MinaeMinae – Variante

Der Stuttgarter MinaeMinae verwebt auf seinem ersten Album gekonnt Elemente der Wiederholung und forciert eine metaphysische Auflösung seiner Tracks, die auch durch eine Indienreise des elektronischen Musikers und Multimedia-Künstlers geprägt wurde. Das Album ‘Variante’ welches am 1. November auf dem New Yorker Label Human Pitch veröffentlicht wurde, vereint sich wiederholende Elemente gekonnt mit minimaler Songstruktur und eröffnet dem Hörer/der Hörerin eine Klangwelt mit variantenreichem Spiel. So ist für den Musiker auch das Spiel an sich der Weisheit letzter Schluss, fand der Stuttgarter doch schon in seiner Kindheit mit Freunden gefallen an der Verwendung von Tape Recordern, Mikrofonen, und erstellte mithilfe von billigen Keyboards und einer frei verfügaren Multitrack-DAW erste Songs.

“When I make music, I try to stay in an intuitive flow. I try to play as a kid would. A child can play forever without becoming tired. There is no competition, no comparison, there is no direct purpose, no usability. The purpose is the game itself.” MinaeMinae

‘Variante’ eröffnet einen eine musikalische Reise die irgendwo zwischen der Minimal-Music eines Steve Reich und der verschrobenen Klangwelt von Four Tet angesiedelt ist. Aufgenommene Vogelstimmen umschwirren polyrythmische Drumsequenzen. Diese schwirren wiederum, durch Filterkurven zerlegt, wild durch den Raum. Zersetzen quasi eine Struktur des Songs, der erst durch seine Auflösung wieder an Kontur und Schärfe gewinnt. Wortkonstruktionen wie die Tracktitel ‘Anfuhrt’, ‘Leichtlich’ oder ‘Darlegung’ untersteichen den spielerischen Zugang zur Musik von MinaeMinae.

Gekonnt wird hier indirekt durch die Musik eine Auflösung des Zuordnens skizziert, die die Hörkanäle des Zuhörers/der Zuhörerin auf angenehme Art und Weise bereichert und umschmeichelt. Vielleicht fehlt es dem Album an gewissen Stellen an den gewohnten Ecken und Kanten, aber es verwebt gekonnt verschiedenste musikalische Einflüsse zu einem Guß. Der Blick durch das ‘innocent eye’ eines Kindes welches vom englischen Kunstkritiker John Ruskin in seinem Buch ‘Elements of Drawing’ (1857) erstmals beschrieben wird, eine Indienreise deren musikalischen Einflüsse ebenfalls in das Album eingeflossen sind und der Wille bei dem musikalischen Timbre des Albums durchaus einmal die Zügel aus der Hand zu geben, machen das erste Album von MinaeMinae meiner Meinung nach hörenswert.

Trackliste:
01. Vorwegnahme / 02. Darlegung / 03. Bramarbas / 04. Leichtlich / 05. Wahrlich / 06. Konjizieren / 07. Tumult / 08. Anfuhrt

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