Filmreview: Three Billboards outside Ebbing Missouri – Achtung Spoiler.

Wenn am Schluss der ehemalige Polizist die Haupdarstellerin des Filmes, Frances McDormand, fragt ob sie dem möglichen Vergewaltiger etwas antun werden antwortet sie darauf, dass sie sich das ja noch während der Fahrt überlegen können. Diese Fahrt steht für mich für das Unvermögen einen Frieden mit der erlittenen Lebensgeschichte zu finden. Diese Fahrt ist stellvertretend für das Leben der Mildred Hayes und ihrem nicht versiegenden Schmerz über den Verlust ihrer Tochter, die verbrannt und vergewaltigt worden ist und dem Umstand geschuldet, dass das Verbrechen nicht aufgeklärt worden ist.

Davor ist ‚Three Billboards outside Ebbing Missouri‘ eine Geschichte einer Mutter, der es finanziell möglich ist drei Reklametafeln dafür zu verwenden um auf das Unvermögen der Polizei von Ebbing Missouri hinzuweisen. Three Billboards könnte dabei ein Western sein, dem Genre der Rache und der Wut.  Eine verschrobene Outsiderin wirbelt Staub auf, der Sheriff hat Krebs und richtet sich selbst, da er nicht von seiner Frau zu Tode gepflegt werden will. Er stirbt mitten unter seinen geliebten Pferden, schreibt Abschiedsbriefe und gibt sich dann die Kugel. Officer Jason Dixon ist ein rabiater Raufbold der aufgrund eines Ausrasters nach dem Tod des Sheriffs vom Dienst suspendiert wird und dessen Charakter meiner Meinung nach zu spät im Film an Tiefe gewinnt. Er ist ebenfalls ein Sonderling der mit seiner Mutter zusammenlebt und für den das Leben lange Zeit einfach nur schwarz und weiß ist.

Three Billboards outside Ebbing Missouri ist aber auch Sozialdrama und erzählt von einer Familiengeschichte die gar nicht ins Lot zu kriegen ist, da die Mutter am Tag des Verschwindens ihrer Tochter zu ihr im Streit sagt, dass es ihr schon recht ist wenn sie am Nachhauseweg vergewaltigt wird. Der Sohn versucht mit seiner Mutter und dem Verlust seiner Schwester fertig zu werden, der Vater hat eine Liebesbeziehung zu einer 19 Jährigen, die auf die ‚Pferde von Behinderten‘ aufpasst. Und da liegt auch der Charme des Filmes. Es sind die kleinen Bloßstellungen, das zur Schau stellen einer südstaatlichen Mentalität gepaart mit dem sarkastischen Humor der Hauptdarstellerin, wenn sie zum Beispiel dem Pfarrer Mitgliedschaft in einer Gang von Pädophilen unterstellt. Hier ist der Film stellenweise eine Komödie, aber Komödie passt zu diesem vielschichtigen Drama nicht ganz, es ist immer eine Humor der einen auch zum Nachdenken anregt und Fragen über Vergebung, Gerechtigkeit oder Hass aufwirft. Prädikat: sehenswert.

thumb_1024_768x432_0_0_crop

Frences McDormand als Mildred Hayes for einem ihrer Billboards

Jukebox. Jewkbox! – Ausstellung @ GrazMuseum

vielleicht eine Anregung für mich wieder mal ins Museum zu gehen…?

jukebox-Web-Keyvisual-620x349px-ohne-logo

Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack und Vinyl

1887 revolutionierte der deutsch-jüdische Emigrant Emil Berliner von den USA aus die Populärkultur. Mit seiner Erfindung des Grammophons und der Schallplatte begann das Zeitalter der globalen Massenunterhaltung. 100 Jahre lang waren Schellack und Vinyl die Tonträger der großen Emotionen, der Utopien und Katastrophen, der Illusionen und Hoffnungen des 20. Jahrhunderts. Sie sind zugleich ein Produkt jüdischer Musikschaffender und ein Spiegel jüdischer Geschichte. Jukebox. Jewkbox! ist eine Reise durch die Welt der Musik, die manches Leben verändert hat.

Eröffnung: Mi, 07.02.2018,18 Uhr
Ausstellungsdauer: 08.02. – 23.04.2018 

Wo? GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz
Eine Ausstellung des Jüdischen Museum Hohenems.
Kurator: Hanno Loewy (Hohenems), Gestaltung: atelier stecher (Götzis)
Umsetzung GrazMuseum: Annette Rainer, Martina Zerovnik

Ilun – Studiosession

ilun_studio

Ilun, das ist die Band meines Bruders, die nun zum ersten mal im Studio war um ein paar ihrer Nummern einzuspielen. Ein kleiner Vorgeschmack auf ihre Kunst bietet ihr neu eingerichteter Bandcamp Account. Fabian Linder (Bass & Keys), Wolfgang Rosenberger (Schlagzeug) und Jürgen Kahr (Gitarre) erzeugen ihren ganz eigenen Sog in ihrer Musik. Dabei ist nichts Überflüssiges an ihren Songs zu finden.

