Kategorie: Film

Wenn ich an die detailreiche Miniaturwelt eines Clemens Wirth denke kommt mir momentan schlagartig der neue „Willkommen in Marwen“ Trailer in den Sinn. Clemens Wirth baut kleine Miniaturwelten, die genauso ein Eigenleben zu haben scheinen wie die Figuren und Fantasiewelt der Hauptfigur Mark Hogancamp (Steve Carell) im neuen von Robert Zemecki’s produzierten Blockbuster „Willkommen in Marwen“. Steve Carell durchlebt eine schwierige Zeit in der ihm seine Figurenwelt die Möglichkeit gibt wieder Selbstbewußtsein zu erlangen. Er, ein Zweiter Weltkriegsillustrator, wird von ein paar Nazis brutal zusammengeschlagen und muß daraufhin vieles in seinem Leben wieder neu lernen.

Mark (Steve Carell) fügt Stücke aus seinem alten und neuen Leben zusammen und erschafft akribisch eine wundersame Stadt, in der er heilen und heroisch sein kann.

4 starke Frauen in seinem Leben unterstützen ihn bei seiner Genesung und genau um diese Frauen und die Abenteuer, die er mit ihnen in seiner Fantasie erlebt geben ihm wieder die Kraft im normalen Leben Fuß zu fassen. Ein, glaube ich, berührender Film mit einem sehenswert spielenden Steve Carell in der Hauptrolle.

 

Clemens Wirth hingegen ist für seine Miniaturwelten auch über die Grenzen hinaus bekannt, er ist Regisseur und Stop Motion Designer mit einem Faible für Makrofotografie. Zu seinen Klienten zählen die BBC, Eurosport, das Red Bull Medien Haus und viele weitere. Er hat einen Abschluß des Kunst und Design Studiums der FH Salzburg und lebt in Innsbruck. Dieser kurze Film zeigt ebenfalls die wunderbare Welt in die er gelegentlich abzutauchen vermag und die selbst zum Träumen und verweilen einladen.

one minute of miniatures from Clemens Wirth on Vimeo.

 

Design Film Fotografie

Eigentlich war Johannes Grenzfurthner mit einem anderen Filmprojekt beschäftigt, da es aber keine Förderung vom ORF bekam und er nicht unnütz seine Zeit verstreichen lassen wollte, machte er sich an, einen Diskursfilm zu machen, der halb Spielfilm, halb Dokumentation ist. Vorgestellt wurde der Film bereits im März diesen Jahres bei der Diagonale in Graz.

Glossary of Broken Dreams, behandelt unterschiedliche Begriffe des heutigen politischen Diskurses, wie Privatsphäre, Freiheit, Identität, Demokratie oder den Markt an sich mit unterschiedlichen gestalterischen Mitteln wie Puppentheater, Animé oder anderen gestalterischen Mitteln.

Lumpennerd Johannes Grenzfurthner gives an ideotaining cinematic revue about important political concepts. Everyone is talking about freedom! Privacy! Identity! Resistance! The Market! The Left! But, yikes, Johannes can’t tolerate ignorant and topically abusive comments on the „Internet“ anymore! Supported by writer Ishan Raval, in this film, Johannes explains, re-evaluates, and sometimes sacrifices political golden calves of discourse.

Der Film der einige Festivalpreise gewann, wurde von Günther Friesinger co-produziert. Hier der Trailer des Films:

Johannes Grenzfurthner ist Gründer des KünstlerInnenkollektivs Monochrom, welches heuer auch sein 25 jähriges Bestehen feierte. Das Kollektiv macht immer wieder durch Aktionen, Theaterperformances und kuratierten Ausstellungen auf sich aufmerksam. Eine jährlich herausgebrachte Textsammlung spiegelt den Aktionsradius der Gruppe, die in Wien, Graz und Bamberg zuhause ist wider. “ v.a. das sammeln, gruppieren, registrieren und befragen (befreien?) von alltagskulturellen Vernarbungen ist Monochrom Passion und quasi-ontologischer Auftrag.“

Film Medienkunst

Wenn am Schluss der ehemalige Polizist die Haupdarstellerin des Filmes, Frances McDormand, fragt ob sie dem möglichen Vergewaltiger etwas antun werden antwortet sie darauf, dass sie sich das ja noch während der Fahrt überlegen können. Diese Fahrt steht für mich für das Unvermögen einen Frieden mit der erlittenen Lebensgeschichte zu finden. Diese Fahrt ist stellvertretend für das Leben der Mildred Hayes und ihrem nicht versiegenden Schmerz über den Verlust ihrer Tochter, die verbrannt und vergewaltigt worden ist und dem Umstand geschuldet, dass das Verbrechen nicht aufgeklärt worden ist.

Davor ist ‚Three Billboards outside Ebbing Missouri‘ eine Geschichte einer Mutter, der es finanziell möglich ist drei Reklametafeln dafür zu verwenden um auf das Unvermögen der Polizei von Ebbing Missouri hinzuweisen. Three Billboards könnte dabei ein Western sein, dem Genre der Rache und der Wut.  Eine verschrobene Outsiderin wirbelt Staub auf, der Sheriff hat Krebs und richtet sich selbst, da er nicht von seiner Frau zu Tode gepflegt werden will. Er stirbt mitten unter seinen geliebten Pferden, schreibt Abschiedsbriefe und gibt sich dann die Kugel. Officer Jason Dixon ist ein rabiater Raufbold der aufgrund eines Ausrasters nach dem Tod des Sheriffs vom Dienst suspendiert wird und dessen Charakter meiner Meinung nach zu spät im Film an Tiefe gewinnt. Er ist ebenfalls ein Sonderling der mit seiner Mutter zusammenlebt und für den das Leben lange Zeit einfach nur schwarz und weiß ist.

Three Billboards outside Ebbing Missouri ist aber auch Sozialdrama und erzählt von einer Familiengeschichte die gar nicht ins Lot zu kriegen ist, da die Mutter am Tag des Verschwindens ihrer Tochter zu ihr im Streit sagt, dass es ihr schon recht ist wenn sie am Nachhauseweg vergewaltigt wird. Der Sohn versucht mit seiner Mutter und dem Verlust seiner Schwester fertig zu werden, der Vater hat eine Liebesbeziehung zu einer 19 Jährigen, die auf die ‚Pferde von Behinderten‘ aufpasst. Und da liegt auch der Charme des Filmes. Es sind die kleinen Bloßstellungen, das zur Schau stellen einer südstaatlichen Mentalität gepaart mit dem sarkastischen Humor der Hauptdarstellerin, wenn sie zum Beispiel dem Pfarrer Mitgliedschaft in einer Gang von Pädophilen unterstellt. Hier ist der Film stellenweise eine Komödie, aber Komödie passt zu diesem vielschichtigen Drama nicht ganz, es ist immer eine Humor der einen auch zum Nachdenken anregt und Fragen über Vergebung, Gerechtigkeit oder Hass aufwirft. Prädikat: sehenswert.

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Frences McDormand als Mildred Hayes for einem ihrer Billboards

Film