Kategorie: Musik

Richard David James aka Aphex Twin ist ein Phänomen. Es gibt kaum einen elektronischen Musiker, über den so viele Gerüchte im Umlauf sind wie über ihn. Irgendwie schafft er es eben nicht wirklich irgendwo medial präsent zu sein, er meidet Interviews und doch… wenn von ihm etwas kommt, dann spricht wieder die ganze Musikwelt von ihm. Von dem Genie, dem 2-fachen Familienvater der in 2. Ehe mit einer Russin verheiratet ist, dem großen Vertreter der Intelligent Dance Music, wie man in Amerika gerne etwas sperrigere elektronische Tanzmusik nennt. Jetzt ist wieder von ihm zu lesen oder besser gesagt zu hören denn er hat eine neue Single mit dem Namen T69 collapse veröffentlicht und gleichsam eine im Herbst erscheinende neue EP angekündigt.

T 69 collapse ist vielleicht nicht Richard D. James überzeugendstes Werk, denn eine neue Offenbarung ist die Single nicht. Zu vorhersehbar ist die Struktur des Tracks, kurzer euphorischer Aufbau der Melodien, dann Break hin zu mehr düsteren Klangsphären um dann am Ende die Nummer zusammenzuführen und die Versöhnung der beiden Klangteppiche zu propagieren. Dennoch ist Aphex Twin Musik immer wieder erwähnenswert, denn 1. machen nicht viele Leute mit dem Bekanntheitsgrad solche Musik und 2. bleibt er sich dabei ja auch treu – ein frischerer experimentiellerer Zugang hätte dem Track aber gut getan. Man kann noch gespannt auf die Veröffentlichung der EP warten, die am 14. September auf Warp Records erscheinen wird. Aber meine Erwartungshaltung zur neuen EP ist eher gedämpft.

Sicher erwähnenswert ist das von Kollegen Weirdcore abgieferte, sehenswerte Video zum Track. Dennoch für Freunde von Labels wie Warp und Rephlex war Aphex Twin immer der Motor, der andere Veröffentlichungen der Labels gepusht hat, jetzt ist er mehr jemand der mit seinem eigenen Sound im Soundkosmos der Labels mitfährt, das Steuer hat er anderen Künstlern überlassen. Sein Gesamtwerk darf man aber nicht gering schätzen. Er hat soviele junge Leute beeinflußt, zum Musikmachen inspiriert und war lange Zeit eben der um den man nicht herumkam, wenn es um innovative elektronische Musik ging. Lesenwert ist sicher eines der raren und wirklichen ausführlichen Interviews aus dem Jahre 2014, welches er Dave Noyze für Syrobonkers gegeben hat. Er spricht darin über seine Art Musik zu machen, Synthesizer und Sequenzer die er verwendet, das musikalische Talent seines damals 5 jährigen Sohnes und zeigt dabei auch Seiten seinerseits von eher privater Natur. Das Interview ist ein Monat nach erscheinen wieder vom Netz genommen worden und der Text ist nur mehr via der Waybackmachine von Archive.org erreichbar.

 

Interview Musik

Ich habe wieder einmal ein Mixtape gemacht, diesmal ist es mehr eine Zusammenstellung von Nummern ohne wirklich Beat auf Beat Übergänge zu machen. Wollte ich diesmal nicht, nicht weil ich zu faul war sondern weil ich versuchte hier verschiedene Stile miteinander zu mischen, ob es mir gelungen ist oder nicht, müßt ihr entscheiden. Mit dabei: Burnt Friedman, Caribou, Hiphop von De la Soul und einige Soul und Funk-Stücke. Es ist ein NON-Mixtape, eine Aneinanderreihung von Vinylplatten die ich in meiner Sammlung habe.

„Going like a Ghost“ ist mein DJ und Musiker Synonym. Meine letzten Auftritte hatte ich bei einem Sommerfest, im altehrwürdigen SUB und in einer Pizzeria mit Soundanlage am Meer. Ich habe früher als DJ gearbeitet und damit meinen Lebensunterhalt bestritten, mit den Jahren ist die Häufigkeit an Auftritten zurückgegangen, das Plattenauflegen und selektieren macht mir aber immer noch soviel Spaß, dass ich euch daran teilhaben lassen will. Ich hoffe ich schaffe es jedes Monat ein neues Tape via der Webseite Mixcloud online zu stellen. Viel Vergnügen beim Hören! Des weiteren findet sich das aktuelle Mixtape immer auch als Widget in der Seitenleiste des Weblogs.

Musik

Roadrunner heißt die zweite Singleauskoppelung des Grazer HipHop Aushängeschildes Mr. Dero. Die driftigen Vocals steuerte wie gewohnt der Londoner MC und Singer Songwriter Klumzy Tung bei. Und dieses Gespann scheint ein erfolgreiches zu sein. Mehr als 1 Million Plays auf Spotify, mehrere Top-Ten Platzierungen bei iTunes und das bereits 10 jährige Bestehen als Band sprechen eindeutig für das Künstlergespann. Für sich spricht auch die Tatsache, dass das Duo schon mit namhaften Größen der Hiphop Szene zusammengearbeitet hat. Darunter finden sich Musiker wie Afrika Baby Bam von den Jungle Brothers, Dub Legende Mad Professor oder DJ Vadim, der allen NinjaTune Kennern ein Begriff sein dürfte. Die neue Single Roadrunner ist ein gekonnter Griff in die Dancehall-Reggae Kiste und läßt die Vocals von Klumzy Tung gut zur Geltung kommen kann aber auch textlich überzeugen. Hinfallen erlaubt, wieder Aufstehen eine Tugend. Live überzeugen die beiden mit einer oppulenten Bühnenshow die teils auch von einer Liveband begleitet wird.

