Kreisky ‘Atlantis’ – Album Review

Kreisky sind: Franz Adrian Wenzl: Stimme, Orgel, Synthesizer. Martin Max Offenhuber: Gitarre, Saz, Chor. Helmuth Brossmann: Bass, Gitarre, Chor. Klaus Mitter: Schlagzeug, Percussion.

Kreisky erzählen auf ihrem neuen Album “Atlantis” kleine Kurzgeschichten, die von ihrem Frontmann Franz Adrian Wenzl mal trocken mal leidenschaftlich rezitiert werden. Kreisky nehmen Anleihe am Alltäglichen, Banalen und heben es in erzählerische Weise auf ein neues Niveau wo sich das Böse und das Blöde, das Kluge und das Kitschige (wie im echten Leben!) stets sehr nah sind. Diese Überschneidungen werden auch musikalisch ins rechte Licht gerückt. „Atlantis“ ist die bis dato musikalisch wie textlich ausgefeilteste und vielseitigste Platte dieser österreichischen Band. Mal krautig, mal rockig brechen die Gitarren und das Schlagzeug über einen herein. Die “Großmeister des Grant” haben sich im deutschen Sprachraum eine feste Fangemeinde aufgebaut. Auch auf ‘Atlantis’ werden weder Hamburger Schule- noch Austropop- Schubladen im klassischen Sinn bedient. Zu schräg scheint der Soundkosmos dieser sich der skurrilen Poesie verschriebenen Band zu sein. Selbst, wenn man konzentriert zuhört, fragt man sich beim ersten Mal Hören des Albums mitunter, wo man da eigentlich gerade hineingeraten ist. Ein Poolbesitzer diagonstiziert dem Nachbarsjungen gleichmal “ADHS”. In der heimlichen Schmachthymne “Kilometerweit Weizen” wird schlußendlich ein Außerirdischer verprügelt.

In “Ein Fall fürs Jugendamt” klärt der Vater seinen Sohn gleichsam darüber auf, dass er es im Leben zu nichts bringen wird. So ehrlich muss der Vater leider sein. Der krautrockigste Track “Meine Zunge ist leer” wird von Wenzel’s Suche nach der Sprache im echohaften Raum auf eine 6 Minuten Nummer hochgesteigert. Noch auf keinem anderen Kreisky Album harmoniert das an tragischen Geschichten nicht arme Album besser mit der Musik der 4 köpfigen Band. Dafür zeigte sich auch der Ex-Bassist Gregor Tischberger als Co-Produzent und mehr als taugliches fünftes Rad am Wagen mitverantwortlich. Im letzten Lied “Wenn einer sagt” kann man auf die skurrile poetische Welt Kreisky’s auf das Banale anstoßen denn das Album endet ungewöhnlich stimmig und versöhnlich, erzählt von einer Welt in der der eigene Dreck schließlich nur einem gehört. Einem selbst. Dafür gibt’s eine dreckige Bewertung von 4/5 Sternen. ★★★★☆ Hörenswert. Am 13. 4. 2021 ist Kreisky (so es durch Covid 19 möglich ist) im Dom im Berg in Graz live zu erleben. Weitere Live Termine: 18.3. Dornbirn Spielboden | 19.3. Salzburg ARGE | 20.3. Linz Posthof | 14.4. Wien Rabenhof

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