Warum ich mir den Joker Film nicht anschaue – eine Erklärung

Jede/r ist im Moment angetan vom neuen Joker Film (Regie: Todd Phillips) und natürlich sind die diversen Trailer und Reviews nicht an mir vorrübergegangen. Hauptreiz des Films liegt wohl an der voyeuristischen Schau und dem Erleben des Niedergangs einer gebeutelten und gedemütigten Seele namens Arthur Fleck der sich zu Batman’s Bösewicht Konterpart Nr. 1, dem Joker entwickelt. Natürlich schlüpft Joaquin Phoenix gekonnt und mit viel Hingabe in diese Rolle hinein, schließlich hat er für die Rolle ordentlich an Gewicht verloren, das schmerzverzerrte Lachen verinnerlicht und dafür gebührt ihm auch Respekt. Aber warum schaue ich mir diesen Film nicht auch an, nachdem er so voll ist von Aspekten die für mich ebenfalls einen wahrscheinlich guten Film ausmachen?

Da ist einmal meine persönliche Geschichte: Ich bin selbst Betroffener einer psychischen Erkrankung, bin wie man heutzutage sagt auch psychiatrieerfahren. Ich habe viele Menschen in diesem Kontext kennengelernt, die auch Leiden mussten, einfach aus der Tatsache heraus, dass sie krank waren. Zweitens: Der voyeuristische Aspekt stört mich, plötzlich glauben alle einem “Wahnsinnigen” via der Leinwand ganz nah zu sein und das macht wahrscheinlich ein prickelndes Gefühl beim Zuseher/ der Zuseherin. Drittens: Für mich ist Arthur Fleck ein armer Mensch, der mich in gewissen Aspekten auch an ähnliche Schicksale erinnert. Einige meiner Freunde sind Betroffene einer psychischen Erkrankung, manche haben sich mit den Drogen ihren Lebensweg verdorben und natürlich macht mir eine Rolle wie der Joker auch Angst, denn gewisse Aspekte seiner Lebenssituation kann ich auch auf mich selbst ummünzen. Kann also nachvollziehen wie sich jemand, der an den Rand der Gesellschaft gespült wird, oder aus dieser Enge nicht fliehen kann, sich fühlt. Eine gewisse Resignation trifft auch meine Seele von Zeit zu Zeit und der Satz “Ich dachte mein Leben sei eine Tragödie, nun komm ich vielmehr darauf es ist eine Komödie” den Arthur Fleck einmal verwendet macht mir Angst oder erzeugt zumindest ein gewisses Gänsehaut-Feeling.

Natürlich weiß ich, dass es sich um einen fiktiven Charakter handelt. Einer Fantasiefigur, die aus einem Comic und der Fantasie des Zeichners heraus entstanden ist und ich unterstelle dem Regisseur auch keine böse Absicht, aber dennoch wird meiner Meinung nach psychische Erkrankung auch durch die mediale Berichterstattung in Zeitungen und den Nachrichten auch im Jahr 2019 immer noch so behandelt wie es auch dieser Film nicht anders zu zeigen vermag. Als potentziell gefährlich, als eine Person mit Schizophrenie oder einer anderen Krankheit, die man nicht einordnen kann und die einem gefährlich erscheint, weil man sie nicht versteht. Dabei liegt die statistische Gefährlichkeit von Menschen mit einer psychischen Erkrankung nicht höher als die sogenannnter “gesunder” Menschen. Deshalb denke ich ist dieser Hype um diesen Film für mich nicht nachvollziehbar, gibt es doch im Moment einen Film namens “Parasite” der für mich mehr der Film des Jahres ist. Aber es ist auch ein starkes Ausrufezeichen des Kinos, dass gerade zwei Filme zu sehen sind, die ihr prädikat “sehenswert” dann doch auf die eine oder andere Weise verdient haben – auch wenn ich das ‘Wie’ im Fall des Joker Films etwas in Frage stelle.

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