Crossing Europe – Extracts – Video on Demand

Da sich das kulturelle Leben und somit auch der Kinobesuch derzeit über das Internet in die eigenen vier Wände verlagert, präsentiert CROSSING EUROPE ab 21. April einen Monat lang zehn aktuelle europäische Spiel- und Dokumentarfilme aus allen Sektionen des Hauptprogramms 2020 als Streamingangebot für das österreichische Publikum. Als Portale konnten dafür der „KINO VOD CLUB – Kino für zuhause“ und unser langjähriger VoD-Partner „FLIMMIT“ gewonnen werden. Auf beiden VoD-Plattformen können alle zehn Titel zum gleichen Preis gestreamt werden.

Lebendig, kreativ, weltoffen, vielsprachig, kritisch und divers hätte sich der diesjährige Festivaljahrgang präsentiert – stellvertretend dafür stehen die zehn Filme des EXTRACTS-Streamingangebots, die in zehn verschiedenen europäischen Ländern spielen und zu einer lustvollen virtuellen Reise quer durch ganz Europa einladen. Bei den Spielfilmen darf sich das Publikum auf eine französische Alternative zum Superhelden-Mainstream, ein farbenprächtiges Jugenddrama mit Bollywood-Elementen, ein freches Roadmovie aus Bosnien, einen nervenaufreibenden Heimaturlaub bei der „lieben“ Familie und auf zwei starke Heldinnen freuen, die eine beweist sich als toughe Alleinerzieherin in Spanien, die andere meistert den gefährlichen Kriegsalltag in der Ostukraine. Bei den Dokumentarfilmen findet eine griechische Dorfgemeinde mit selbstgemachter Tomatensauce den Weg aus der Wirtschaftskrise und eine Gruppe von jugendlichen „Systemsprengern“ den Weg ins Erwachsenenleben. Außerdem, eine DIY-Doku über die Studierendenproteste an der CEU in Budapest gegen die Orban-Regierung und für Musikaffine wird ein spannendes Konglomerat aus Sound und Vision über die Geschichte elektronischer und experimenteller Musik aufgeboten.

SPIELFILME im VoD Angebot:

– L’ANGLE MORT / BLIND SPOT 
  Patrick Mario Bernard, Pierre Trividic, FR 2019, 104 min, OmeU

Das von Superhelden überfüllte Blockbuster-Kino unserer Tage bekommt Arthouse-Konkurrenz: Der Pariser Dominick kann sich unsichtbar machen, seit er ein Baby ist. Mit dieser Fähigkeit kann man natürlich Nachbarn ausspionieren, in diesem Fall eine wunderschöne blinde Musikerin. Doch mehr als um die Erforschung übernatürlicher Kräfte geht es dem Regie-Duo Bernard und Trividic um das in noireskes Licht getauchte, persönliche Drama eines musikbegabten Mannes in der Midlife-Krise. Selten hat man Paris melancholischer gesehen – und selten so real. (Roman Scheiber)

LA HIJA DE UN LADRÓN / A THIEF’S DAUGHTER 
  Belén Funes, ES 2019, 102 min, OmeU

Greta Fernández ist eine Entdeckung. In Belén Funes’ starkem Debüt gibt sie gibt sie an der Seite ihres in Spanien berühmten Vaters Eduard Fernández die Titelheldin Sara. Sara musste früh erwachsen werden, ist eine „street-smarte“ Jungmutter auf der untersten Stufe der sozialen Leiter und kämpft nun um das Sorgerecht für ihren 7-jährigen Halbbruder – da kehrt der Padrone nach Barcelona zurück. Was Naturalismus und Empathie betrifft, lassen die Dardennes grüßen, doch Fernández gibt dem Film einen höchst erfrischenden Touch. (Roman Scheiber)

IVANA CEA GROAZNICA / IVANA THE TERRIBLE
  Ivana Mladenović, RO/RS 2019, 89 min, OmeU

„Some sort of Balkan family gone wild“, nennt die in Serbien aufgewachsene, in Rumänien lebende Ivana Mladenović ihre psychotherapeutische Komödie. Autobiografischer Ausgangspunkt: eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Darsteller: die semifiktionale Familie und Freund*innen der Künstlerin. Genesen soll die gestresste Schauspielerin in ihrem Heimat-Touristenort Kladovo an der Donau, dessen „Bridge of Friendship“ Serbien mit Rumänien verbindet. Doch anstatt das Gesicht des lokalen Volksmusikfestivals zu werden oder zu heiraten, hat sie eine Affäre mit einem 13 Jahre jüngeren Serben – schreckliche Ivana! (Roman Scheiber)

– PARWARESHGAH / THE ORPHANAGE
  Shahrbanoo Sadat, DK/DE/FR/LU/AF/QA 2019, 90 min, OmeU

Afghanistan, Anfang der 1990er Jahre: Der 15-jährige Quodrat lebt in Kabul auf der Straße. Als er auf dem Schwarzmarkt überteuerte Kinotickets verscherbelt, wird er kurzerhand von der Polizei in ein von den Sowjets geführtes Waisenhaus gesteckt. Dort setzen besonders die Älteren dem Neuankömmling zu. Während sich rund um Quodrat die politische Lage zuspitzt, die postsowjetische Regierung die Kontrolle über Afghanistan verliert und die islamistischen Mudschaheddin ihre Herrschaft ausbauen, träumt er sich fort in die heile Welt seiner geliebten Bollywood-Filme. (Sabine Wimmer, YAAAS! Young Programmer 2020)

