Sauropoda von L’Eclair

Sauropoda – L’Eclair Albumcover

Falls es (für mich) eine Band im Moment gibt, die den Sommergroove am besten einfängt, dann wohl der Sound des neuen Albums “Sauropoda” von L’Eclair. Die schweizer Combo weiß um den Moment, denn das Album wurde ohne viele Overdubs von Benoit “Gérard” Erard aufgenommen. Krautrockelemente treffen auf den Vibe von italienischen Filmscores aus den 70er Jahren. Dennoch wirkt “Sauropoda”, direkt seriös und klingt wie ein Artefakt aus vergangenen Zeiten. Die Gruppe präsentiert auf ihrem neuen Werk fünf Tracks, welche dennoch fliessend und genüsslich eine Gesamtheit bilden. Aus losen Jams entstand innerhalb von 2 Tagen ein Album, obwohl es so nicht geplant war. Tanzbarer Krautrock mit verspielten Synthlines und leichtfüßig anmutenden Gitarrensoundeinstreuungen, ein Weg den die Band seit ihrem Beginn im Jahr 2015 konsequent geht.

Sauropoda bridges funk, disco, electronics, prog, and ambient styles in a very natural way, finding a warm, body-conscious thump that brings everything together.

Quelle: popmatters / popmatters.com

Begonnen hat ihre Geschichte in London, wo Gitarrist Stefan Lilov und Keyboarder Sebastian Bui ein Auslandsjahr begingen. Zurück in Genf taten sie sich mit Freunden zusammen und obwohl ihr Sound anfangs nur für Gitarre und Keyboard gedacht war und stark unter dem Einfluß deutscher Bands wie Kraftwerk oder Cluster stand, wuchs der Sound der Band mit der Zeit. Das 2018 erschienene Album “Polymood” welches in den Niederlanden aufgenommen wurde gab dann auch schon ein wenig die Richtung vor. Während Polymoon also ein striktes Studioalbum war, gibt Sauropoda mehr den Live-Sound der Band wieder. Der Easy-Listening Sound auf Sauropoda täuscht aber über die komplexe Soundästhetik auf ihrem 3. Album hinweg. Die 12 Minuten Nummer “Endless Dave” könnte noch länger weitergehen ohne den Charakter zu verlieren. Auch der 8. Minuten dauernde Track “Suite Nr.2” fällt in die Kategorie lebendiger, treibender Funk-Sound. Der lange Hals und der kleine Kopf eines Sauropoden entspricht also auch ein wenig der Ästhetik der schweizer Combo. Ihr aktuelles Album ist bei Beyond Beyond is Beyond Records erschienen.

Luce – Soundtrack by Geoff Barrow & Ben Salisbury

Der Soundtrack meiner beiden Lieblings Science-Fiction Filme der letzten Jahre stammen aus der Feder von Geoff Barrow und Ben Salisbury. “Ex Machina” aus dem Jahr 2015 war ein verstörendes Drama zum Thema künstliche Intelligenz und 2018 war die Auslöschung (The Annihilation) von Regisseur Alexander Garland wohl die Science Fiction Überraschung des Jahres. Zwei Filme, die aufgrund ihrer dystopischen Stimmung auch wesentlich von ihrer Filmmusik getragen wurden. Geoff Barrow (Portishead, Beak>) und Ben Salisbury haben sich nun am Thriller “Luce” abgearbeitet und obwohl das Genre diesmal ein Thriller ist, wirkt auch diesmal der Soundtrack sehr hypnotisch und verstärkt auf eindringliche Weise den Film.

Der Film, der beim Sundance Film Festival dieses Jahr schon abgefeiert und breit diskutiert wurde, erzählt die Geschichte eines ehemaligen Kindersoldaten, der nach seiner Adoption in Amerika in einem aufgeklärten familiären Umfeld aufwächst und zum generellen High School Liebling wird, bis eine Lehrerin (Octavia Spencer) auf Ungereimtheiten stößt und der Thriller zu einem Schlagabtausch zwischen ihr, seinen Eltern und Luce selbst wird. Nach eine gewissen Zeit scheinen weder die Hauptdarsteller noch der geneigte Zuseher genau zu wissen wer in diesem verfangenen emotionalen Kammerspiel lügt oder die Wahrheit sagt.

