Analogue Pocket – Retro Handheld

Der Analogue Pocket ist ein neuer Handheld, der alte Gameboy, Gameboy Advanced und Gameboy-Color Spiele abspielen kann. Es handelt sich um keinen Emulator und richtet sich deshalb in erster Linie an Leute, die eine dementsprechende Sammlung an Cartridges zuhause rumliegen hat. Des weiteren überzeugt der neue Handheld, der ab 3. August vorbestellt werden kann, durch sein 1600×1440 Pixel starkes, und 3,5 Zoll großes Display, einer integrierten Sequenzer- und Synthesizer Software namens Nanoloop, umfangreicher Konnektivität und seinem ansprechenden schmalen Design.

The Analogue Pocket is an upcoming FPGA-based aftermarket Game Boy, Game Boy Color, Game Boy Advance, Game Gear, Neo Geo Pocket, Neo Geo Pocket Color, and Atari Lynx designed and manufactured by Seattle-based company Analogue, Inc. The Analogue Pocket was designed as a tribute to portable gaming. It is compatible with the original Game Boy, Game Boy Color and Game Boy Advance cartridges out of the box. With cartridge adapters (sold separately) Analogue Pocket can play Game Gear, Neo Geo Pocket, Neo Geo Pocket Color and Atari Lynx game cartridges. It supports every region of game cartridge. It features a 3.5″ 1600×1440 LTPS LCD display.Kevin Horton engineered Analogue Pocket to run in an Altera Cyclone V with 100% accuracy. The device allows users to play via HDMI through a dock. The Analogue Pocket allows developers to create or modify games through the FPGA system. (Wikipedia)

Eine eigene Software-Hardware Schnittstelle (FPGA) soll es Spieleentwicklern auch erlauben neue Spiele für den Handheld zu entwickeln. Ein extra erhältlicher Dock erlaubt die Spieleausgabe per HDMI auf den eigenen Fernseher. Des weiteren läßt sich der Analogue Pocket auch durch gesondert erhältliche Catrtridge Adapter dazu erweitern, alte Game Gear, Neo Geo Pocket Color und Atari Lynx Spiele zu spielen. Ideal ist der Pocket wohl für Personen die eine alte, nie verkaufte Spielesammlung alter Handheld Systeme besitzt, vielleicht auch noch ein wenig Gefallen daran findet an Retro-Gameboy-Musik herumzuschrauben und das nötige Kleingeld hat. Der Handheld ist für 199,- Dollar (ca. 170,- Euro) gelistet und wird vorraussichtlich ab Mai 2021 ausgeliefert.

Lightning Dust “Material Life”

Lightning Dust haben letztes Jahr mit ihrem vierten Longplayer-Album “Spectre” die Messlatte für Indie Alternative Songwriting hoch angelegt. Die Stimme von Amber Webber und die Instrumentierung von Joshua Wells haben mich auf die Band aufmerksam gemacht. Das Duo aus Vancouver hat nun in Corona Zeiten am 23. Juli 2020 eine EP auf dem Label Western Vinyl veröffentlicht.

Lightning Dust – the duo comprised of Amber Webber and Josh Wells – tends to thrive in the spirit of change. 2007’s self-titled
debut was a hushed, intricate folk affair, while 2009’s Infinite Light
found a middle ground between Suicide and Fleetwood Mac era pop. So when
they geared up to make the music that would become Fantasy, the pair
was looking for a new sonic stamp.
(Bandcamp)

Der Song “Material Life” (s. Video) klingt als würden die beiden während einer Autofahrt eine Pause an einem Motel einlegen, die Synths und Gitarren auspacken und dem Leben auf der Straße einen maßgeschneiderten Song anlegen. Der zweite Track “Busted Minds” ist für mich der eigentliche Höhepunkt der EP. Ein Schlagzeugrythmus peitscht die Nummer “straight forward” zu einem Höhepunkt der Wiederholung in der die Stimme von Amber Webber sich mit hochschraubenden Synthlines messen muß.