Roadrunner – neue Single von Mr. Dero und Klumzy Tung

Das neue Album „For the record“ wird auf dem hauseigenen Tiefparterre Label noch im Herbst diesen Jahres erscheinen, die Vorabsingle „Roadrunner“ nimmt einen aber bereits jetzt mit auf eine Reise, die mit den Worten der beiden nicht dadurch definiert wird „…welche Richtung du im Leben einschlägst sondern wie du dort hingelangst.“ Das malerische Video in dem Klumzy Tung beim Laufen und Überqueren von Hindernissen zu sehen ist, wurde in Österreich und Kroatien gedreht. Für die Regie haben sie Jann Doll & Moritz Wehr von horizonfilms.at engagiert.

Musik

Anja Plaschg, alias Soap & Skin gehört wohl zu den außergewöhnlichsten Musikexporten, die das Musikland Österreich die vergangenen Jahre hervorgebracht hat. Die 1990 in der Steiermark geborene Musikerin und Schauspielerin legt nun – nach „Lovetune for Vacuum“ und dem 2012 veröffentlichten „Narrow“ – ihr 3. Studioalbum nach und bietet mit der Single „Heal“ einen ersten Vorgeschmack auf das im Oktober erscheinende Album „From Gas to Solid- you are my friend“. Das Video, welches von Ioan Gavriel & Anja Plaschg gedreht wurde zeigt dabei eine karge Landschaft während Soap & Skin dazu mit der Unterstützung von Bläsern zärtlich hauchend ein „Do we heal?“ als Refrain zum Besten gibt. Viele Kommentare meinen auch, dass es bei Anja Plaschg eine stete Weiterentwicklung ihrer Musik gibt und gleich einem Björk Video taucht Anja Plaschg auch immer wieder in der Landschaft kurz auf. Das Klavierarrangement trägt einen mit über diese karge Gegend und während eine Kinderstimme zum Schluß des Stücks ein „I have no fear“ zum Besten gibt, bewegt sich die Kamera langsam von Anja Plaschg weg. Aber seht selbst.

Das neue Album erscheint am 26. 10 2018 und kann bereits jetzt vorbestellt werden.

Kunst Musik

Hab mich gerade noch mit der Playlistplattform Soundsgood gespielt. Dies ist eine Playlist mit Tracks die einen vielleicht durch den Sommer begleiten. Viel Vergnügen und be patient, calm down and listen! – Ein wenig Sommerfeeling auf dem Blog.

Musik persönliche Meinung

Sie haben bereits in ihrer Kindheit mit Tapeloops experimentiert, Radiosendungen zerstückelt und ihren eigenen Environmental-Aufnahmen gelauscht. Ihre Alben werden aus einem Pool an Rohmaterial kompiliert, dauern nicht länger als 30 Minuten und spannen dabei den Bogen zwischen verschiedensten emotionalen Zuständen. Die Rede ist von ‘den ewigen Optimisten’ Winterstrand. Die 3 Brüder Simon, Daniel und Matthias Hafner haben Ende letzten Jahres ihr aktuelles Album „to be the odd one out„ (zu dt.: der Außenseiter sein) auf dem österreichischen Netlabel laridae veröffentlicht. Anlass genug mit ihnen über ihre terroristischen Unternehmungen in ihrer Kindheit, über die Wichtigkeit etwas zu Ende zu bringen, die existenziellen Themen des aktuellen Abums, das Musizieren mit der Familie und den manchmal aufkommende Neid auf das Schaffen des anderen zu reden. Welcome to the dark Side of Winterstrand. (Interviewer: Christian Kahr. Datum der Erstveröffentlichung: 5. März 2008)

CK: Ende vergangenen Jahres ist euer aktuelles Album „to be the odd one out“ auf dem Netlabel laridae erschienen. Was war die Intention dieses Album zu machen?

Simon: Eigentlich ist es schon über ein Jahr her, dass wir mit Herwig Holzmann (photophob), geredet haben, dass es Sinn machen würde auf laridae zu veröffentlichen. Es hat sich dann doch über ein Jahr gezogen, weil wir auch mit anderen Projekten beschäftigt waren. Es ist eigentlich kein großes Konzept dahinter, wir machen in unterschiedlichen Phasen unterschiedlich viele Tracks. Das Album ist eigentlich eine Art Compilation, obwohl der Gedanke da war etwas in eine darkere Richtung zu bringen als wir es bis jetzt gemacht haben. Es sind vor allem Aspekte die eher düster ausgefallen sind, die aber genauso melodiöse Teile beinhalten.

Matthias: Diese eher düstere Grundstimmung ist aber natürlich auch etwas das gewachsen ist. Ich würde jetzt also nicht sagen, dass das jetzt ein Konzept war, dem wir nur nachgeeifert haben.

Daniel: Es ist einfach schön sich dem Druck auszusetzen Dinge zu einem Ende zu bringen. Das kann einen gut weiterbringen.

