Buzzzy! – ein neuer kleiner digitaler polysynth

Buzzzy! ein Kickstarterprojekt von Frédéric Meslin ist ein kleiner digitaler polyphoner Synthesizer, der sich vor Konkurrenten wie dem Korg Volca FM oder dem DIY Kit – PreenFM nicht verstecken muss. Frédéric Meslin arbeitet seit 2013 Vollzeit als Music Instrument Designer, für Firmen wie Arturia, Waldorf Music oder Mutable Instruments. Nun hat er seinen ersten eigenen Synth auf Kickstarter präsentiert und den Zahlen nach geht der kleine Alleskönner auch in die Produktionsphase.

Der 16 stimmige Synth im kleinen Format bietet vier Oscillator Engines, neun eingebaute Effekte (Reverbs, Delays und Filter), einen schnellen Arpeggiator und bietet 16 Speicherplätze um eigene Presets zu speichern. Hier einige Soundbeispiele:

Buzzy! in Action

Die Klangerzeugung basiert auf 4 Synth Engines und 3 Effekt Engines. Die 4 Soundengines sind Pulse, FM, Wave und Noise. Im Herzen des Synths ist ein ARM Cortex M4 Prozessor, der mit 81,92MHz getaktet ist, verbaut. Der Stereoausgang bietet volle hochqualitative 24bit / 48kHz Auflösung.

Frédéric Meslin in seinem Studio

Um seinen Synth zu bewerben und das Projekt umzusetzen hat Frédéric Meslin, der in Deutschland lebt und arbeitet, seine eigene Firma namens Fred Lab’s gegründet und hofft nach dem starken Zuspruch seinen Synth zur Marktreife zu führen. Die ersten Geräte dürften im September aber bereits ausgeschickt werden.

MInami Deutsch – Can’t Get There EP

Minami Deutsch, der etwas verschrobene Name der Band schuldet sich sicher der Musikgattung, der sie sich verschrieben hat. Ihr nach dem Bandnamen betiteltes erstes Album, welches auf Guruguru Brain im Jahr 2015 veröffentlicht wurde klingt sehr nach klassischen Krautrock Bands wie NEU!, CAN oder FAUST. Der hypnotische Beat und die pochende Basslinie wird oft von sphärischen Gitarrenflächen ergänzt. Gegründet wurde die Band 2014 rund um den Frontman Kyotaro Miula und zur fixen Besetzung zählen noch Taku Idemoto (Gitarre), Keita Ise (Bass) and Hikari Sakashita (Schlagzeug).

Nun hat die Band im Juli diesen Jahres eine EP mit dem Namen “Can’t get there EP” auf dem schwedischen Höga Nord Rekords Label veröffentlicht. Die drei eigenen Nummern werden durch 2 Remixes der titelgebenden Intronummer ergänzt. Dabei bleibt die Band ihren Wurzeln treu und lassen die Synapsen der Zuhörer durch die Wände gehen. Ein monotoner Beat lässt den Gitarren freien Raum und der Bass unterstreicht den Drive von “Can’t get there”.

Ein einfaches Gitarren Medley, mehr braucht die über 7 Minuten lange Nummer nicht um eine eigene Geschichte zu erzählen. Dabei driftet man auch mit dem Schlagwerk immer wieder mal ab um dann wieder zum Grundthema zurückzukehren. Und wie der Titel der Nummer schon sagt, kommt man nirgendwo an und dennoch unternimmt man eine Reise mit der Musik von Minami Deutsch.

…you get the feeling of leaving half your brain in a Volkswagen down an endless Autobahn in 1972 and one-half lost in the astral plane as boundless light, above space and time…

(Höga Nord Rekords)
Can’t get there EP – Minami Deutsch

Auch der dritte Titel der EP “Nishi No Jiku” behält diesen von CAN und NEU! beeinflußten Musikstil im richtigen Mischungsverhältnis bei. Und wer sich für den hyptnotische Beat von Krautrock und der Band NEU! im speziellen interessiert gibt es auf Arte noch bis Anfang September eine Doku über Klaus Dinger zu sehen. Krautrock kommt aber nunmehr aus Japan, wie es scheint. Oder zumindest sind Minami Deutsch eine treibende Kraft in Japans Underground Psych-Rock Zirkeln. Wer Zeit und Lust hat, hat am 27. August die Möglichkeit Minami Deutsch live im Rockhouse Salzburg zu sehen. Eine Empfehlung.

