Aus der Spur – Éric Cantona auf Rachefeldzug bei Arte

Donnerstags, das heißt seit geraumer Zeit eigentlich immer Seriengenuss bei Arte. Netflix kann an diesem Tag warten, denn bei dem deutsch-französischen Sender werden europäische Serien gezeigt, die sich aufgrund erzählerischer Tiefe und dramaturgischer Finesse oft derart vom Massengeschmack á la Hollywood und Co. abheben, dass es eine Freude ist.

Diesmal führt uns der Regisseur Ziad Doueiri und sein Hauptdarsteller, der ehemalige Fußballprofi Éric Cantona in einen Klassenkampf, der französischer gar nicht sein kann. Cantona verkörpert in den sechs einstündigen Folgen der Serie den mit-fünfziger Alain Delambre, der seit 6 Jahren auf Arbeitssuche ist und von kleinen Nebenjobs lebt, während sich die Rechnungen in der Wohnung des Protagonisten zur Decke stapeln. Mitertragen müssen seine immer öfter auftretenden Jähzornausbrüche sein Frau (Suzanne Clément) sowie seine beiden erwachsenen Töchter, die bereits ausgezogen sind. Die finanziell angespannte Situation der Delambres wird durch die Tatsache einer noch nicht zur Gänze abbezahlten Wohnung verstärkt. Ruhige Kamerfahrten zeigen das Eigenheim, welches einmal der ganze Stolz des Ehepaars war und in der ihre beiden Töchter aufgewachsen sind in ruinösem weil verschimmelten Zustand.

Während also die Ehe und das Verhältnis zu den Töchtern mehr als strapaziert ist, entdeckt seine Ehefrau eine Anzeige zu einer Stellenauschreibung in der Zeitung, die Alains Interesse weckt, auch wenn die Aussicht auf Erfolg vom deprimierten Familienvater in Frage gestellt wird. Dennoch, die erste Bewerbungsrunde läuft gut und Alain ist weiter im Rennen und zu vielem gewillt um den Job als Personalvermittler des franzöischen Luffahrtkonzerns Exxya zu bekommen. Das Unternehmen will in absehbarer Zukunft 1250 Stellen abbauen und sucht dafür eine stressressistente Führungsfigur, die Alain in einer fingierten Geiselnahme, bei der Top-Manager des Konzerns auf ihre Stressresistenz getestet werden sollen, herausfiltern soll. Alain soll die fingierten Geiselnehmer via Funkverbindung bei der Befragung der 4 ManagerInnen anleiten. So ist der verzweifelte Alain sogar gewillt für die Vorbereitung zum Rollenspiel seiner schwangeren Tochter 25.000,- Euro abzuluchsen um damit einen eigens engagierten ehemaligen Elite Polizisten für seine peniblen Recherchen der MangerInnen anzuwerben. Als er jedoch erfährt, dass seine Aussichten auf Erfolg diesen Job wirklich zu bekommen eher aussichtslos sind, entscheidet er sich dazu das Rollenspiel zu seinen Gunsten zu drehen und eine fingierte Geiselnahme als Manager-Auswahlverfahren gerät außer Kontrolle…

Trailer in französischer Sprache

Die Serie basiert auf dem Roman ‘Cadres noirs’ von Pierre Lemaitre, der auch, zusammen mit Perrine Margaine, Drehbuchautor der Serie war. Der libanesisch-französische Regisseur Ziad Doueiri hat mitunter lange als Kameraassistent bei Quentin Tarantino gearbeitet, bevor er mit eigenen Filmen für Aufsehen sorgte, zuletzt mit „Der Affront“, der an einer Beiruter Fehde die Eskalationsspirale von Vorurteilen und Gewalt durchexerziert. Das französische Sozialdrama, das zwischen Thriller, Familiendrama, einem Gefängnisdrama und einem Justizthriller hin und her wechselt wird jeweils im Dreierpack am 23. und 30. April bei Arte ausgestrahlt. Daneben werden sämtliche Folgen auch vom 16. April bis zum 14. Mai 2020 online abrufbar sein.

Link: Aus der Spur – Arte | Headerfoto: © Stephanie Branchu/arte

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