Die beiden Titel geben einen Vorgeschmack auf kommende Veröffentlichungen des Duos, welches sich immer wieder Gastmusiker einlädt und seit 2007 besteht.

Blizzards – Nathan Fake

Nathan Fake erschließt sich auf dem bereits am 3. April 2020 veröffentlichten Album “Blizzards” jene treibende Energie, die er persönlich nur bei seinen Live – Auftritten oder beim unverbindlichen Jammen im Studio erfährt. Wie auf der EP “Sunder” (2018) sind die meisten Tracks des aktuellen Albums in einem “Take” aufgenommen. Manche Songs wurden in der Postproduktion noch bearbeitet, aber man merkt dem Album die Reduktion auf ein paar wenige Hardwaregeräte an.

Diese erfrischende Herangehensweise steckt der englische Klangkünstler, der schon auf Labels wie Ninja Tune reussierte, 1:1 in ein elektronisches Klangkostüm, das einem kalten postapokalyptischen Dark Rave gleicht. Nathan Fake, der mit bürgerlichem Namen wirklich so heißt, gräbt sich dabei unaufhörlich in die Tiefen seiner Instrumentierung hinein und schöpft durch diese selbt auferlegte, kreative Limitierung aus dem Vollen.

Roughe Beats, reverbverhangene Synth Arangements, ein bißchen dosierte Distortion Effekte da und dort und der ihm zugrunde liegende Drang den Vibe der Nummern nach vorne zu peitschen erhebt sich zu einer eklektischen Klangsynthese, die keinen Song zurückläßt. Nicht umsonst wurde “Blizzards” von der Presse als sein bislang ausgereiftestes und bestes Album bewertet. “Blizzards” erschien auf seinem eigenen Label “Cambria Instruments” und läßt einen die Intensität beim Hören des Albums selbst erleben.

Protomartyr – “Ultimate Success Today”

“Ultimate Success Today” könnte Protomartyr’s letztes Album sein. Jedenfalls ist das fünfte Album der Band aus Detroit, Michigan wohl ihr meist gereiftes. Die Liebe zum Genre Post Punk, Saxophon Einlagen, die Stimme von Joe Casey, der poetische Rhythmus der Band war noch nie so Up-to-Date wie zur aktuellen Zeit. Casey, der zu Beginn von Protomartyr aufgrund des Todes seines Vaters den Wunsch verspürt hat in einer Band zu spielen, scheint Abschied zu nehmen. Im letzten Track des Albums “Worm in Heaven” heißt es:

I did exist, I did

I was here,

I am

And what I left behind

Never be the simple kind

Leicht gemacht haben es sich Protomartyr als Bandkonglomerat mit John Casey als Frontman nie, aber über die Zeit haben sie sich ein Fanbase aufgebaut die Zeugnis darüber ablegen konnte, wie die Band von Release zu Release weiter gereift ist. “Ultimate Success Today” ist am 17. Juli 2020 bei Domino Records erschienen. Zum Albumrelease gab es für eine gewisse Zeit auf der Webseite der Band eine visuelle Videozusammenfassung des Albums zu sehen. Es handelte sich dabei um einen Kurzfilm in dem die Band in Corona Zeiten für jeden Song ein Video gedreht haben.

Ilun – The Odd Cut

Ilun “The Odd Cut” ist dieses Jahr beim österreichischen Label Teratogen erschienen. Das Album, welches bereits 2019 von der Band aufgenommen und in kleinen Stückzahlen selbst veröffentlicht wurde, unterstreicht das Können der dreiköpfigen Band aus Graz. Noiserock/Postrock und seine vielfältigen Nuancen werden von der Band gekonnt aufgegriffen und spielerisch werfen sich die drei Musiker gegenseitig den Ball zu, dass es eine Freude ist ihren musikalischen Arrangements zu folgen. Ein Genregeheimtip für Freunde von MusikerInnen und Bands wie Sleep, Melvins, Boris, Sun O))) und all jenen die unter harter Gitarrenmusik mehr verstehen als es die gängige Heavy Metalschublade zuläßt.