Sauropoda von L’Eclair

Sauropoda – L’Eclair Albumcover

Falls es (für mich) eine Band im Moment gibt, die den Sommergroove am besten einfängt, dann wohl der Sound des neuen Albums “Sauropoda” von L’Eclair. Die schweizer Combo weiß um den Moment, denn das Album wurde ohne viele Overdubs von Benoit “Gérard” Erard aufgenommen. Krautrockelemente treffen auf den Vibe von italienischen Filmscores aus den 70er Jahren. Dennoch wirkt “Sauropoda”, direkt seriös und klingt wie ein Artefakt aus vergangenen Zeiten. Die Gruppe präsentiert auf ihrem neuen Werk fünf Tracks, welche dennoch fliessend und genüsslich eine Gesamtheit bilden. Aus losen Jams entstand innerhalb von 2 Tagen ein Album, obwohl es so nicht geplant war. Tanzbarer Krautrock mit verspielten Synthlines und leichtfüßig anmutenden Gitarrensoundeinstreuungen, ein Weg den die Band seit ihrem Beginn im Jahr 2015 konsequent geht.

Sauropoda bridges funk, disco, electronics, prog, and ambient styles in a very natural way, finding a warm, body-conscious thump that brings everything together.

Quelle: popmatters / popmatters.com

Begonnen hat ihre Geschichte in London, wo Gitarrist Stefan Lilov und Keyboarder Sebastian Bui ein Auslandsjahr begingen. Zurück in Genf taten sie sich mit Freunden zusammen und obwohl ihr Sound anfangs nur für Gitarre und Keyboard gedacht war und stark unter dem Einfluß deutscher Bands wie Kraftwerk oder Cluster stand, wuchs der Sound der Band mit der Zeit. Das 2018 erschienene Album “Polymood” welches in den Niederlanden aufgenommen wurde gab dann auch schon ein wenig die Richtung vor. Während Polymoon also ein striktes Studioalbum war, gibt Sauropoda mehr den Live-Sound der Band wieder. Der Easy-Listening Sound auf Sauropoda täuscht aber über die komplexe Soundästhetik auf ihrem 3. Album hinweg. Die 12 Minuten Nummer “Endless Dave” könnte noch länger weitergehen ohne den Charakter zu verlieren. Auch der 8. Minuten dauernde Track “Suite Nr.2” fällt in die Kategorie lebendiger, treibender Funk-Sound. Der lange Hals und der kleine Kopf eines Sauropoden entspricht also auch ein wenig der Ästhetik der schweizer Combo. Ihr aktuelles Album ist bei Beyond Beyond is Beyond Records erschienen.

Luce – Soundtrack by Geoff Barrow & Ben Salisbury

Der Soundtrack meiner beiden Lieblings Science-Fiction Filme der letzten Jahre stammen aus der Feder von Geoff Barrow und Ben Salisbury. “Ex Machina” aus dem Jahr 2015 war ein verstörendes Drama zum Thema künstliche Intelligenz und 2018 war die Auslöschung (The Annihilation) von Regisseur Alexander Garland wohl die Science Fiction Überraschung des Jahres. Zwei Filme, die aufgrund ihrer dystopischen Stimmung auch wesentlich von ihrer Filmmusik getragen wurden. Geoff Barrow (Portishead, Beak>) und Ben Salisbury haben sich nun am Thriller “Luce” abgearbeitet und obwohl das Genre diesmal ein Thriller ist, wirkt auch diesmal der Soundtrack sehr hypnotisch und verstärkt auf eindringliche Weise den Film.

Der Film, der beim Sundance Film Festival dieses Jahr schon abgefeiert und breit diskutiert wurde, erzählt die Geschichte eines ehemaligen Kindersoldaten, der nach seiner Adoption in Amerika in einem aufgeklärten familiären Umfeld aufwächst und zum generellen High School Liebling wird, bis eine Lehrerin (Octavia Spencer) auf Ungereimtheiten stößt und der Thriller zu einem Schlagabtausch zwischen ihr, seinen Eltern und Luce selbst wird. Nach eine gewissen Zeit scheinen weder die Hauptdarsteller noch der geneigte Zuseher genau zu wissen wer in diesem verfangenen emotionalen Kammerspiel lügt oder die Wahrheit sagt.

