Föllakzoid – I

Wenn etwas in Bewegung ist aber dennoch statisch erscheint und wenn eine Band aus Chile darauf bedacht ist die musikalische Struktur ihrer Musik von Album zu Album immer mehr aufzulösen, dann ist der Albumtitel und die Herangehensweise an das vierte Studioalbum von Föllakzoid eine logische Schlussfolgerung. ‘I‘ steht wie kein anderes Album davor für das Bestreben der Band alltägliche Hörgewohnheiten über Bord zu werfen und wenn man sich auf die vier Nummern des Albums (auf Platte wirken sie wie ein einziger Song) einlässt wird man mit einer hypnotischen Reise ins innere der Musik von Föllakzoid belohnt. Während die vorherigen Alben der Band in einem Take aufgenommen wurden zog sich die Arbeit an dem vierten Album über mehr als drei Monate hinweg. Die Bandmitglieder nahmen unabhängig/isoliert voneinander mehr als 60 verschiedene Songteile -sogenannte Stems- auf und schickten sie ihrem Produzenten, der das unbehandelte Material nach seinem Gutdünken zusammensetzen sollte.

The creative perspective of the band has always been about unlearning the narrative and musical knowledge that shape the physical and digital formats and conceptions available, both visually and musically in order to make a time-space metric structure that dissolves both the author and the narrative paradigms. Föllakzoid – Bandcamp

Föllakzoid wären nicht Föllakzoid, würden sie nicht wissen was sie da tun und mithilfe ihres Produzenten, bei dem es sich um niemand geringeren als Atom Heart oder Atom™ aka Uwe Schmidt handelt waren sie von Anfang an wohl in guten Händen. Der in Deutschland geborene und ebenfalls in Chile lebende elektronische Musiker ist für seine ausgeklügelten Arrangements bekannt, hat er doch bei seinem Projekt ‘Senor Coconut’ einen glauben lassen es handelt sich um eine klassische Band, während die Nummern alle eigenhändig am Computer entstanden und dort arrangiert worden sind.

Uwe Schmidt versteht es wahrscheinlich wie wenige seiner Zunft, einem solchen Experiment wie dem des Albums von Föllakzoid eine Tiefenschärfe in den Arrangements beizumengen, ohne sich dabei selbst als Produzent in den Vordergrund zu stellen. Getragen wird das Album, das stellenweise mehr an Techno als an Krautrock erinnert und dahingehend eine eigenartige Symbiose eingeht, von den zuvor aufgenommenen Gitarren und Synhtesizerfragmenten während das Schlagzeug danach klingt als wäre es am Computer neu zusammengestzt worden. Dieses stampft vor sich hin als würde es kein Morgen geben und ließe wohl auch das Herz eines Schlagzeugers vom Format eines Klaus Dinger höher schlagen. Darauf aufbauend entfaltet sich der musikalische Kosmos Föllakzoid’s besser und eindringlicher als man es eigentlich von einem Album dieser Art erwartet hätte.

Föllakzoid – Krautrock aus Chile

Man braucht vielleicht etwas Muse um sich diesem Album in seiner Tragweite zu nähern, lässt man sich aber auf diese Reise ein, kommt man beim Hören in einen immer tieferentspannten Allgemeinzustand, und die feinen Nuancen des Arrangements lassen einen eigenartigen Reifungsprozess des krautrockerdigen technoid gehaltenen Sounds entstehen. Dieses Fusionexperiment scheint ähnlich aufgegangen zu sein wie die Synapsen der HörerInnen dieses Albums und es zählt für mich zu einem der Besten des Jahres. Erschienen ist es bei Sacred Bones Records, einem Label, dem es an der nötigen Weitsicht nicht zu mangeln scheint. Datum des Releases war der 1. August 2019.

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