CK: Seit der Veröffentlichung von “to be the odd one out” ist mittlerweile etwas Zeit verstrichen. Was sind eure persönlichen Erfahrungen mit dem Album, was denkt ihr über erhaltenes Feedback?

Simon: Das außergewöhnlichste Feedback war: Das Album ist so super, so hätte das neue Tom York Album (The Eraser A.d.V.) sein sollen. (lacht) Das ist schon hart weil das natürlich eine ganz andere Qualität hat. Wir sind ja sehr kritisch mit unserer eigenen Sachen und viel zu wenig selbstbewusst. Dann ist es lustig eine Kritik zu hören, die sozusagen über das Ziel hinausschießt. Ich denke aber, dass es vielen Leuten gefällt. Generell bin ich schon etwas Feedback süchtig, weil ich soviel Energie investiere und die brauche ich dann auch wieder zurück. Wenn ein paar Leute wirklich berührt sind oder etwas daraus schöpfen können, dann ist das viel wert.

Matthias: Ich hab mich in letzter Zeit – seit ich in Berlin war im Prinzip – eher zurückgezogen was die Musik betrifft bzw. mich mehr auf andere Dinge konzentriert. Daher ist mein Blickwinkel auf alle Prozesse von Winterstrand ein etwas anderer als bei Simon und Daniel. Dieses Album ist das erste, bei dem ich eigentlich nichts beigesteuert habe als Kritik – also meine Meinung als mehr oder minder beeinflussendes Moment. Deshalb hab ich etwas Distanz zu diesem  Album. Trotzdem finde ich es großartig! Es versteckt sich in dem Album ein wichtiger und gelungener Prozess denke ich.

Daniel: Ich bin – und das unterscheidet mich von Simon – relativ uninteressiert an Feedback und Öffentlichkeit – mein persönlicher Zugang zum Album hat sich seither kaum geändert – ich höre es hin und wieder und ich finde es nach wie vor rund.

Simon: Das finde ich ja gerade so toll, dass es euch nicht interessiert. Ich bin halt der, der das ganze ein wenig mehr nach Außen zerrt .. und deswegen hat sich diese Feedbackschleife bei mir gebildet … ist zwar manchmal nervig.. aber da das Feedback ja auch meistens gut ist, hab ich kein Problem damit.

Daniel: Ich fühle mich dadurch aber immer ein wenig in einer Schuldposition.

Simon: Das kommt sicher deshalb weil du zu spät getauft worden bist. (lacht)

Matthias: Ich hab nie Schuldgefühle – wahrscheinlich weil ich nie getauft worden bin.

CK: Wie entstand der Titel zu „to be the odd one out“, eurem aktuellen Album?

Daniel: Ich weiß es nicht mehr…

Simon: Bis jetzt war es ja meistens recht klar wie die Alben heißen. Aber diesmal hab ich ein wenig gesucht .. also wie schon alles fertig war. Im “Leo” gebe ich zu.

Matthias: Wir hatten da ein Foto, das wir sehr gerne als Coverbild benützt hätten – dazu passte der Titel ganz gut, aber letztendlich hat sich das Cover dann doch geändert.

Simon: Weil es ja ein wenig um die düstere Stimmung ging am Album kam ich dann zu diesem “Außenseiter sein”. Also das schmerzliche Gefühl – als Kind, als Teenager – manchmal auch später noch.

Daniel: Dass ich das erst jetzt erfahren muss.

CK: Was verbindet ihr persönlich mit dem Gefühl ‘ein Außenseiter zu sein’?

Daniel: Die Tracks haben für mich auch mit existenziellen Themen zu tun wie eben das Gefühl ein Außenseiter zu sein, welches wir sicher alle kennen.

Simon: Das sich selbst Fragende (possibly); das sich Trauen (dimensionsbrecher). das sich getraut haben (rave dans un champ des choux-raves). Was im französischen soviel heißt wie “Rave in einem Kohlrabifeld“… eben so ein Wortspiel…

Daniel: Dann das Erkennen von Fehlern (morbide)

Matthias: Ich kann mich mit der Rolle des Außenseiters auch identifizieren – das hat so was von einem Urkampf.

Simon: Genau! und „the white table“ (alles Nummern des Albums A.d.V) am Schluss.. also – Quasi: Alles ist möglich… Schön eigentlich, dass wir das jetzt so auflösen. Jetzt merk ich erst, dass das wirklich rundherum passt.

Matthias: “Alles wird gut” – das ist irgendwie das Gefühl das unsere Schlussnummern auch immer transportieren wollen.

Daniel: : )

Simon: ja… Alles wird gut! Die ewigen Optimisten…

Matthias: Dabei sehe ich mich als kritischen Realisten. Wie auch immer.

CK: Wann gibt es bei euch den Punkt wo ihr sagt, jetzt mach ich eine Nummer, weil ich mein Gefühl am besten in dieser Form ausdrücken kann?

Matthias: Ich glaube, dass da eben das System des Kompilierens aus einer ganzen Menge Tracks heraus da ganz zentral ist. Also, wenn ich mir vorstelle so aus einem linearen Produktionsprozess heraus ein Album entstehen zu lassen, dann glaube ich, wäre es nicht möglich solche Bögen zu spannen. dann würden sich die einzelnen Nummern vermutlich zu sehr ähneln.