Auch der Regisseur Julius Onah streut den beiden Musikern Rosen. So war er von der ersten Minute von der Fähigkeit der Musiker, eine musikalische Erzählebene zu verstärken, angetan. Ben Salisbury & Geoff Barrow entwarfen zuerst einen Musikthema für den Hauptdarsteller Luce selbst und aufgrund der positiven Zusammenarbeit und der starken visuellen Erzählebene entstand der gesamte Soundtrack für den Film, so Ben Salisbury in einem Interview. Der Soundtrack ist bei Invada Records und Lakeshore Records veröffentlicht worden und kann z.B. bei Amazon gekauft werden.

Luce – Track List

1. Luce’s Theme
2. Goodnight Amy
3. Breakdown Aftermath
4. Skyhooker
5. Stephanie
6. Luce’s Theme (Reprise)
7. Everything’s Fine
8. Speech To No-one
9. You Can’t Run From Blood
10. Debate
11. Amy Follows Luce
12. We Are Done Here
13. Try Again
14. Luce’s Theme (Coda)
15. End Credits (Skyhooker Mix) – Ben Salisbury & Geoff Barrow, Joseph McGann
16. Luce’s Theme (St. Mary Redcliffe)
17. You Can’t Run From Blood (St. Mary Redcliffe)

The Mauskovic Dance band – Review der gleichnamigen LP

The Mauskovic Dance Band mit ihrem gleichnamigen Album

Seit 2016 sind die Bandmitglieder der Mauskovic Dance Band auf Festivals und kleineren Bühnen unterwegs. Nun haben sie ihr Debütalbum abgeliefert und es bewegt die Bauch wie Gesichtsmuskeln, wenn man bedenkt wie leichtfüßig ihr doch komplexer Fusion-Sound funktioniert. Man kann ihre Musik als Afro Future Post Wave Disco Sound bezeichnen. Alles natürlich kontrolliert übereinander gelegt, wahlweise wirken die Patterns und Melodien auch leicht verschroben, was dem Groove aber keinen Abbruch erteilt. Der Vibe passt. Nicola Mauskovic hat sich mit seinen Brüdern in Amsterdam zusammengetan um nach diversen anderen Musikprojekten einen neuartigen Fusion Sound mit Hüftschwungqualität zu kreieren. Das südliche Temperament trifft auf spacige Synthflächen, Nummern wie “Space Drum Machine” erklären auch die Liebe der Bandmitglieder zu elektronischen Klängen die gepaart mit der afro-kubanischen Lebensrealität besser zusammenpassen als man meinen möge. Das Debütalbum der Combo ist auf Soundway Records am 24. Mai 2019 erschienen. Die Band ist auch wie nach ihrer ersten EP “Down in the Basement” wieder fleißig auf Tour durch Europa.

neues Album von Plaid – 30 JaHRE WARP RECORDS

Gerad läuft bei mir im Hintergrund der Livestream von Warp Records, die dieses Wochenende ihr 30 jähriges Bestehen mit einem Radiofeature auf NTS Radio feiern. Von heute Mittag bis Sonntag Abend gibt es ein Best Of des Labels mit teils unveröffentlichten Aufnahmen des Labels und seiner KünstlerInnen. Mit von der Partie: Boards of Canada, Autechre, die einen Einblick in ihr Schaffen von 89-93 geben werden, Aphex Twin und Gastauftritten von Death Grips, Ryuichi Sakamoto und anderen. (siehe Schedule)

Mit von der Partie sind natürlich auch die beiden Musiker von Plaid, lang einer meiner Geheimtipps wenn es um Musik des Labels ging. (zumindest auf der Warp 100 Compilation war die Nummer von Plaid mein Lieblingsmusikstück) Ed Handley und Andy Turner haben sich 1995 von der Formation The Black Dog abgewandt um ihr eigenes Ding zu machen und sind seit diesem Zeitpunkt auch Fixbestandteil der Warp-Community.

Cover des neuen Albums von Plaid.

Ihr neues Album “Polymer” wendet sich wieder den abstrakteren Seiten von Plaid zu und das ist kein Fehler. Auch wenn es den Anschein macht, dass manche Arrangements eher gerade daherkommen so merkt man den beiden Künstlern schon an, dass sie die Erfahrungen ihrer vergangenen Produktionen sehr schön und gut ins heute der IDM Musik verfrachtet haben. Die typisch kantigen Beats werden von industrial Flächen umschwärmt während sich im Hintergrund die Melodie aufbaut um auf diesem kantigen, nebeligen und lebendigen Untergrund ihre Ambiente Schönheit zu entfalten. Lieblingstracks: The Pale Moth, Dancers.

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