Auch der Regisseur Julius Onah streut den beiden Musikern Rosen. So war er von der ersten Minute von der Fähigkeit der Musiker, eine musikalische Erzählebene zu verstärken, angetan. Ben Salisbury & Geoff Barrow entwarfen zuerst einen Musikthema für den Hauptdarsteller Luce selbst und aufgrund der positiven Zusammenarbeit und der starken visuellen Erzählebene entstand der gesamte Soundtrack für den Film, so Ben Salisbury in einem Interview. Der Soundtrack ist bei Invada Records und Lakeshore Records veröffentlicht worden und kann z.B. bei Amazon gekauft werden.

Luce – Track List

1. Luce’s Theme
2. Goodnight Amy
3. Breakdown Aftermath
4. Skyhooker
5. Stephanie
6. Luce’s Theme (Reprise)
7. Everything’s Fine
8. Speech To No-one
9. You Can’t Run From Blood
10. Debate
11. Amy Follows Luce
12. We Are Done Here
13. Try Again
14. Luce’s Theme (Coda)
15. End Credits (Skyhooker Mix) – Ben Salisbury & Geoff Barrow, Joseph McGann
16. Luce’s Theme (St. Mary Redcliffe)
17. You Can’t Run From Blood (St. Mary Redcliffe)

The Mauskovic Dance band – Review der gleichnamigen LP

The Mauskovic Dance Band mit ihrem gleichnamigen Album

Seit 2016 sind die Bandmitglieder der Mauskovic Dance Band auf Festivals und kleineren Bühnen unterwegs. Nun haben sie ihr Debütalbum abgeliefert und es bewegt die Bauch wie Gesichtsmuskeln, wenn man bedenkt wie leichtfüßig ihr doch komplexer Fusion-Sound funktioniert. Man kann ihre Musik als Afro Future Post Wave Disco Sound bezeichnen. Alles natürlich kontrolliert übereinander gelegt, wahlweise wirken die Patterns und Melodien auch leicht verschroben, was dem Groove aber keinen Abbruch erteilt. Der Vibe passt. Nicola Mauskovic hat sich mit seinen Brüdern in Amsterdam zusammengetan um nach diversen anderen Musikprojekten einen neuartigen Fusion Sound mit Hüftschwungqualität zu kreieren. Das südliche Temperament trifft auf spacige Synthflächen, Nummern wie “Space Drum Machine” erklären auch die Liebe der Bandmitglieder zu elektronischen Klängen die gepaart mit der afro-kubanischen Lebensrealität besser zusammenpassen als man meinen möge. Das Debütalbum der Combo ist auf Soundway Records am 24. Mai 2019 erschienen. Die Band ist auch wie nach ihrer ersten EP “Down in the Basement” wieder fleißig auf Tour durch Europa.

neues Album von Plaid – 30 JaHRE WARP RECORDS

Gerad läuft bei mir im Hintergrund der Livestream von Warp Records, die dieses Wochenende ihr 30 jähriges Bestehen mit einem Radiofeature auf NTS Radio feiern. Von heute Mittag bis Sonntag Abend gibt es ein Best Of des Labels mit teils unveröffentlichten Aufnahmen des Labels und seiner KünstlerInnen. Mit von der Partie: Boards of Canada, Autechre, die einen Einblick in ihr Schaffen von 89-93 geben werden, Aphex Twin und Gastauftritten von Death Grips, Ryuichi Sakamoto und anderen. (siehe Schedule)

Mit von der Partie sind natürlich auch die beiden Musiker von Plaid, lang einer meiner Geheimtipps wenn es um Musik des Labels ging. (zumindest auf der Warp 100 Compilation war die Nummer von Plaid mein Lieblingsmusikstück) Ed Handley und Andy Turner haben sich 1995 von der Formation The Black Dog abgewandt um ihr eigenes Ding zu machen und sind seit diesem Zeitpunkt auch Fixbestandteil der Warp-Community.

Cover des neuen Albums von Plaid.

Ihr neues Album “Polymer” wendet sich wieder den abstrakteren Seiten von Plaid zu und das ist kein Fehler. Auch wenn es den Anschein macht, dass manche Arrangements eher gerade daherkommen so merkt man den beiden Künstlern schon an, dass sie die Erfahrungen ihrer vergangenen Produktionen sehr schön und gut ins heute der IDM Musik verfrachtet haben. Die typisch kantigen Beats werden von industrial Flächen umschwärmt während sich im Hintergrund die Melodie aufbaut um auf diesem kantigen, nebeligen und lebendigen Untergrund ihre Ambiente Schönheit zu entfalten. Lieblingstracks: The Pale Moth, Dancers.

