Vladislav Delay – Rakka | Cosmo Rhythmatic

Wenn jemand gerade den Soundtrack für die Bedrohung durch den Klimawandel abgeliefert hat, dann wahrscheinlich Vladislav Delay. Der finnische Musiker der mit bürgerlichem Namen Sasu Ripatti heißt veröffentlicht seine eher ambienten, von Wiederholung gepägten Musikstücke unter jenem Synonym. Nach fünfjähriger Kreativpause meldet er sich nun mit dem Album “Rakka” zurück und Sasu Ripatti scheint über den Zustand der Welt traurig und wütend zugleich zu sein. Geprägt durch eine Reise in die arktische Tundra und den Eindrücken einer aus den Fugen geratenen Welt reichert er seine minimal strukturierten Ambienttracks diesmal mit harschen, in ein Industrialgewand geworfene Noisesounds an.

Diese sphärische Übereinkunft von getriggerten technoid anmutenden Parts, die manchmal danach klingen als hätte sich beim Schreiben eines Textes die Feststelltaste der Tastatur verklemmt und sich darauf die Buchstabensuppe am Bildschirm verselbstständigt prägen das aktuelle Album. Die sonst so von ihm gewohnt ruhigen, und ausgewogenen Arrangements seiner Ambienttracks werden hier durch die harschen Industrialsounds konterkariert, vielleicht sogar bekämpft und klingen nach einer Naturgewalt oder nach Aufnahmen eines in den Wind gehaltenen Mikrofons. Eine versöhnlichere Note scheint erst am Ende des Albums gegeben. Und obwohl beim ersten Hören des Albums man den neuen verwobenen Nuancen des Schaffens von Vladislav Delay ausgeliefert scheint, wird man zugleich immer wieder von den tragenden Elementen des Noise- und Ambientsounds und den ausgeklügelten Arrangements aufgefangen. Man kann die Wut nachvollziehen, man spürt beim Hören des Albums förmlich eine karge, eine einem feindlich gegenüberstehende Landschaft um sich herum. Vladislav Delay unterwirft sich selbst seinen Gegebenheiten und vielleicht liegen da auch die teilweisen Schwächen des Albums, das immer wieder auch auseinenderzudriften scheint und jene brachialen Sounds manchmal dafür herhalten müssen den Rest des Albums wie Fugenkitt zusammenzuhalten. Fans von Vladislav Delay werden sich für das Album begeistern können, eingefleischte AmbienthörerInnen können sich wahrscheinlich auch mit dem Album anfreunden, der Rest muss sich wohl in eine Klangwelt des Künstlers erst einhören. Für den ersten Zugang zu Vladislav Delay’s Musik würde ich das 2001 erschienene One-Track Album “Anima” empfehlen (Label Mille Plateaux) Auch das von Bands wie “Animal Collective” gefeierte Album “Multila” eignet sich zum Herantasten an die Soundästhetik eines Vladislav Delay.

/// Headerfotografie: Vladislav Delay (Foto: Csaba Brindza)

Vladislav Delay – Rakka

Das Album “Rakka” ist bei dem Berliner Label Cosmo Rhythmatic am 27. Februar 2020 erschienen. Die auf 300 Stück limitierte Auflage des Albums auf Vinyl ist bereits vergriffen. So gibt es im Moment nur die Möglichkeit das Album auf Bandcamp oder den Stramingdiensten abzurufen.

Cosmo Rhythmatic

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