist für Fans schon lange kein Thema mehr, halten die Werke doch auch den Vergleich mit klassischen Kompositionen stand und sind in Punkto Qualität jenen nicht mehr unterlegen. Auch gegenseitige Kooperationen kommen in Mode. So nahm der Soundtrack des Egoshooters DOOM Anleihe an dem Sound von Metal Bands wie Metallica oder Slayer. Robert Prince’s Soundtrack definierte die Herangehensweise an Musik von Videospielen neu. Auch Bands selbst zeigen immer mehr Interesse daran, an einem Spielesoundtrack mitzuwirken. Auf Spotify gibt es eine eigene Playlist von Video Game Soundtracks und der Autor selbst kommt manchmal ins Schwärmen bei Musik von Videospielen, die vor allem mit besonderen Spiele-Erlebnissen meiner Jugend zu tun haben und sofort mit der damals erlebten Emotion verknüpft werden. So trage ich mein eigenes Repetoir an popkulturellen Erinnerungen mit mir herum, bis es beim Hören einer bekannten Melodie wieder ins Bewusstsein dringt. Diese Konnektivität erklärt vielleicht auch warum wir gewisse Melodien in unserem Gehirn stark mit (bereits erlebten) Bildern in Verbindung bringen können. Man denke an die Titelmelodie von Nintendo “Super Mario Brothers” oder der eingängigen Melodie von Tetris, die unzählig oft gecovert, zu einem Teil unseres kollektiven Gedächtnisses und somit Teil unserer Popkultur geworden sind.

Yorgos Lanthimos Filme wirken in der Nachbetrachtung

Yorgos Lanthimos

Nach einem Film des griechischen Regisseurs braucht man auch meistens eine Pause, wie man sie meist bei einem ausgelesenen Buch einlegt, bevor man mit dem nächsten beginnt. Denn Lanthimos hebt das eigene Niveau der persönlichen Bewegtbildbetrachtung. Seine Filme sind oft mit einem doppelbödigen schwarzen Humor ausgestattet, bei denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt oder man einfach wirklich lachen muß, da die Situationen in seinen Filmen so surreal daherkommen und das am laufenden Band. Die hölzernen Dialoge im Stil einer griechischen Tragödie aufgesagt und die statisch wirkenden Darstellerdarbietungen unterstreichen die Wucht der Ohnmacht mit denen Lanthimos seine Figuren in seinen Geschichten aufeinander prallen läßt. In seinen Filmen erwartet man praktisch immer eine weitere Deutungsebene, die man entdecken kann. Wenn man Filme von Yorgos Lanthimos sieht, dann möchte man danach kaum noch Filme, die nach klassischem Muster gedreht werden, anschauen. Denn bietet ein Film / eine Serie jene nicht ist man schnell von einem gewöhnlichen Plot gelangweilt. Oft mit Vorbildern aus der griechischen Mythologie behaftet, hinterlassen Filme wie “The Lobster” oder “The Killing of a sacred deer” den Zuschauer anfangs über das tragenden Motiv des Films im Dunkeln. Im Nachhinein betrachtet macht man jene Erfahrung, dass sich die Welt nicht so einfach in schwarz und weiß einteilen läßt, sondern es die Graubereiche sind, die Lanthimos in seinen Filmen Schicht für Schicht zum Vorschein bringt.

Während “The Lobster” als eine bitterböse Satire einer durch und durch verpartnerten Welt in der Zukunft angesehen werden kann, wo Singles innerhalb von 40 Tagen einen neuen Partner/eine neue Partnerin finden müssen, da sie ansonsten in ein Tier ihrer Wahl verwandelt werden, dreht sich in Lanthimos fünftem Spielfilm “The killing of a sacred deer” alles um die Frage von Schuld, mit der die Hautpfiguren des Films lernen müssen umzugehen, denn die Tragödie ist unumgänglich mit der Konsequenz des Handelns verbunden. Colin Farrell spielt einen Herzchirurgen, der aufgrund eines Behandlungsfehlers immer weiter mit seinem eigenen Unvermögen, die Menschen die er liebt zu schützen konfrontiert wird.

Szene in “The Killing of a sacred Deer”

Lanthimos, der in Athen geboren wurde lernte an der Stavrakos Film School das Regiehandwerk. In den 1990ern war er Regisseur bei verschiedenen Videos für griechische Tanztheater sowie für Werbefilme, Musikvideos und experimentelle Theaterstücke. Seine ersten drei Spielfilme “Kinetta”, “Dogtooth” und Alpis” wurden von der Kritik positiv aufgenommen, mit seinem ersten englischsprachigen Film “The Lobster” gelang ihm auch der internationale Durchbruch. “The killing of a sacred deer” und “The Favourite”, der die Zustände auf dem englischen Hof zur Zeit Königin Anne’s im 18. Jahrhundert porträtiert, untermalen das filmische Talent eines Regisseurs, der auch gern einmal für bekannte Modehäuser hinter der Fotokamera steht und Serien für Gucci oder der griechischen Vogue abliefert. Homepage von Yorgos Lanthimos