The Lobster – eine bitterböse Gesellschaftssatire

Manchmal zappt man sich so durch das TV – Programm und hofft darauf auf etwas zu stoßen, dass einen mitnimmt auf eine Filmreise und eine Geschichte entblößt die fesselnd ist. So ist es mir ergangen als ich unlängst bei Arte auf den Film “The Lobster” des griechischen Regisseurs Giorgos Lanthimos gestoßen bin. Eine absurde Geschichte, Menschen müssen sich innerhalb von 45 Tagen verpartnern, sonst werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt. So grotesk und sureal der Plot, so spannend und austariert sind Bilder und Dialoge des Films. Der schwarze Humor kommt nicht zu kurz und gerade deshalb hat mich der Film abgeholt und gewisse Passagen mich öfters zum schmunzeln gebracht.

Giorgos Lanthimos erzählt eine Geschichte von Einsamkeit und Verpartnerung im 21. Jahrhundert und nimmt dabei viele Apsekte und seine heutigen Auswüchse wie Speeddating, Online-Partnerbörsen und gesellschaftliche Vorstellungen von Liebe aufs Korn und mit dem vielschichtigen Stilmittel der Übertreibung schafft er mehr oder minder intime Momente in denen diese gesellschaftlichen Phänome gekonnt hinterfragt und ins Absurde geführt werden. So war der Hund des Hauptdarstellers David vormals sein Bruder, der aufgrund fehlender Verpartnerung zu eben jenen verwandelt wurde. Das Sittengesetz, das in einem namenlosen Hotel am Meer angewandt wird, ist simpel: Wer allein ist, hat sein Existenzrecht verwirkt. Wer jedoch einen Partner findet darf daraufhin wieder in die nahe gelegende Stadt ziehen. Es gibt eigentlich nur drei namenlose Orte an denen der Film spielt. Das Hotel am Meer, der Wald indem die abtrünnigen Singles leben und die Stadt in der Wachpersonal allein wirkende Personen schon mal näher unter die Lupe nehmen und nach dem Verbleib der besseren Hälfte fragen. Jeder Ort steht für eine gewisse Geiseshaltung und keiner von Ihnen wirkt gänzlich einladend oder sympathisch. Die Singles im Wald stehen genauso unter einem strengen Benimmkodex wie die Menschen im Verpartnerungshotel, mit ähnlich schlimmen Konsequenzen. Man schießt aufeinander, man flüchtet aus der Enge des einen Ortes und tauscht ihn mit den Verhaltensregeln des anderen. Es gibt Überläufer, mehr oder minder angepasste Individuen oder auch Spione mit deren Hilfe man versucht die andere Partei aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Colin Farell, der den Hauptdarsteller David spielt, ist eine eher langweilige Person jenseits der 40, der zu allem Überdruß von seiner Frau verlassen wurde und sich nun in dem namenslosen Hotel am Meer wiederfindet. Der Druck sich zu verpartnern steigt dabei so hoch, dass er sich bemüßigt fühlt sich mit einer extrem gefühlskalten Partnerin zusammenzutun und es ihr an innerer Kälte gleichzutun. Dies kann er solange aufrecht halten bis seine gefühlskalte Partnerin eines Tages seinen Bruder, den Hund, tötet und er daraufhin seine wahren Gefühle nicht mehr zurückhalten kann. In Panik von seiner Partnerin verraten zu werden betäubt er sie und flüchtet mit der Hilfe eines Zimmermädchens in den nahegelegenen Wald und wird dort Mitglied der abtrünnigen Singles. Dort verliebt er sich in die ebenfalls mit einer Sehschwäche versehenen Mitstreiterin, gespielt von Rachel Weisz, die bislang den Film mit ihrer Stimme aus dem Off begleitete. Irgendwie gelingt den beiden zum Ende des Films die Flucht, jedoch wird sie von der strengen Anführerin der Singles geblendet und verliert ihr Augenlicht. Das Ende des Films bleibt offen. Beim Frühstück in einer Raststation nähe der Stadt begibt sich David auf die Toilette um sich ebenfalls das Augenlicht zu nehmen. Dort endet der Film.

Der Film überzeugt mit seiner parabelhaften Art und entführt den/die Zuseher/in in eine nicht allzu entfernte Zukunft in der die bedingungslose Liebe zur einzig relevanten Bedingung wird. Die Liebe an sich gibt es nur mehr in einer vorgegebenen Form. Platz für echte Gefühle oder der Möglichkeit des anders-Seins und anders Wahrnehmens sind weder in der einen noch in der anderen Welt erlaubt. Ein strenger Kodex wacht hier wie dort. Die Liebe wird zu einer Verhandlungssache über den besten Kompromiss und der Film kann uns schon mal dort treffen wo es weh tut. Das Stilmittel der Übertreibung ist aber so gekonnt eingesetzt, dass man an bestimmten Stellen des Films einfach (auch) schmunzeln muss, denn bitterböse ist diese Parabel über heutige “Liebesnormen” allemal und die Hauptfiguren sind liebevoll gestaltet und von dem hervorragenden Cast auch bestmöglich umgesetzt. Prädikat: sehenswert.

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