Daniel: Bei mir ist das eher so: Simon sagt mir das es schon höchste Eisenbahn ist, die fürs nächste Album ausgewählten Tracks weiterzumachen – dann warte ich noch ca. zwei Wochen bis eineinhalb Monate und dann setz ich mich so um 23:30 hin und öffne mein Programm. Das ich einen neuen Track mache kommt eher selten vor und lässt sich weder zeitlich noch situationsbedingt festhalten. Jedoch ist es meistens phasenweise, dass ich z.B. innerhalb von einem oder zwei Monaten 5 neue Tracks mache.

Matthias: Für mich gibt es jedenfalls sehr viele unterschiedliche Arten eine Nummer zu beginnen. Manchmal gibt es eine konkrete Idee wie eine Melodie oder ein Soundexperiment, oder einfach nur Lust. Dann abwarten ob sich diese Lust irgendwie manifestiert in etwas begeisterungwürdigen.

CK: Werdet ihr das Konzept des Kompilierens auf den nächsten Alben beibehalten?

Simon: Im Prozess verändert sich das ganze doch immer stark, aber wir haben für das nächste Album schon viele Nummern die wir verwenden wollen. Die sind nicht hundertprozentig aktuell. Es gibt auch Tracks die dann noch im Planungszeitraum davor entstehen. Wir tragen einzelne Fragmente zusammen. Was wichtig ist: Wir komponieren nicht zweckgebunden an einer Nummer aber es sollte für uns gefühlsmäßig eine Seite wiedergespiegelt werden, die wir im Album noch präsent haben wollen. Es geht um Aspekte die wir berücksichtigt haben wollen, da wir alle drei unterschiedliche Zugänge haben.

Daniel: Ich springe gerne über meinen Schatten. deshalb hätte ich auch nichts dagegen, wenn das nächste Album sich sehr unterscheidet von den vorherigen. Ich würde es begrüßen.

 

Matthias: Es ist halt immer wichtig, dass man einen Schritt weiter geht. – In welche Richtung der dann ausfällt ist Geschmackssache. Dass wir da marktorientiert denken würden, davon sind wir sowieso weit entfernt. Rumprobieren, ausprobieren, das ist für mich sehr zentral. Das System des Kompilierens kommt dem dann halt auch sehr entgegen.

CK: Was ist für euch das besondere eines Winterstrand Albums bzw. eurer Musik?

Matthias: Das Besonderste an unserer Musik ist für mich, dass sie von uns ist.

Simon: Also auch wenn das Winterstrand – Musikmachen nicht unbedingt unter Zeitdruck passiert, ist es dennoch oft in Schüben – wo dann gleich mal 2-5 Tracks entstehen – und oft geht es mir durch persönliche Probleme dabei emotional sehr intensiv – oder auch wenn ich durch Krankheit ans Bett “gefesselt” bin, dann mach ich Musik. Das wird meistens auch ganz gut. Ich bin ja auch auf meine Solosachen (Simon/Off Sun People Anm.d.V.) konzentriert aber dennoch weiß ich, dass wenn ich mich dann wieder hinsetze mit dem “Winterstrand Gedanken” dann kommt etwas aus einer momentanen Stimmung heraus. Sehr oft bin ich auch von Sachen beeinflusst die um mich herum passieren. Stimmungen und manchmal auch Zitate von Filmen die mich berühren.

Matthias: Für mich ist der Prozess des Machens ein sehr geheimnisvoller – ich könnte nicht sagen wo da der Kern dabei liegt.

CK: Daniel gab diesem Chatgespräch den Titel „Musizieren mit der Familie“. Was ist anders wenn man mit Menschen, die man schon so lange kennt gemeinsam an einer Sache arbeitet?

Daniel: Die Kommunikation und das Wissen um das Wissen des anderen.

Simon: Das Grundverständnis glaub ich ist ganz anders. Ich muss da nicht unbedingt Sachen hin und herschicken. Die Möglichkeit – auch wenn du keinen einzigen Sound bewegt hast – in einem konkreten Stück es als “dein” Stück begreifen zu können.

Matthias: Au ja. Für diesen Fall hast du Simon ja aber auch noch die Ausweichmöglichkeit auf dein eigenes Pseudonym.

Daniel: Ich aber auch.

Simon: Ich glaub das mit dem Pseudonym ist nur eine Möglichkeit Winterstrand von ganz viel Schrott zu verschonen… (lacht)

Matthias: verdammt.

Daniel: nein.

CK: Ihr habt ja schon im Kindesalter mit Klang und Musik experimentiert. Wie sah eurer damaliger Zugang im Vergleich zu heute aus?

Daniel: Es ist ein Traum von mir wieder so frei zu denken wie es für mich damals selbstverständlich war. Ich versuche, meist erfolglos, mir den Alltag so zu gestalten das ich mich von Zeit zu Zeit total gehen lassen kann.

Simon: Eigentlich gibt es zwei Zeitstränge. Auf der einen Seite die Anfangszeit am Rechner Musik zu machen, das ist die Linie die sich bis heute durchzieht… Und davor die Zeit, die wir als Kinder damit verbracht haben, mit Sound zu experimentieren. Die eigenen Stimmen aufnehmen, eigene “Radiosendungen” aufnehmen, mit Instrumenten herumspielen. Damals hat das begonnen, so zur Volksschulzeit mit Tape-Loops, Boxen rausstellen, die Nachbarn terrorisieren mit auf 30 Minuten geloopten Rülpsen und Klospülungen (lacht)… oder auch Environmentaufnahmen. Das haben wir so gesehen relativ früh gemacht. Schauen was passiert und die Sachen zusammenstückeln war die Devise. Das hat sich etwas verlaufen durch Schulstress und andere Sachen. Dann bekam ich irgendwann über einen Schulkollegen das Programm Fasttracker. Da sahen wir das erste mal die Möglichkeit mit dem Computer so etwas ähnliches zu machen. Das hat sich weiterentwickelt – hat uns nicht mehr losgelassen.

