Bufiman “Albumsi” – Review

Geprägt von seinen ersten Vinyl Käufen auf Flohmärkten und von Soundtracks von Computerspielen aus den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts gehört Jan Schulte zu jener Generation von elektronischen Musikern die die Loveparade mit 10 Jahren im Fernsehen verfolgt hat. Nun selbst in seinen Mid-30ern angelangt, hat er unter seinem Synonym Bufiman auf dem holländischen Label Dekmantel am 20. Jänner sein Debüt Album “Albumsi” unter diesem Synonym veröffentlicht. Wonky Getrommel aus Düsseldorf.

Jan Schulte’s Einflüsse aus der Breakbeatkultur sind auch auf “Albumsi” nicht zu überhören. Er, der selbst im Düsseldorfer Club “Salon des Amateurs” gerne mal Jungle & Breakbeat Platten auf 33 Umdrehungen pro Minute zum Besten gibt ist mittlerweile ein vielgereister und gut gebuchter DJ & Musiker der in seinem eigenen “Wolf Müller Flanger Studios” an seinen Tracks bastelt. Seinem Gefühl für Rhythmus und Schlagwerk ist Jan Schulte über seine vielen Aliase hinweg treu geblieben und auch “Albumsi” rythmusgetriebener Breakbeat der gerne mit eigenen einzelnen Drum-Sounds kreiert wird steht in dieser Tradition. Dabei wollte Jan Schulte und seine DJ-Komparsen aus dem Düsseldorfer Club einfach die monotone Minimal Techno Auflegschiene durchbrechen, denn die klassische Beschallung mit generellen 120 BPM über einen ganzen Abend hinweg ging den Protagonisten des Clubs gegen den Strich. Für Schulte ist dieser Ausbruch aus den festgefahrenen Hörgewohnheiten des Clubpublikums nicht nur in Düsseldorf gelungen, beschreibt er doch die derzeitige Clubkultur als freier und verspielter als noch vor einigen Jahren.

“Albumsi” zeugt von dieser Einstellung zu Musik- und Clubkultur des jungen Musikers, der auch offen zugibt von Harmonielehre nicht viel zu verstehen und gerne auch mal Kollaborationen mit anderen Musikern eingeht, um der Monotonie der eigenen Herangehensweise ans Musikmachen neue, frische Elemente hinzuzufügen. Quasi, ein anderes Denken und eine andere Produktionsweise kennenzulernen. Auch wenn “Albumsi” Jan Schulte und nur Jan Schulte beinhaltet, so hört man diese verschiedenen Einflüsse auch auf dem Album. Der Introtrack “Galaxy” ist eine krautige Verneigung vor der Blütezeit des Genres und startet mit den Vocals “Welcome / to my galaxy / of snare drum samples / full of emotions”. Dieser vorweggenommene Gestaltungswille geht auch den folgenden Tracks nicht verloren. Der Breakbeat sitzt einem dabei immer in den Gliedern ohne aufdringlich zu sein. Seine Tracks haben schon gerne mal 13 Minuten Länge und trauen sich auch langestreckte rythmusbefreite Breaks zu beinhalten. Der Track “Apo-Calypso” kommt dann wie eine Breakbeatversion eines Miami Vice Soundtracks daher und ja man darf sich beim Hören des Albums schon mal die Frage stellen, ob man dieses Klanggewand nicht auch von anderen musikalischen Schmuddelecken her kennt. Manchmal ist der Sound eben geläufig und droht auch in Richtung “Untermalung einer Werbeeinschaltung eine Free-TV Channels” abzudriften. Bufiman belehrt uns aber im Verlauf eines jeden der 10 Tracks eines Besseren und holt uns zurück in eine maßgeschneiderte Synth und Klangwelt aus Kindheitstagen.

“Schultes Sounds baut sich deutlich um die im heutigen Ohr gerade noch käsigen, aber durchaus revival-tauglichen japanischen Digital-Synthesizer der frühen Neunziger, inklusive künstlicher Panflöten und Orgel-Pads mit tonnenweise Chorus-Effekt.” Süddeutsche Zeitung

Gekonnt werden 80er und 90er Jahre Synthflächen mit liebevollen Klangwerk ausgestattet aus denen Jan Schulte eine musikalische Zeitreise gestaltet die anscheinend auch tief in den Genen meiner Generation verwurzelt ist. Das Album klingt aber nicht altbacken retro, bedient sich nur vieler bekannter Elemente, führt sie in ein “mehr nach Zukünftigem” zusammen und läuft bei Spex nicht umsonst in der Kategorie “Musik von morgen”. Bei Bufiman atmet die Musik ihre ganz eigene Luft, rockt auf angenehme Art das Haus, wie es einst Breakbeat Protagonisten wie “Red Snapper” oder “DJ Food” auf Ninja Tune in ähnlicher Sample-fokusierter Herangehensweise vormachten.

Bufiman “Albumsi” – Cover

Mit “Albumsi” ist Jan Schulte aka Bufiman ein sehr vielseitiges elektronisches Album geglückt. Die Veröffentlichung hätte schon im November des Vorjahres stattfinden sollen wurde aber nach hinten verschoben. Seit 20. Jänner ist “Albumsi” auf dem Label Dekmantel erschienen und kann über alle Streamingplattformen abgerufen werden. Jan Schulte liefert eine nostalgisch angelegte Zeitreise mit viel Mut und einem gewissen Grundvertrauen auf die Stärken der verwendeten Sound- und Songelemente ab. Vor kreativer Energie strotzend wird dem Hörer/der Hörerin einiges an Rafinesse auf dem achtzig minütigen Album geboten.

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