Ilun – The Odd Cut

Ausufernde, tiefer gestimmte Gitarrenriffs und eine abgerundete, in sich stimmige Instrumentalisierung. Das ist die Musik von “Ilun”, einer Band die gekonnt an dem schmalen Grad von Postrock zu Noiserock zu stehen vermag aber deren Musik sich nicht einzig und allein auf jene Genres reduzieren lässt. Zu vielschichtig ist der Soundkosmos, der einen beim Hören des Albums umschwirrt. Die dreiköpfige Band aus Graz, deren Bandname auf baskisch soviel wie “Im Schatten sein, Verborgen sein” bedeutet hat nun am 26. Oktober ihr erstes Album veröffentlicht. “The Odd Cut” lädt dazu ein, über musikalische Metal-Genregrenzen hinwegzudenken und bewegt sich wie ein Schatten, der einen beim Hören der Musik nicht mehr losläßt. Vieles spielt sich beim Musikhören auch im Verborgenen, Unbewußten ab, ein Stilmittel mit dem die Band gekonnt umzugehen vermag. Fallen lassen kann man sich auch bei den ausgeklügelten Arrangements einer Band, die ihre Grenzen stets auszuloten versucht und momentan wie kaum eine andere Band aus Graz vor allem auch live überzeugt. Musikmachen ist wie Malen, nur mit Noten statt mit herkömmlichen Farben und die Bilder, die “Ilun” in den Köpfen der Zuhörer hervorzurufen vermag sind intensiv, überlagert von mehreren kraftvollen Layern von Sound.

Der Introsong “Delay” hat einen melodischen Aufbau, während das Schlagzeugspiel gekonnt im Hintergrund dahinarbeitet um ab der zweiten Minute des Liedes den druckvollen Gitarrenpart gekonnt zu unterstreichen. Die englischen Vocals unterstreichen den riffkonzentrierten Mittelteil des Songs, der sich nach einem Break nochmals emporarbeitet. Bei “Fog” bilden die Gitarre (Jürgen Kahr) und der Bass (Fabian Lindner) gemeinsam eine musikalische Nebelwand und auch der Gesang tröstet einen nicht über die düstere Grundstimmung hinweg. Die tiefgreifende Gitarrenwand, die sich vor einem aufbäumt scheint unüberwindbar. Die drei Jungs mögen es, wenn sich Gitarrensäulen vor einen aufbauen, jene im Raum schweben und in ihrer Schwingung über längeren Zeitraum bestehen bleiben, zählen doch Stoner-Doom Bands wie ‘Sleep’ oder ‘Sunn O)))’ zu ihren Einflüssen. Die Nummer “Ticking” zeugt davon. “Blending Noises” wirkt dann wieder fast klassisch in seinem Arrangement. Jedenfalls gibt die Nummer nach den ersten drei des Albums in punkto Druck nicht nach, gibt sogar die weitere Richtung des Albums vor, und ist treibend. Der Sound umfließt einen schmeichelhaft, die Vocals unterstreichen das von den drei Jungs entworfene Grundgerüst des Songs, dessen Sogwirkung man sich auch hier schwer entziehen kann.

Ilun im Studio zur Aufnahme von “The Odd Cut”

Und in dieser Tonart geht es weiter: “Ce” ist eine mit Klavierparts ausstaffierte Instrumentalnummer. “Bost” startet ruhig mit einer auf dem Tom-Spiel des Schlagzeugers Wolfgang Rosenberger aufbauenden Gitarre und der Song läßt einen in eine andere Richtung treiben als man es vielleicht erwartet. “Keep Up”, die vielleicht druckvollste Nummer des Albums ist Post-Rock Sound vom feinsten, ein straighterer Beat erklimmt eine Soundwand die sich auf ihrem Höhepunkt über sich selbst erhebt und dann wieder in sich zusammenfällt um noch druckvoller durchzustarten und irgendwie bebt die Nummer auch noch einige Takte nach Ende des Songs im Trommelfell weiter. ‘Holy’s Absurdities’,’Siemte’ und ‘Bost_Piano’ runden das Hörerlebnis des Albums gekonnt ab, denn druckvoll wie das Album gestartet ist, geht es auch zu Ende.

Ilun: The Odd Cut- Albumcover

Die hier kredenzten Songs, die gekonnten Arrangements der Nummern sowie die narrative Wirkung des Albums lassen auf weiteres Material der noch jungen Grazer Band hoffen. Fabian Lindner am Bass, Wolfgang Rosenberger am Schlagzeug und Jürgen Kahr an der Gitarre überzeugen mit ihrem Erstlingswerk. Am 26. Oktober gaben sie ihr Release Konzert im Club Wakuum und man sollte als postrock affine(r) Grazer/in Ausschau halten, um sich das Live-Erlebnis der Band nicht entgehen zu lassen. Das Album “The Odd Cut” kann via der Bandcamp Seite der Band erstanden werden, bei den Konzerten kann man das Album auch auf CD kaufen. (rarely limited)

Links: Ilun auf Facebook, Ilun auf Bandcamp

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