Leafcutter John – Against the clock & neues Album

Seit geraumer Zeit verfolge ich die Videos von Factmagazine auf Youtube wo bekannte und weniger bekannte elektronische Musiker/Produzenten innerhalb von 10 Minuten einen Track oder Song bauen müssen. Die “Against the Clock” Reihe ist dadurch interessant da man sehr gespannt ist was nach den 10 Minuten herauskommt und man gleichfalls einen Blick auf die Produktionsweisen der Künstler bekommt. Viele Arbeiten mit Ableton Live als deren bevorzugte DAW, doch es gibt immer wieder Musiker, die einen gänzlich anderen Zugang pflegen und so ein Musiker ist wohl Leafcutter John aka John Burton. In seinem Against the Clock Video sieht man seine Arbeitsweise mit einem modularen System, der Softwareoberfläche Max und einer selbstgebauten lichtempfindlichen Oberfläche, mit deren Hilfe er Field Recordings modifiziert und bearbeitet.

Leafcutter John – Yes! Come Parade with us

Nebenbei erwähnt hat der seit 20 Jahren tätige Musiker, der seine Musikgeräte gerne selber baut oder programmiert und auch auf Labels wie Planet Mu schon veröffentlicht hat, ein neues Album herausgebracht. Das siebente Studioalbum “Yes! Come Parade With Us” beinhaltet Gastauftritte der beiden Schlagzeuger Tom Skinner (Hello Skinny, Sons of Kemet) and Seb Rochford (Polar Bear) und ist am 19.04. 2019 auf dem englischen Label “Border Community” erschienen.

The Comet is coming – Trust in the Lifeforce of the Deep Mystery

The Comet is coming spielen in einer heruntergekommen Bar einer postapokalyptischen Gesellschaft, deren glorreichen Tage vorbei zu sein scheinen ein Konzert. Oder ist die Musik von Saxophonist Shabaka Hutchings, Keyboarder Dan Leavers, und Schlagzeuger Max Hallett gar der Soundtrack einer dystopischen Cyberpunkwelt, man weiß es nicht. Eindeutig klar ist nur, dass die drei Protagonisten seit ihrem Debutalbum “Channel the Spirits”, aus dem Jahr 2016, soundtechnisch gereift sind und das Songwriting auf ihrem aktuellen Album “Trust in the Lifeforce of the deep Mistery” klarer ausformuliert ist als auf dem Vorgängeralbum.

“The Comet is Coming to destroy illusions. It will manifest new realities, perceptions, levels of awareness and abilities to coexist. It is a musical expression forged in the deep mystery. It is the overcoming of fear, the embracing of chaos, the peripheral sight that we might summon the fire. Through the transcendent experience of music we reconnect with the energy of the Lifeforce in hope of manifesting higher realities in new constructs. Because the end is only really the beginning.”

The Comet is Coming – Teasertext auf der Homepage

Das Trio, welches der jungen Londoner Jazz Szene angehört und ihr aktuelles Album in Dalston, in Ostlondon, aufgenommen hat wird auch von dem BBC Radio DJ Gilles Peterson gerne mal angespielt. Das wohnzimmertaugliche Songwriting des neuen Albums kann der Tatsache geschult sein, dass sie das Label gewechselt haben und nun bei Universal (Impulse Records!) unter Vertrag stehen oder ihnen einfach der Sinn danach stand, nach dem brachial angehauchten “Channel the Spirits” eine versöhnlichere Version ihrer Neo-Funk Tüfteleien zu veröffentlichen. Entstanden sind tanzbeinanregende Elektrogrooves, gespickt mit Jazz, Funk und Rock Einflüssen.

Die Songs wirken ausgewogener arrangiert und erstrecken sich wie die Nummer “Blood from the past” mit den Gastvocals der englischen Poetry Slammerin Kate Tempest auch schon mal über 8 Minuten. Erhalten geblieben ist ihre Herangehensweise einen Song zu schreiben. Zuerst wird im Proberaum improvisert und dann mittels Cut-and-Paste Looping das Ausgangsmaterial neu zusammengesetzt. Eine Herangehensweise, wie es einst Miles-Davis-Produzent Teo Macero praktiziert hat.

Das Album “Trust in the Lifeforce of the deep Mistery” ist bei Impulse! Records erschienen und wurde am 15.03. 2019 veröffentlicht.

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