–––––     –––––

Ilun is a three member band from Graz/Austria. They re-released their first album “the odd cut” at the “Teratogen” label. The mixture of postrock and noise elements and their complex arrangements from guitar, to bass and drums is a trademark of the band. Friends of bands like Sleep, Melvins, Boris and Sun O))) will find their pleasure moments with this 10 track release from 2019. Labelowner Max Winter of “Teratogen”, a small label from Graz, was a fan of the band from their first concerts on and now they have released the album with two bonus tracks at “Terratogen”.

The Green Frontier – Serie auf Netflix

The Green Frontier erzählt die Geschichte einer Ermittlerin die im Amazonas Gebiet die Morde an vier Frauen einer christlichen Missionarskirche aufklären soll. Gleichzeitig kehrt sie an ihren Geburtsort, den sie als kleines Kind verlassen hat, zurück und stellt sich unter anderem mit all ihrer Kraft gegen ein korruptes lokales Polizeisystem. Sie gerät mit der Zeit immer tiefer in ein rätselshaftes Mysterium, das seinen Ursprung in den Tiefen des Amazonas zu haben scheint.

When a young Bogotá-based detective gets drawn into the jungle to
investigate four femicides, she uncovers magic, an evil plot and her own
true origins. (Netflix)

Diese auf Netflix veröffentlichte Miniserie besticht durch die Charakterstärke der Darsteller*innen und einem Plot der Schicht für Schicht dem Geheimnis der Todesfälle näher kommt, während die Hauptdarsteller immer stärker mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert werden. Vor allem die starke Rolle der Ermittlerin Helena Poveda wird von Juana del Rio
mit viel Hingabe verkörpert und auch Nelson Camayo, der einen innerlich zerissenen Polizisten darstellt wird mit Fortdauer der Serie zu einem immer symphatischeren Charakter.

5/8erl in Ehr’n – Yeah Yeah Yeah Album Review

Poetisch sind sie. Und politisch sowieso. 5/8erl in Ehr’n sind eine Wiener Soul Band. Wobei der Soul der Gruppe, die bereits vier mal den Amadeus Award in der Kategorie World/Blues gewinnen konnten, in einer facettenreichen Instrumentalisierung fußt. Darüber streuen Max Gaier
& Bobby Slivovsky seit 2006 ihren poetischen Gesang. Die Band schafft es auf ihrem siebenten Album so frisch und unverbraucht daherzukommen, dass das Hören ihrer Nummern eine Wonne ist. “Yeah Yeah Yeah” der Titel ihres aktuellen Albums könnte auch eine neue politische Kaste hervorbringen. Menschen die anderen Menschen nichts neidig sind, die in der Blumenwiese liegen, über eine Freundin namens “Jessica” sinnieren und ihren “Vaporizer” allzeit bereit halten. “Yeah Yeah Yeah” ist dann vielleicht ein Lebensgefühl, eine Art zu denken und zu handeln, auch wenn sich die Band manchmal in ihrer basisdemokratischen Herangehensweise beim Musizieren auch mal in die Haare kommt. Alles wird gut. Ahem. Alles ist gut. Zusammen mit Bands wie Wanda und Bilderbuch stehen sie für ein neues Selbstverständnis der österreichischen Musikkultur. Ab Herbst sind sie wieder auf Tour durch Österreich.

Khruangbin – Mordechai

Khruangbin’s aktuelles Studioalbum “Mordechai” ist eine kleine erweiterte Reise in den Soundkosmos des texanischen Trios wert. Beim Hören überschreitet man manche geografische, politische Grenze mit Leichtigkeit und ist dabei mit einer Art Frohsinn ausgestattet, der den verzauberten melodischen Korpus der Band widerspiegelt. Neu dazu gekommen sind chorale Vocals ohne dem typischen Strophe-Refrain System der Bassistin Laura Lee.