Matthias: Ich muss da bescheiden sagen, dass ich, was die Musik betrifft total der Mitläufer war. Was die beiden Jungs, die ja beide älter sind als ich, gemacht haben war für mich halt auch immer interessant und da hab ich dann halt immer auch mitgemischt. oder mich eingemischt.

Simon: Wir waren lange Zeit sehr isoliert weil wir niemanden kannten, der auf diese Art Musik machte. Wir haben es hauptsächlich für uns gemacht. Für Daniel und Matthias ist es heute vielleicht noch mehr so wie damals. Bei mir ist das Auflegen dazugekommen und dadurch bin ich da auch etwas mehr nach Außen gegangen. Das haben meine Brüder nie auf diese Weise gemacht.

das gesamte Album zum Anhören:

 

CK: Man hört auf dem aktuellen Album (wie bei den Alben zuvor) auch Aufnahmen aus der Experimentierphase eurer Kindheit. (the white table – A.d.V.) da hat sich über die Jahre doch ganz schön viel Material angesammelt, oder?

Simon: Als Kind denkt man nicht primär an Archivierung, da ist der erlebte Moment das, was zählt. Deshalb ist da auch immer wieder vorgekommen das etwas gelöscht wurde. aus der frühen Phase als wir mit dem Computer angefangen haben, haben wir mehr Material. Da haben wir mit Tapes gespielt, mit Mikrophonen, Gitarren, Effektgeräten und Feedbackschleifen experimentiert. Zu „the white table“: Der Track wurde 2-3 Wochen vor der Veröffentlichung fertiggestellt. Es gibt so gewisse Fixpunkte in unseren Alben. Wir entwickeln uns da nicht so von Album zu Album. es gibt so eine Struktur wie das Album ausschauen soll und da brauchen wir eine Schlussnummer, die für uns ein bestimmtes Gefühl transportiert. So wie auf dem Miga-Album ist da ein Sample drinnen, welches ein wenig versteckt ist. Beim Miga-Album muss man die Nummer rückwärts spielen und bei „The White Table“ muss man das eher herausfiltern.

Daniel: Yes.

CK: Eure Alben sind eigentlich Mini-Alben, sie sind relativ kurz, bestehen aus maximal 9 Nummern. Ist das Konzept oder einfach nur Zufall?

Daniel: Konzept und Zufall sollten sich meiner Meinung nach nicht ausschließen.

Simon: Ich würde sagen ab jetzt ist es Konzept. (lacht) Bei den ersten beiden Alben hat es sich zufällig ergeben. Es waren neun Nummern mit ca. 30 Minuten Länge. Ich finde das schön einen Rahmen zu haben und wir werden das wahrscheinlich so beibehalten. Früher waren Alben auch nicht länger als 30 bis 40 Minuten. Zum Beispiel alte LPs, die nicht so dicht bespielt waren. Ich hab viele 70er Jahre Schallplatten, die sind einfach nicht länger. Später, wie die CD auf den Markt gekommen ist, hat es dann meistens längere Versionen gegeben oder einen Bonus Track. Dass ein Album eine Stunde oder 74 Minuten lang ist, hat ja auch etwas mit technologischer Entwicklung zu tun. Für mich muss ein Album, um eine runde Sache zu sein, nicht zwingend 60 Minuten lang sein.

Matthias: Außerdem machen kurze Alben weniger Arbeit. (lacht) Nein, im Ernst: Ich finde es einfach auch sinnvoller die Essenz eines Produktionszyklus herauszufiltern und das bedingt eben, dass man sich mit kritischem Blick von vielem trennt, was man gemacht hat und was man eben nur als mittelmäßig ansieht oder so. Weniger ist mehr – der alte Spruch der kommt da für mich schon zum tragen.

CK: Ihr wohnt im Moment örtlich voneinander getrennt in Wien und Graz. Wie schaut die Arbeit an den einzelnen Nummern aus? Schickt ihr euch gegenseitig Samples zu, oder hört ihr euch fertige Sachen der anderen einfach nur an?

Simon: Auf der einen Seite arbeiten wir auf unterschiedlichen Produktions-plattformen d.h. rein technisch können wir zumindest im Moment gar nicht die Tracks austauschen.

Matthias: Unsere Sample-Bänke tun wir immer wieder mal, wenn auch sehr sporadisch, einander abgleichen; also wenn da was interessantes neues Material dazu kommt. Das bedingt allein schon der Neid.