 

Die Jungs bringen es stets zuwege die Dramatik eines Songs auf den Punkt zu bringen und somit liefert hier die Musik der Band vielschichtigen instrumentalen Noiserock aus Graz. Live zu sehen sind sie im März im alternativen Vereinsbeisl SUB sowie in weiterer Folge bei einem geplanten Konzert im Musichouse.

 

Der neue Lieblingstrack…

… oder warum ein spezifischer Song zu unserer Lieblingsmusik wird.

vintage turntable in action close upWelche Regeln kann man anwenden wenn man darüber nachdenkt welche Art und Form von Musik wir zu unserer Lieblingsmusik machen? Welche Wege führen uns zu unserer neuen Lieblingsband? Warum frohlocken wir, wenn wir diese oder jene Melodie wahrnehmen?

 

1. Ich höre, also bin ich. Die persönliche Suche und der Weg den wir uns durch den Musikdschungel bahnen um musikalische Neuentdeckungen zu machen ist wesentlich und trägt zur Identifikation mit einem Genre/einer Band oder eines Tracks bei. Wenn wir selbst auf die Musik gestoßen sind und/oder für uns entdeckt haben, dann gibt es hier eine emotionale Bindung die stärker ist, als wenn wir über Empfehlungen anderer auf die Musik aufmerksam werden und sie sozusagen als „Zweiter“ entdecken. Die Identifikation ist also umso stärker je mehr wir unseren eigenen Schweiß dafür eingesetzt haben um diese Musik zu entdecken.

2. Der Rhythmus wo man mit muss. Zuallererst kommt der Klang, dann der Rhythmus, die Struktur eines Songs und die sphärischen Gegebenheiten eines Songs, die einen beim Hören durch den Song tragen. Der Vibe muss einen anstecken und der Groove muss schon in den ersten Sekunden des Hörens ersichtlich sein. Wenn einen dann die Melodie mitnimmt sind wir vollkommen eingenommen und können uns der Musik hingeben.

3. I mag das, weil ich das und das mag. Wenn man spezifisch sucht um zum Beispiel neue Entdeckungen in einem bestimmten Genre zu machen, dann beruht die Suche auf einer bereits breit verankernden Meinung, die wir uns über die Wesenszüge eines solchen Genres, einem Taste, gebildet haben. Dieser Geschmack von Musik, der uns permanent auf der Zunge liegt wird dann auch als Fundament für weiterführende Entdeckungen gemacht.

4. Wir adden also wieder einmal. Indem wir unseren Musikgeschmack durch neue Entdeckungen erweitern, verbreitern wir auch die Basis auf dessen weitere Entdeckungen von Bands oder Musikern fußen. Wir erweitern und vernetzen unser Basiswissen indem wir Neuentdeckungen beifügen und unseren mühsam erworbenen Musikgeschmack mit neuen Flavours garnieren. Wir entdecken Synthesizerhooklines, die wir so in einem solchen Setting noch nie gehört haben und finden es als Bereicherung unseres musikalischen Horizonts wenn wir es hören. Solche musikalischen Hörerlebnisse prägen sich bei uns ein und werden wieder dafür herangezogen solch spezifische Hörerlebnisse in anderen Formen zu entdecken und zu fröhnen.

5. Das Alles gilt nicht für Schlager und Fans von Schlagermusik.

p.s.: Welche Pfade führten euch zu eurer Lieblingsmusik? Wie kamt ihr auf diese oder jene Band?

Comicfestival Angoulême & NextComic Festival 2018 in Linz

In Frankreich, in der kleinen Stadt Angoulême findet gerade das größte Comicfestival Europas statt. Zwischen dem 25. und 28 Jänner kann man sich beim Festival International de la Bande Dessinée Comics, Graphic Novels und alle Spiel- und Lesearten dazwischen zu Gemüte führen. Eine Longlist für den begehrten großen Preis des Festivals gibt es auch. Einige der Titel sind bereits auf Deutsch erschienen oder für das kommende Jahr angekündigt, nähere Infos finden sich auf comic.de

nextcomic_plakat

Die kleinere Spielart für Österreich ist das NEXTCOMIC Festival in Oberösterreich. Dieses findet 2018 in Linz, Alkoven, Steyr, Steyrmühl & Traun statt. Das Motto dieses Jahr ist die Umdeutung bzw. Neuinterpretation des bekanntesten Werkes von Lewis Caroll „Alice im Wunderland“. Dazu gibt es Workshops und KünstlerInnen sind dazu aufgerufen im Festivalzentrum OÖ. Kulturquartier  (Linz) einzelne Kapitel von Alice im Wunderland künstlerisch zu adaptieren bzw. zu interpretieren.

Daneben bietet das ambitionierte Festival das Vertiefen und Schmöckern in die vielfätige Welt der Comickunst.

 

Das NEXTCOMIC-Festival zeigt die Comickunst abermals von ihrer vielfältigen Art – von Graphic Novels, Kunstcomics, digitalen Comics, über Artverwandtes wie Graffiti, Illustration, Karikatur, Cartoon, Animationsfilm.