“Zehn neue Songs haben Khruangbin dafür im eigenen Farmhouse Studio in
Burton, Texas eingespielt, in denen sie diesmal klangliche Einflüsse aus
Pakistan, Korea und Westafrika hörbar machen. Außerdem, und das ist ein
Novum für die überwiegend instrumentale Band, steht bei fast jedem Song
auf »Mordechai« der Gesang im Vordergrund.” (jpc.de)

Khruangbin, was auf thailändisch soviel wie Flugzeug bedeutet ist eine Metapher an sich. Landet man doch mit dem Sound von Khruangbin einmal in Mexiko und befindet sich bei der nächsten Nummer in Afrika oder Thailand. Die Vermengung der Style ist sich Khruangbin auch bei Mordechai treu geblieben, dennoch zerfranst das Album in manchen Abständen in eine Art Dauerschleife des Banalen, was KritikerInnen gerne mit dem Totschlagargument “Fahrstuhlmusik” abtun. Dennoch hat auch Mordechai seine starken Elemente und die Band ist sich ihrem Stil durchaus treu geblieben. Das psychodelische Artwork des Albums stammt aus der Feder von Bassistin Laura Lee und dem Grafik- und Sound- Designer Nathaniel David Utesch. Veröffentlicht wurde das Album bei dem Indie Label Dead Oceans am 26. Juni 2020 und Khruangbin avanciert mit ihrem 4. Studioalbum vom Geheimtip zum Festivalheadliner, falls es momentan Festivals geben würde. Aber rechtzeitig für die Sommerplaylists dieser Welt öffnen Khruangbin die Tore zu ihrem texanischen Soundtempel und die Band läßt uns bei Nummern wie “Pelota” oder “So we won’t forget” von einer Welt wegschlummern, die scheinbar immer mehr aus den Fugen gerät und das nicht nur wegen Covid-19. Ein Album, dessen Besonderheit sich wahrscheinlich auch erst nach mehrmaligen Hören einstellt.

Goat Mumbles – Super Infinity

Robert Grote, Bandleader von “The Districts” lieferte hier im Jahr 2019 ein hörenswertes elektronisches Soloalbum unter seinem Synonym “Goat Mumbles” ab. Geschmeidig ineinander verwobene Instrumentalstücke werden durch seine falsetto Stimme zu einer hymnischen “Melange á solo” vermengt.  “Super Infinity”’s Stärke liegt in der ausgewogenen Mischung von tanzbaren Dance Nummern wie “Stag” oder doch rockig angelegten Arrangements wie bei “The Light”, die den Groove des Albums aber niemals einzementieren. Folk trifft auf Drummachine Patterns, Gitarrenriffs driften in die scheinbare Endlosigkeit ab. Synth Pop der nachdenklichen Art gibt es doch etwas zu selten. “Super Infinity” ist Dreampop ohne jemals den Kontakt zum Boden gänzlich zu verlieren, finden die Melodien doch einige Meter über dem Boden zu ihrer eigentlichen Stärke. Mitschweben erlaubt und erwünscht. Keith Abrams der auch bei “The Districts” hinter den Kulissen mitmischt, hat auch dieses Album mitproduziert.

Rob Grote (of The Districts) recently shared a new album under the moniker of Goat Mumbles.
The firdt song of th album “Stag” occupies a shadowy, synthwave spectrum. A progressive,
percussive groove shimmers in the moonlight, creating a mysterious,
lonely dance track. The song seems to be invitation to a prospective
companion, as Grote’s vocals suggest a hypothetical future. The longing,
semi-spoken deliver is contrasted by the warmth and brightness of his
falsetto, introducing a different perspective of the artist’s musical
talents.
(The deli magazine)