Simon: Wir haben auch sehr viele Nummern die halbfertig auf unseren Rechnern herumliegen – wo der eine dann den Track vom anderen fertigstellt. Es passiert schon, dass wir Tracks austauschen, aber die liegen eher in einem Archiv herum und werden dann mal ausgegraben. Es passiert eher, dass jemand von uns eine Nummer entdeckt und er denkt er möchte die jetzt fertigstellen oder zumindest daran weiterarbeiten. Wir schicken aber Tracks hin und her um uns gegenseitig zu bestärken bzw. wo wir um die Meinung des anderen zu der Art der Nummer und/oder des Arrangements bitten. Feedback holen ist wichtig und das funktioniert eigentlich sehr gut. Bei der Fertigstellung des Albums sitzen wir dann noch zusammen und gehen die Nummern nochmals durch um unseren soundtechnischen Ansprüchen gerecht zu werden. Was wir früher auch nicht gemacht haben. es ist auch unser erstes Album mit professionellem Mastering für das sich unser Freund Kabelton (Gerald Schauder – A.d.V.) verantwortlich zeichnete. Wenn man das gemasterte Album mit früheren vergleicht macht es schon einen Unterschied. Obwohl alles seine Qualität hat. Ich finde Sachen, die roh produziert sind nach wie vor spannend. Sich mit Mastering als Prozedur zu beschäftigen, ist aber im Moment gerade für mich sehr interessant.

Daniel: So ist es.

Matthias: Mir ist das Mastering auch nicht wurscht. Ich bin immer schrecklich unzufrieden, wenn was nicht richtig fetzt, so wie ich mir das vorstelle. Ich möchte, dass das Mastering oder die richtige Mischung einfach etwas ist, das man so als technische Grundvoraussetzung beherrscht, um sich dann voll auf den kreativen Teil des Produzierens konzentrieren zu können. Im Moment ist es bei mir aber eher noch so, dass Nummern so entstehen, dass am Ende noch ein schrecklicher Kampf ums Mastering ansteht. Aber das wird auch zunehmend besser.

CK: In welcher Art und Weise beeinflussen eure anderen Betätigungsfelder/Projekte Winterstrand und umgekehrt?

Matthias: In meinem Fall momentan insofern, dass ich zurzeit sehr wenig Musik mache. Aber das wird sich demnächst wieder ändern. Aber ich merke keine direkte Beeinflussung oder Wechselwirkung was meine unterschiedlichen Tätigkeiten oder Interessen betrifft.

Daniel: Schwierige Frage. Ich arbeite ja in sehr viele Richtungen in so einem fast oszilierenden Rhythmus. Es scheint, als käme ich immer wieder auch zurück zum derartigen Musik machen.

Matthias: Ich habe seit jeher den Kampf mit mir selbst, dass ich mich auf kein Interessensfeld richtig konzentrieren kann, da immer so viele Dinge parallel interessant sind. So ändert sich auch mein Musikgeschmack andauernd. Es entstehen dann sehr oft Dinge, die nicht mit Winterstrand unter einen Hut zu bringen sind, weil sie eben so ein ganz anderes Feld öffnen. Diese Stücke bleiben dann meistens unfertig liegen und warten darauf, dass sie irgendwann wieder von mir wahrgenommen werden. Es passiert ja oft, dass wir alte Nummern von einander wiederentdecken und in ganz neuem Licht sehen. Diese werden dann wieder aufgenommen und adaptiert, oder daraus gesampelt. So entstehen wieder neue interessante Dinge. Es ist auf jeden Fall nie etwas umsonst. Ich glaube daran, dass wir irgendwann auch wieder etwas näher zusammenkommen, was Winterstrand betrifft.

Simon: Ich sag mal so. Ich würde mir vielmehr Winterstrand in meinem täglichem Leben wünschen. Wie das dann konkret aussehen könnte weiß ich auch nicht. Es ist eher eine Sehnsucht mit der ich mich bewege und die in gewissen Momenten, beim Livespielen, Musikmachen, zusammensitzen mit Familie oder guten freunden, Musikhören und beim Tanzen manchmal erreicht wird.

CK: Das neue Album, “to be the odd one out”, klingt dunkler und schwerer als die Letzten. Woher kam der Wunsch ein eher düsteres Album zu machen?

Simon: Weil es eine Seite an uns ist, die uns wichtig ist, die aber bei den bisherigen Veröffentlichungen unterrepräsentiert war. Es hängt auch durchaus mit dem Live Spielen zusammen. Wir spielen ja nicht so oft, aber wenn wir spielen machen wir dann teilweise eigene Tracks dafür, die durchaus in eine düstere Richtung gehen. Das hat uns eigentlich sehr viel Spaß gemacht und wir haben diese Musik als besonders kraftvoll empfunden. Das wollten wir ein bisschen weitergeben. Grundsätzlich macht das schöne, melodiöse im Gegenspiel mit den dunkleren Teilen ja auch einfach mehr Sinn. Für mich war die Intention, dass vieles was wir um uns wahrnehmen, doch sehr dunkel ist und da ist das Album eine Art Gegenreaktion. Man kann es aber auch so sehen: Wir haben eigentlich eine glückliche Zeit durchlebt und deshalb hatten wir die Möglichkeit etwas dunkleres zu machen.

Matthias: Immer nur diese lieblichen Melodien – das ist nicht nah am Leben. In der Masse kann das mittlerweile so abstoßend auf mich wirken. Das Album finde ich ja eigentlich gar nicht düster – es bewegt sich für mich nur in dem Spannungsfeld zwischen den gewohnten “schönen” Melodien und eben etwas härteren Elementen.