Internationale ComiczeichnerInnen wie Akvile Magicdust aus Litauen, Moki (Deutschland) oder die studierte Malerin und Filmemacherin Maya Yonesho (Japan) werden zugegen sein. Ein weiterer Schwerpunkt sind Comics und Karikaturen aus Österreich. Hier werden KünstlerInnen wie Jackyl White & Eggy, Eva Teissl aka Johnny Geiger, Jasmin Rehrmbacher, die Ortweinschule Graz oder die Lohnzeichnergilde ebenfalls Werke zum Festivalmotto „Next to Alice“ abliefern.

NEXTCOMIC Eröffnung DO 15. März 18 Uhr im Festivalzentrum OÖ Kulturquartier, Ursulinenhof, Linz. Austellungsdauer: 16. – 24. März 2018 Homepage: http://www.nextcomic.org/ 

Puddles von Jeffrey Michael Austin

Jeffrey Michael Austin ist ein Künstler und Musiker aus Chicago. Er hat unzählige Pfützen fotografiert und war von deren Reflexionen des Himmels oder Nachthimmels begeistert und um dieses zauberhafte „dahinschimmern“ zu erhalten hat er diese künstlichen Pfützen hergestellt.

puddle-1

Puddle by Jeffrey Michael Austin

JeffreyMichaelAustin_Instagram

Puddle by Jeffrey Michael Austin

puddle-2

puddle-5

Puddle by Jeffrey Michael Austin

Seine Musik, die zum Beispiel auf Überlagerungen durch unzählige Samples wie auf dem Album „Anonym“ basieren sind verschachtelte Soundcollagen und in mühevoller Kleinarbeit enstanden. Über 500 Samples, meist Youtube User Sounds, sind in den 7 Tracks des Albums enthalten.

[bandcamp width=100% height=42 album=3304873548 size=small bgcol=ffffff linkcol=0687f5]

 

aufmerksam geworden via dem Cultureblog Colosssal. Weiter Infos und Arbeiten des Künstlers finden sich auf seiner Webseite. http://www.jeffreymichaelaustin.com/

Was vom Kino übrigblieb 10 02 18 – 22 04 18 Halle für Kunst und Medien Graz

mika_taanila

Mika Taanlia, „Down“ aus der Serie Film Reader, 2017. Courtesy balzerprojects (Basel), Foto: Johnny Korkman.

Die Ausstellung „Was vom Kino übrigblieb“ wurde in Zusammenarbeit mit der Diagonale und dem österreichischen Filmmuseum konzipiert. KünstlerInnen thematisieren das Verschwinden des Kulturgenre Film, das im 20. Jahrhundert noch eine größere Rolle spielte als heute. Durch das Internet, Streaming und konsumierbare Inhalte auf vielen verschiedenen Kanälen ist heutzutage das Kino „nur noch ein popkulturelles Unterhaltungsangebot unter vielen“. Die Cinephilie scheint verflogen. Doch was bleibt von der Kulturgeschichte Kino? Dieser und anderer Fragen geht die Ausstellung auf den Grund. Werke von Joseph Beuys, John Baldesari, Mika Taanila oder Ryusuke Ito sind nur einige Exponate, die bei der Ausstellung zu sehen sein werden. Kuratiert wurde die Schau von Norbert Pfaffenbilcher und Sandro Droschl.

„Was vom Kino übrigblieb“ 10.02.2018 – 22.04. 2018 Halle für Kunst und Medien, Burgring 2, 8010 Graz. http://www.km-k.at/de/

„bodystructures“ by Lisa Kainzbauer

Bodystructures05

„bodystructures“ © Lisa Kainzbauer

Unter dem Titel bodystructures steht die Arbeit der in Wien lebenden Fotografin Lisa Kainzbauer.  Körperideale zu hinterfragen, denn Schönheit ist „mehr als nur auf eine bloße Oberfläche reduzierbar“, war ihr Ziel. Über Facebook meldeten sich über 150 Personen (die meisten davon waren Frauen) die mit ihrer Körpergeschichte ein Zeichen setzen wollten. 8 Frauen stellen auf der Homepage ihre Narben zur Schau und Lisa Kainzbauer sind diese sehr ästhetischen Fotos gelungen. Zusammen mit den Geschichten zu den Fotografien ergibt sich ein Bild abseits von genormter Schönheit, die Narben zeigen auch wie verletzlich und angreifbar wir sind. Es geht um Muttermale, die die persönliche Landkarte des Lebens darstellt, gleich wie sehr intime Aufnahmen von Selbstverletzungen und deren Geschichten bis zu Operationsnarben die es einem manchmal erschweren sich und seinen Körper so anzunehmen wie er ist. Denn auch Narben machen uns zu dem wer wir sind.

Bodystructures12

bodystructures © Lisa Kainzbauer

Bodystructures14

„bodystructures“ © Lisa Kainzbauer

Lisa Kainzbauer (LAChovy) hat an der Graphischen in Wien studiert und widmet sich im Moment der Gestaltung eines Fotobuches zum Thema Schizophrenie. Sie ist professionelle Fotografin und einige Arbeiten sind unter der Homepageadresse LaChovy  erreichbar.

Scroll Up