Das Internet ist 50 – Wohin geht die Reise?

Vor mehr als 50 Jahren, am 29. Oktober 1969 kommunizierten im US-Wissenschaftsnetz Arpanet erstmals zwei Computer miteinander. Das war die Geburtsstunde des Internets. Doch selbst der Transfer des Wortes ‘Login’ war nicht so einfach, stürzte der kühlschrankgroße Computer doch beim Buchstaben ‘O’ zunächst einmal ab. Ein paar Stunden später war es aber soweit: Ein Computer an der University of California in Los Angeles kommuniziert mit einem Computer der Stanford University bei San Francisco, über Betriebssystemgrenzen hinweg, wohlgemerkt. Die Stunde Null des Internets hatte geschlagen, ohne dass beteiligte Professoren oder Studenten dem Geschehen größere Aufmerksamkeit schenkten. Die Tragweite der Erfindung sollte den Beteiligten, im Gegensatz zur Mondlandung der Amerikaner, erst viel später bewußt werden.

Nach einigen weiteren Meilensteinen wie der Erfindung der Email, des TCP/IP Protokolls und des World Wide Web durch Tim Berners-Lee am Cern sowie der Einführung des ersten Webbrowsers durch das Institut wird auch die Universität Wien am 10. August 1990 an das weltweite Internet angeschlossen. Bevor ich 1997 maturierte kann ich mich noch erinnern wie wir in der Schule im Jahre 1996 im Informatikunterricht die erste Version der Schulhomepage online stellten und uns im Netscape Browser durch das Internet klickten. Wir hatten sogar einen Javascript-Code eingebaut um den Schriftzug der Schule in roten Lichtpunkten über den Bildschirm wandern zu lassen. Die Technologie war spannend und zog uns Oberstufenschüler magisch in ihren Bann.

erste Version der Homepage der NewYork Times, die am 22. Jänner 1996 online ging

Auch Bill Gates, für den das Internet anfangs nur ein ‘Hype’ war, mußte schnell erkennen, dass das Internet gekommen war um zu bleiben. 1998 ging die Suchmaschine Google online, Wikipedia ging 2001 ans Netz. 2004 folgte die Social-Media-Plattform Facebook und ein Jahr später die Videoplattform YouTube. Aber das Internet scheint noch lange nicht am Plafond seiner Möglichkeiten angelangt zu sein. Das Schlagwort Internet der Dinge (IoT), wie das Einbinden von Alltagsgegenständen wie Kühlschrank oder Glühbirne ans Internet genannt wird oder die Einführung von Bitcoin im Jahre 2009, einer digitalen Währung deren Betriebsstruktur auf der Blockchain-Technologie basiert und weitere Möglichkeiten zur Kommunikation unter Maschinen bereitstellt sind wohl die nächsten größeren Entwicklungen des Internets. Daneben wird mit der Einführung der 5G Technologie eine Echtzeitkommunikation zwischen Geräten möglich um neue Formen des Datenaustausches auf Gebieten der Medizintechnik oder z.B. der Automobilindustrie (Stichwort: Autonomes Fahren) zu ermöglichen.

Heutzutage stehen wir mit der Nutzung des Internets an einem Scheideweg. Große Internetkonzerne wie Google und Facebook nutzen unser Onlineverhalten um riesige Datenmengen von uns zu speichern und für Marketingzwecke einzusetzen. Daten sind das neue Gold des Internetzeitalters, die Digitalisierung wird Arbeitsplätze kosten und Überwachungsszenarien wie derzeit in China werden immer realer und in ihrem Ausmaß bedrohlicher. Die Vorherrschaft der großen Internetkonzerne, Google, Facebook, Amazon und Apple wird wohl noch einige Jahre bis Jahrzehnte andauern und die Auswirkung auf die Gesellschaft wie wir sie kennen wird radikal sein. Das Internet hat die Art und Weise wie wir miteinander kommunizieren drastisch verändert. Mehr als vier Milliarden Menschen auf der Welt nutzen das Internet. 81 Prozent der Menschen in den Industriestaaten sind im Internet unterwegs. Mithilfe von Smartphone & Co. ist man quasi immer und überall erreichbar. Das Internet ist also in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.

Wie es sich in Zukunft entwickeln wird, und wir mit ihm, hängt also auch stark von unserem Nutzungsverhalten ab. Klar ist, dass der gesellschaftliche Wandel in kleinen Schritten passieren wird aber man davon ausgehen kann, dass einige Science Fiction-ähnliche Szenarien doch bald Realität werden können. Die Prozesse des Internets werden sich zwar immer mehr im Hintergrund abspielen, die Präsenz des Internets wird aber umso größer sein, da es noch viele weitere Lebensbereiche einschließen wird. Ob die Bequemlichkeit der Nutzung uns eines Tages auf den Kopf fallen wird und wie wir mit der Nutzung immer größerer Datenmengen umgehen werden, sind Aspekte die man in ihrer gesamten Wirkung noch nicht abschätzen kann.

Buchempfehlung: ‘Übermacht im Netz – Warum wir für ein gerechtes Internet kämpfen müssen.’ Von Ingrid Brodnig, Brandstätterverlag. 208 Seiten.

Linkempfehlung: https://inrupt.com/ Das Startupunternehmen von Tim Berners Lee, der die Macht von Facebook einschränken will.

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