Daniel: Ich empfinde an den Tracks auch gar nichts düsteres. Es geht wie es eben auch im Leben ist, halt nicht immer um die selben Dinge. Manchmal geht es einem eben nicht gut.

Matthias: Für mich hat das gar nicht unbedingt mit persönlicher Verfassung zu tun sondern viel mehr mit beobachten des Umfelds oder der Welt – ohne zu pathetisch klingen zu wollen.

CK: Die Melodien wie bei der Nummer ‘sense of nothing’ sind sehr verspielt und komplex. Die Ästhetik erinnert mich mitunter an Musik von Philip Glass. Wie entstehen eure Melodien / erste Teile eurer Musik und mit welchen Programmen arbeitet ihr?

Daniel: Der Link zur minimal Musik finde ich schön. Danke. Ich habe ja auch ein Soloprojekt am laufen wo es viel mehr in diese Richtung geht. Was die Produktion betrifft bin ich wieder zurückgekehrt zu unserem Ursprung und arbeite in einem Trackerprogramm. Das arbeiten dort ist sehr roh und abstrakt – die Möglichkeiten im Vergleich zu einem Ableton Live (Digital Audio Workstation A.d.V.) sind sehr eingeschränkt – aber es bietet auch viele Möglichkeiten die man sonst nirgendwo hat.

CK: In eurer Musik sind unterschiedlichste Einflüsse auszumachen. Neben elektronischen Anlehnungen an Labels wie Warp oder Rephlex findet man bei euch auch Einflüsse, die eher in Funk, Jazz und früher experimenteller Elektronik fußen. Habt ihr für Winterstrand musikalische Vorbilder und wenn ja welcher Art?

Simon: Ich würde sagen was Winterstrand betrifft, mittlerweile nicht mehr. Es hat viele Sachen gegeben die uns in unserer Anfangsphase schon stark beeinflusst haben oder von denen wir beeindruckt waren. Es spielte sicher auch die Motivation eine Rolle, einen Track zu machen der so klingt wie der oder der. Warp und Rephlex hatten sicher auch großen Einfluss. Es war ja aktuelle Musik, die uns beeinflusst hat, wie wir mit dem Computer angefangen haben Musik zu machen. Da war aber auch viel Jazz dabei – beeinflusst durch Platten die wir von unseren Eltern hatten. Dub – grundsätzlich als Produktionsweise – auch wenn man das in den Nummern nicht so hört. Mittlerweile sind wir soweit “Winterstrand Musik” machen zu können und nicht bewusst irgendwas kopieren zu wollen. Es geht uns irgendwie um ein Gefühl und das hängt eher mit uns persönlich zusammen. Assoziationen zu unserer Kindheit, zu uns als Geschwister, solche Sachen sind über die Jahre wesentlich wichtiger für die Musik geworden.

Daniel: Ich hab noch nie einen Track gemacht der klingen sollte wie (…) (lacht)

Matthias: Aber das hat vielleicht eher damit zu tun, das du es nicht geschafft hast. (lacht)

CK: Welche Vorbilder gab es in eurer Anfangszeit?

Simon: Squarepusher war auf jeden Fall zentral mit dem Album “feed me weird things”, das hat mich damals aus allen Wolken fallen lassen. Tangerine Dream, die ganz frühen Sachen. Kraftwerk. Brian Eno. Jazz – hab ich schon erwähnt – Miles Davis. Dadurch, dass ich eine Zeit lang in einem Grazer Plattenladen gearbeitet habe, hab ich ein paar 70er und 80er Jahre Musik entdeckt, die nicht die typische Kraftwerk Ästhetik hatten aber schon mit elektronischen Beats untermalt waren und sehr melodiös daherkamen. Aber nicht so schwer verkitscht, es waren eher einzelne Tracks die sich von einem Album abhoben. Peter Baumann, eben von Tangerine Dream, oder auch auf dem Label von Klaus Schulze sind ein paar Sachen released worden die ganz interessant waren. Clara Mondshine zum Beispiel.

Daniel: Ja. Die Platten die Simon ausgegraben und gespielt hat waren anfangs bestimmt prägend. Wir haben sehr genau gehört und viel analysiert. Das eintauchen in die Musikgeschichte hat uns sehr begeistert.

Matthias: Ich hab generell keine Vorbilder würde ich sagen. Ich mag Sachen oder ich mag sie nicht und ich lass mich von allem möglichen beeinflussen, teilweise auch von ziemlichem Schrott, zumindest würden das andere behaupten. Da bin ich mir sicher. Aber da kann man ja seine Geheimnisse haben. (schmunzelt)

CK: Wann hat sich der spezielle Winterstrand Sound entwickelt? Ab wann würdet ihr sagen, dass das was ihr macht Winterstrand ist?

Simon: Es gab so einen Zeitpunkt wo wir einiges an Material zusammengestellt haben und das ganze auf eine CD gepappt haben und geschaut haben, dass es zusammenpasst und dass man die CD durchhören kann. Ab diesem Zeitpunkt hat eine gewisse Selbstreflexion eingesetzt, dass wir angefangen haben zu wissen wie wir klingen. Da wir ja viele unterschiedliche Sachen machen und das auch noch zu dritt. Aus dem heraus wissen wir wie sich ein Winterstrand Album anfühlt und so hat sich das für mich entwickelt.