TAKE ME SOMEWHERE NICE
  Ena Sendijarević, NL/BA 2019, 91 min, OmeU

Der Titel legt es nahe: Schön soll es sein, das Leben – wie das im Detail aussehen soll, ist der jungen Alma jedoch noch nicht so ganz klar. In ungewöhnlichen Kameraeinstellungen und zeitgenössischer Foto-Ästhetik begleiten wir sie auf ihrer Reise nach und durch Bosnien, wo sie, bald mit nicht mehr als dem Smartphone ausgerüstet, ihren sterbenden Vater ein letztes Mal besuchen will. Cousin Emir und dessen Kumpel Denis sind Alma auf ihrer Sinnsuche mal mehr und mal weniger hilfreich. (Jakob Dibold)

ZABUTI / THE FORGOTTEN
  Daria Onyshchenko, UA/CH 2019, 105 min, OmeU

Mühevoll gestaltet sich das Leben für die Menschen von Luhansk, gelegen in einer jener Regionen der Ukraine, die unter der Kontrolle prorussischer Separatist*innen stehen. Auch eine junge Lehrerin spürt die Auswirkungen im Alltag, die von Internetausfall bis hin zur Willkür der Soldateska reichen. Als sie sich für einen jungen Mann einsetzt, der wegen des Hissens der ukrainischen Flagge verhaftet wird, ahnt sie nicht, dass sie zwischen die Fronten gerät. Ihr individuelles Schicksal wird dabei zur Parabel für einen brutalen Konflikt, der immer noch mitten in Europa andauert. (Jörg Schiffauer)

DOKUMENTARFILME

OTAN O WAGNER SINANTISE TIS NTOMATES / WHEN TOMATOES MET WAGNER 
  Marianna Economou, GR 2019, 72 min, OmeU

Können Dokumentarfilme Spaß machen? Marianna Economou beweist, dass das geht. Zwei findige Cousins aus dem kleinen griechischen Dorf Elias tun sich mit einigen älteren Damen des Ortes zusammen, um Tomaten zu züchten und diese in Gläsern mit Reis und Gewürzen als Original-Bio-Produkte in die ganze Welt zu exportieren. Zunächst muss einiges herumprobiert werden, bevor alles passt, aber dann ist der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten – möglicherweise auch deswegen, weil die Tomaten, während sie auf den Feldern heranreifen, mit der Musik Richard Wagners beschallt werden. (Andreas Ungerböck)

ROTJOCHIES / PUNKS
  Maasja Ooms, NL 2019, 90 min, OmeU

Wenn Eltern und Sozialstaat nicht mehr weiter wissen: Eine Gruppe niederländischer „Systemsprenger“, halbwüchsige Jungen, die sich in keinen Sozialisierungsprozess mehr einfügen (lassen), sollen auf einem abgelegenem Bauernhof in Frankreich mit Hilfe einer freundlichen, aber kompromisslosen Betreuerin lernen, sich mit ihren beträchtlichen Aggressionen, Ängsten und Frustrationen auseinanderzusetzen – immer im Wissen um die Tatsache, dass der nächste Schritt in den Abgrund der geschlossene Jugendstrafvollzug ist. Ein aufrüttelnder und ehrlicher Film zu einem sensiblen Thema. (Andreas Ungerböck)

– THE SOUND IS INNOCENT  Johana Ožvold, CZ/FR/SK 2019, 68 min, OmeU

Johanna Ožvold erforscht in fünf Kapiteln die Ursprünge, Entwicklung sowie Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik. Die präsentierten unterschiedlichen Perspektiven werfen philosophische, ästhetische und politische Fragen nach der Wirkung von purem Sound oder dem Verhältnis von Komponistin, Maschine und Interpretin auf. Von den Anfängen der französischen Avantgardemusik bis zu Computer-generierten abstrakten Klanglandschaften der Gegenwart wird ein spannendes Konglomerat von Sound und Vision erzeugt. (Günter Pscheider)

SZABAD EGYETEM / THE FREE UNIVERSITY 
  Jonathan Hunter, Lucie Janotová, HU 2019, 54 min, OmeU

Schier unmögliche Herausforderungen erwarten dieser Tage in Ungarn unter anderem auch Studierende: Die liberale, von Milliardär und Philanthrop George Soros gegründete Central European University in Budapest wurde der Orban’schen Regierung ein Dorn im Auge. Szabad Egyetem begleitet die Widerstand leistenden, aktivistischen Studierenden bei ihrem Kampf für den Verbleib ihrer Universität. In Zelten am Lajos-Kossuth-Platz vor dem Parlament entfalten sich Hoffnungen, Diskurs und Zusammenhalt. (Jakob Dibold)

FLIMMIT ist die Video-on-Demand Plattform des Österreichischen Rundfunks und ein langjähriger Partner von CROSSING EUROPE. Über die letzten Jahre hinweg wurden so zahlreiche europäische Festivaltitel in der CROSSING EUROPE-Kollektion dem österreichischen Publikum zugänglich gemacht. #streamenaufösterreichisch www.flimmit.com |

Bei der Filmleihe im KINO VOD CLUB geht ein Drittel des Ticketpreises an das jeweils ausgewählte Programmkino. Somit kann man aktiv unsere Kinomutter Moviemento unterstützen. #einsaalbleibtoffen www.vodclub.online |

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