Parasite von Bong Joon-ho

Erzählt wird die Geschichte der Familie Kim, die am Rande der Gesellschaft in einer Souterrain Wohnung, haust. Beide Eltern (wunderbar gespielt von Jang Hye-jin und Bong Ho’s Lieblingsschauspieler Song Kang-ho) sind arbeitslos. Man faltet Pizzakartons um sich über Wasser zu halten. Das Wasser spielt in Bong Joon Ho’s Film auch eine wichtige Rolle. Es fließt von oben nach unten, von Reich zu Arm. Zu einem späteren Zeitpunkt überschwemmt es auch die Wohnung der Kim’s. Zu einem Zeitpunkt des Films wo alles schon entglitten zu sein scheint.

Trailer – Parasite

Man hat sich zwar systematisch in das Leben der reichen Familie Park eingeschlichen, macht den Englischlehrer für die pubertierende Tochter des Hauses, gibt Kunstunterricht für den ‘talentierten’ Sohn und gibt neben dem Fahrer für den Vater auch noch die Haushälterin der Familie Park. Kurzum, die arme Familie Kim ist für die reiche Familie Park unersetzbar geworden. Doch nach einem Zwischenfall scheint diese mühsam genommene Leiter des persönlichen Erfolgs und Aufbegehrens gegen die eigene Armut verloren zu sein. Die ehemalige Haushälterin taucht auf und damit beginnt das persönliche Dilemma der Kims die sich nun zwischen den auftuenden Fronten befindet. Enden kann das alles natürlich nicht gut, aber bis es soweit ist setzt Regisseur Bong Joon Ho alles auf eine Karte und verwebt die Geschichte der Kims und der Parks in vielen wunderbaren Dialogen (auch umwerfend: Cho Yeo-jeong als überreizte Mutterfigur mit einfachem Gemüt) zu einem Guß. Es gibt wirklich keinen Moment im Film der langweilig und langatmig ist. Mit Minute eins, einer langsamen Kamerafahrt in der Souterain Wohnung mit Schwenk auf Familie Kim nimmt der Film Fahrt auf und als Zuseher/in wird man von Anfang an mitgenommen auf eine Berg und Talfahrt eines aussichtslosen Klassenkampfes, gekonnt in Szene gesetzt von Bong Joon-ho’s Kameramann Hong Kyung-pyo, der in langsamen Kamerafahrten dem gegensetzlichen Familienleben gekonnt über die Treppen des Hauses der Familie Park folgt. Vor dem großen Finale wird hier ein Bild der südkoreanischen Gesellschaft nachgezeichnet, das den ausweglosen Kampf gegen die eigene Armut und dem Umvermögen sich daraus zu befreien schonungslos zeigt und den Zorn des Regisseurs über die Ungleichheit der Welt in sehenswerten 132 Filmminuten widerspiegelt.

“Parasite” von Bong Joon Ho ist großes Erzählkino mit feiner Klinge und ein Thriller mit vielen Wendungen der bis zuletzt spannend und unvorhersehbar bleibt. Er hat die Goldene Palme von Cannes mehr als verdient und kann auch auf einen Oscar hoffen. Der Film läuft in Graz im KIZ Royalkino (OmU) und im Geidorf Kunstkino in der deutschen Synchronfassung.

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