Daniel: Ich versuche möglichst frei zu arbeiten. Wenn es so etwas wie einen typischen Winterstrand Sound gibt, dann hat das mit meinem (vielleicht unserem) Unterbewusstsein zu tun. Ich sehe keinen Grund meine Arbeitsweise bzw. das Ergebnis zu typisieren.

Matthias: Für mich hat Winterstrand komischerweise immer etwas mit Nostalgie oder einer Sehnsucht zu tun. Ein bisschen Wehmut muss mitschwingen. so etwas zähflüssiges, dass einem gut schmeckt, was man aber so schnell nicht wieder wegbekommt. Aber zeitlich eingrenzen könnt ich da jetzt nicht, ab wann das für mich so war.

CK: Wann wird euer erster Release auf Platte zu bekommen sein? Ist das überhaupt ein Thema?

Simon: Ist eine schwierige Frage weil ich momentan den Standpunkt habe, dass mir das egal ist.

Matthias: Naja einen Vinyl-Release gibt es ja im Prinzip bereits.

Simon: Ich find die Netlabelszene sehr interessant; Ich finde auch den Grundgedanken von Creative Commons über den Umgang mit kreativem Material gut. Natürlich kann man auch auf Vinyl mit einem Creative Commons Lizenzvertrag veröffentlichen. (seufzt) Die Musikindustrie und die Plattenindustrie ist ein sehr komplexes Thema, eine schwierige Sache. Es kommt noch hinzu, dass die Winterstrand Sachen ein wenig in dem sogenannten IDM – Eck (intelligent dance music A.d.V.) drinnen sind wo es sehr viele unterschiedliche und v.a. gute Sachen gibt und ich das auch nachvollziehen kann, dass die Labels unter dem Druck unter dem sie stehen lieber auf renommierte Acts setzen oder eher tanzbare Sachen veröffentlichen. Es liegt mitunter auch daran, dass wir wenige Demos verschicken. Das letzte Demo habe ich glaub ich 2005 weggeschickt…

Daniel: Ich denke auch, dass das nicht mehr so das Thema ist wie vor ein paar Jahren. Da haben wir dauernd davon geträumt.

Matthias: Seh ich auch so.

CK: Habt ihr ein Winterstrand Lieblingsalbum?

Simon: Eigentlich nicht. Wir haben einmal ein Album zusammengestellt wie wir noch kein Label gehabt haben, das gibt es in einer Auflage von 10 oder 15 CDs. Superrar! Das wird hoffentlich mal so ein Collectors Item im handgemachten Pappcover und die CD hat geheißen: Einmal ist keinmal. Das ist meine Lieblings-CD, aber die gibt es halt nirgendwo. (lacht)

Daniel: Ich muss sagen, und das ist vielleicht ein gutes Zeichen, mir gefällt, solange ich nicht anfange für das kommende zu arbeiten, das letzte Album immer am besten.

Matthias: Ich habe kein Lieblingsalbum, so wie ich kein Lieblingsessen oder eine Lieblingsfarbe habe. Klingt langweilig, ist aber so. Für mich ist alles sehr stimmungsabhängig.

CK: Welchen Stellenwert hat für euch das live Spielen vor Publikum?

Simon: Also für mich ist das schon wichtig. Mir schwebt ja ein “richtiges” Live Konzert von Winterstrand vor. Also mit Instrumenten und allem drum und dran. Es gibt ja doch einige Nummern die eine gewisse “Band” – Affinität in sich tragen.

Matthias: Also ich wäre da sehr sehr neugierig etwas zu machen, dass mehr live passiert. Das ist eines der Dinge die ich sehr vermisse irgendwie. Aber das ist bestimmt eine sehr große Herausforderung für uns alle – vor allem durch die geografische Distanz. Diese Sache würde ein ganz anderes Produzieren verlangen, meiner Meinung nach; Ein wirklich gemeinsames Produzieren.

Daniel: Das denke ich auch, das das ein Problem ist. Außer wir erstellen ein klares Muster für ein Liveset oder eine Arbeitsweise. Aber das ist uns schon einige Male misslungen. Das live spielen erfordert phasenweise eine besonders intensive Auseinandersetzung mit der Arbeit. Ich finde zwar, das nichts über das produzieren im stillen Kämmerchen geht, aber das wie zuvor beschriebene Rohr nach außen ist auch sehr wichtig für jeden Künstler.

CK: Wie sieht für euch die Zukunft von Winterstrand aus?

Matthias: Ich denke da gar nicht unbedingt drüber nach, wohin sich Winterstrand entwickeln wird. Auf jeden Fall ist mir der Austausch den wir auf dieser musikalischen, künstlerischen Ebene miteinander haben sehr wichtig. Das wird auch bestimmt so bleiben.

Daniel: In absehbarer Zukunft bleibt Winterstrand ein fixer Bestandteil meiner Arbeit. Ich liebe diese Art zu arbeiten. Auch wenn ich längere Zeit nichts neues mache – es rumort und kommt immer wieder zurück.

CK: Vielen Dank fürs Interview.

Die Netlabelalben von Winterstrand stehen – wie es der Grundgedanke von Creative Commons vorsieht – gratis als Download zu Verfügung. Sollten sich aber einige Mp3s ihren Weg in eure Wiedergabelisten bahnen, freuen sich die drei Jungs über jeden Geldbetrag der auf ihrem Paypal Konto aufscheint.

Alle bisherigen Veröffentlichungen sind auf Discogs einsehbar.

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